Interview mit Guido Krain

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Jederzeit gerne!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Das nenne ich mal eine offene Frage ;o)

Ich wurde kurz nach Beginn der Unixzeit geboren, habe Biologie und Japanologie studiert und bin mit einer journalistischen Ausbildung ins Berufsleben gestartet. Ich lerne gerne und ständig, bin neugierig und allergisch gegen Ignoranz, Dogmen und Dummheit – was in der Regel das Selbe ist.

Seit wann schreibst du? 

Ich lebe schon mein gesamtes Berufsleben lang von den Früchten meiner Tastatur. Meine erste Kurzgeschichte habe ich mit 8 Jahren geschrieben – auch wenn das Ergebnis nicht gerade lesenswert ist. ;o). Nach dem Studium habe ich ein Volontariat absolviert, Werbetexte und Computer-Fachbücher geschrieben. Eine Weile verdingte ich mich in einer Online-Redaktion, habe in einem Materndienst gearbeitet und als freier Journalist meine Brötchen verdient. Mein erster veröffentlichter Roman ist 2000 in den Buchhandel gekommen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Das ist schwer zu sagen. Vielleicht hat alles mit diesem Frosch und dem Magier angefangen, die mich so lange nicht mehr in Ruhe ließen, bis ich ihre Geschichte (ELFENMOND) zu Papier gebracht hatte. Wahrscheinlich war es aber einfach in mir und wäre sowieso früher oder später passiert.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Ich glaube, diesen Gedanken hatte ich nie. Meinen ersten Roman habe ich einfach geschrieben, weil er „aus mir heraus musste“. Eigentlich war er eher für mich und wenige Menschen um mich herum, die die Hintergründe kannten, gedacht. Und dann war der Erfolg plötzlich da und die nächsten Romanfiguren standen mir auf den Füßen, damit ich auch ihre Geschichte aufschreibe.

Ich habe mir aber nie „überlegt“ Autor zu werden.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Mein Erstling war ELFENMOND, ein Fantasyroman in dem es unter Anderem um besagten Frosch, dunkle Verschwörungen und ein uraltes Geheimnis geht. Es folgten CVON und TIA-LHOR aus der gleichen Fantasy-Welt aber mit vollkommen anderer und unabhängiger Geschichte. Kurz gesagt geht es um eine Kriegerin, die Krieg gegen den Krieg führt. Alle drei Titel wurden vom Arunya-Verlag neu aufgelegt.

Mit dem bei Fabylon erschienenen Roman MASKEN DER SINNLICHKEIT unternahm ich dann einen Ausflug in die erotische Phantastik. Hier geht es mysteriöse Vorgänge am Hofe Carl Eugens und den Karneval in Venedig. Es hat mir großen Spaß gemacht einige ungeklärte Ereignisse der Geschichte mit gewissen übersinnlichen Vorkomnissen zu erklären.

Ebenfalls bei Fabylon erschien danach mein erster Steampunkroman ARGENTUM NOCTIS. Vor dem Hintergrund einer Steampunkversion des viktorianischen Londons versucht Erfinder Charles Eagleton die wohl elementarste Frage der Menschheit zu klären - und dabei die Schneise der Verwüstung möglichst schmal zu halten.

Ein weiterer Steampunkroman erschien bei Bookshouse. In DIE SCHWARZE VICTORIA erlebt die „Society of Childlike Curiosity“ ein Steamfantasy-Abenteuer. Mit Tee und Plätzchen im Gepäck startet die illustre Gesellschaft eine Rettungsmission, die weit dramatischer verläuft als erwartet.

Es folgten DIE AUGEN DES PANTHERS, wo Restauratorin Lea sich eine verständliche Frage stellt: „Welches Bild kann so schrecklich sein, dass jemand ein uraltes Gemälde mit grünem Lack überschüttet, das Kunstwerk mitsamt Goldrahmen in den besten Tresor seiner Zeit legt, diesen zuschweißt und dann im Fundament seines Hauses einbetoniert?“ Der Roman ist zunächst bei Oldigor-Verlag erschienen und wurde nach dessen Schließung vom Arunya-Verlag übernommen.

Seit 2013 bin ich parallel auch noch mit der ebenfalls im Arnunya-Verlag erscheinenden SF-Serie „O.R.I.O.N. Space-Opera“ beschäftigt. Hier fungiere ich als Mitherausgeber und Redakteur. Darüber hinaus habe ich drei Romane und zwei Novellen als Autor beigesteuert. 

Mein aktuellster Roman ist jedoch ein Krimi. VICTIMS: DAS WERWOLF-PHÄNOMEN ist bei Knaur erschienen und spielt im guten alten Hamburg. Grauenvoll zugerichtete Leichen und die Verwicklung finsterer Kulte lassen die Polizei am Rande des Okkulten ermitteln. Die Opfer stammen aus den höchsten Kreisen der Gesellschaft und mit jeder weiteren Bluttat wächst die Erkenntnis, dass man es entweder wirklich mit einem alten Fluch oder einer völlig unbekannten Mordmethode zu tun hat.

Neben meinen Romanen habe ich auch noch eine ganze Flut von Kurzgeschichten von Fantasy, über Erotik, Crime und Science Fiction bis zu Horror, Steampunk und Kindergeschichten veröffentlicht.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Das gehört immer ganz selbstverständlich dazu und zwar nicht nur wenn es um reale Orte oder geschichtliche Fakten geht. Bei Fantasy-Romanen muss ich zum Beispiel vor dem Schreiben erst einmal die selbst erdachte Welt kennenlernen, um keine logischen Fehler einzubauen. Bei SF-Romanen gehört möglicherweise etwas Astronomie, Mathematik und Physik zur Vorbereitung. Auf keinen Fall möchte ich meine Leser aber merken lassen, wie viel Hintergrundarbeit erforderlich war. 

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem Schreibtisch mit viel Ruhe und Koffein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich glaube nicht.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Die habe ich wahrscheinlich immer ;o). Bereits fertig geschrieben ist der dystopische Roman HAMMER UND SÖCKCHEN – ja, es geht ein wenig schräg zu. Mit allem, was ein guter dystopischer Roman braucht: Sex, Gewalt und Weltuntergang. Das Buch wird voraussichtlich noch in diesem Jahr beim Arunya-Verlag erscheinen. Ebenfalls im Arunya-Verlag wird im Oktober FRIEDHOF DER ASSASSINE, Band 7 der O.R.I.O.N. Space Opera, das Licht der Welt erblicken. Darüber hinaus bin ich auch wieder in einigen Anthologien mit Kurzgeschichten vertreten. DIE GRÜNE MUSE erscheint unter der Herausgabe von Alisha Bionda im Amrun-Verlag und kombiniert Geschichten über berühmte Absinth-Trinker mit passenden Rezepten. In meinem Beitrag konnte ich einem heute leider vergessenen Lieblingsautor meiner Kindheit ein kleines Denkmal setzen. In dem im Arunya-Verlag erscheinenden Band DARK POEMS wird Horror geboten. Auch hier ist Alisha Bionda die Herausgeberin. Die Storys werden zu unheimlichen Grafiken von Mark Freier geschrieben und der Band entsprechend fürstlich illustriert.

Etwas weniger Düster geht es in der von Marco Ansing und André Skora herausgegebenen und demnächst im Amrun-Verlag erscheinenden Steampunk-Antho zu. Thema sind Steampunkgeschichten, die eben nicht klassisch im viktorianischen England, sondern in anderen Teilen der Welt spielen. Ich konnte eine Story über Japan beitragen, in der Steampunktechnik die Geschichte der Welt grundlegend verändert.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Nicht dass es mir bewusst ist.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Es ist für mich sehr schwer, mir einen Lieblingsautor auszusuchen. Zum einen gefallen mir selten alle Bücher eines Autors richtig gut. Zum anderen sind die Autoren selbst manchmal faszinierender als ihre Bücher. Ich liebe zum Beispiel Isaac Asimovs philosophischen Ansatz, seine Intelligenz, seine Ideen und Phantasien. Die meisten seiner Bücher und Geschichten holen mich aber nicht vollständig ab. Ähnlich geht es mir mit Douglas Adams: Ich liebe zwar PER ANHALTER DURCH DIE GALAXIS – wie das wohl jeder tut. Aber im Vergleich dazu, ihn persönlich zu erleben, sind seine Bücher beinahe langweilig.

Aber ich schweife ab. Wenn ich rein von den Büchern ausgehe, ohne die Autoren selbst näher zu kennen, bin ich zum Beispiel von Elaine Cunningham begeistert. Insbesondere ihre Windwalker-Trilogie gehört zum besten, was die Fantasy zu bieten hat. Allerdings muss man sie im Original lesen. Dann mag ich Robert Asprin, Angela Sommer-Bodenburg, John Sladek, L. Neil Smith und Philip José Farmer sehr.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich habe ja das Glück, mein Hobby zum Beruf gemacht zu haben. Insofern nutze ich fast meine gesamte Freizeit zum Plotten, Schreiben und Recherchieren. Allerdings hege ich auch eine große Leidenschaft für Fantasy-Rollenspiele. Mit guten Spielern zusammenzusitzen und gemeinsam in fremden Welten zu versinken ist dem Schreiben aber wohl nicht wirklich unähnlich. ;o) Ab und zu gönne ich mir auch ein schönes Computerspiel und natürlich lese ich gern.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich bin in der glücklichen Position, alles Wesentliche in meinem Leben erreicht zu haben. Ich habe eine Göttin davon überzeugt mich zu heiraten und sie hat nach 20 Jahren noch immer nicht gemerkt, dass ich nur ein Mensch bin. ;o) Ich habe meine Leidenschaft zum Beruf gemacht und bin mir meines unfassbaren Glücks bewusst. Damit gehöre ich wohl zu den reichsten Menschen dieser Welt.

Das bedeutet nicht, dass ich weniger lebenshungrig wäre. Ich möchte noch viele viele viele viele Romane schreiben, den ersten Kontakt mit Aliens und die ersten Menschen auf dem Mars erleben und eines meiner Bücher verfilmt sehen.

Für einen Traum, der den Namen verdient, muss man aber ständig an ihn denken und alles geben wollen, um ihn zu erreichen – sonst ist er kein Traum, sondern nur warme Luft. Es ergibt nur keinen Sinn, dem Glück hinterher zu jagen, wenn man es schon fest in den Armen hält. In diesem Fall ist die beste Strategie, es einfach festzuhalten und zu genießen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Natürlich sehr wichtig. Egal ob Lob oder Kritik – je mehr ich den Eindruck gewinne, dass Leser sich mit dem Text auseinander gesetzt haben, umso interessanter ist ihre Meinung für mich. Es ist ein faszinierendes Gefühl zu merken, wie viel die eigenen Romane einigen wildfremden Menschen bedeuten. Ich habe schon erlebt, dass Paare ihre Kinder nach meinen Romanfiguren benannt haben. Sowas ist natürlich ein großartiges Gefühl. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Dir vielen herzlichen Dank, dass Du mich auf Deinem Blog vorgestellt hast! Und an Deine Leser: Mehr über mich und meine Bücher gibt es auf meiner Homepage guido.krain.de :o)


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