Interview mit Corinna Kastner

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Fakten? Also, ich bin Jahrgang 1965, in Hameln geboren und lebe seit sehr langer Zeit in Hannover, wo ich hauptberuflich am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien arbeite. Verheiratet bin ich mit dem Schriftsteller Jörg Kastner, der abgesehen von der Liebe meines Lebens auch mein wichtigster Lektor ist.

Seit wann schreibst du?

Der erste "Roman"- Anfang entstand im Alter von 12 Jahren.

Richtig ernsthaft in Romanlänge und mit Anfang, Mittelteil und Ende habe ich zum ersten Mal Ende der 1990er ein Manuskript verfasst – das aber bis heute nicht das Licht der Öffentlichkeit gesehen hat.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Alle möglichen Geschichten haben sich schon in frühester Kindheit in meinem Kopf abgespielt. Irgendwann begann ich, Teile davon aufzuschreiben, und noch sehr, sehr viel später schlug mein Mann mir vor, ich möge doch mal ein Manuskript an seinen Agenten schicken. Es hat dann noch ein wenig gedauert, aber schließlich hatte auch ein Verlag wunderbarerweise Interesse an meinen Geschichten.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Ich wusste das gar nicht. ;-) Ich wusste zwar schon immer, dass ich gerne schreibe, aber ich hätte nie gedacht, dass mal was von mir veröffentlicht werden würde, geschweige denn, dass andere Leute lesen wollen würden, was ich da fabriziere. Auch als Jörg mit seinem Vorschlag kam (s. vorige Frage), habe ich nicht ernsthaft erwartet, dass das letztlich zum Erfolg führt. Und dann war ich irgendwie irgendwann plötzlich Autorin. Was ein großartiges Gefühl war und immer noch ist!

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Steinprinzessin (mit Jörg Kastner), 2002 – Ueberreuter und Rowohlt

Eileens Geheimnis, 2005

Das Erbe von Ragusa, 2006

Die geheimen Schlüssel, 2007

Die verborgene Kammer, 2009 – alle vier Verlagsgruppe Lübbe

Allein mit der Mafia, 2013 – Ebook bei hockebooks

Meine Fischland-Krimi-Reihe:

Fischland-Mord, 2012, Emons Verlag

Fischland-Rache, 2013, Emons Verlag

Fischland-Feuer, 2015, Emons Verlag

Fischland-Verrat, 2016, Emons Verlag

Der nächste Roman wird im Juli 2017 erscheinen, spielt ebenfalls auf dem Fischland, ist aber kein Teil der Reihe – obwohl es auch um ein Verbrechen geht.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, klar. ;-) Ich glaube nicht, dass es Autoren gibt, die für ihre Romane nicht recherchieren. Am meisten Spaß macht mir die „Vor-Ort-Recherche“ – also mich in die Gegend einfühlen, Atmosphäre spüren, mit Leuten reden, die mir was zum Thema oder auch „nur“ über ihre Heimat erzählen können.

Aber natürlich gibt’s auch Bibliotheks- und Internetrecherche, was heißt: lesen, lesen, lesen. An manche Informationen kommt man leicht, an andere schwerer. Eine echte Herausforderung waren die Recherchen zu „Das Erbe von Ragusa“, das in Kroatien spielt und auch historische Teile enthält. Literatur dazu, die nicht auf Kroatisch ist, ist selten.

Für meine Fischland-Romane, die oft auch historische Bezüge haben, kann ich mich auf einen Experten in Wustrow verlassen – Günther Weihmann hat ein unerschöpfliches Archiv und ist immer wieder und sehr geduldig bereit, mich an Fischländer Geschichte und Geschichten teilhaben zu lassen.

Wo schreibst du am liebsten?

Wenn ich es mir aussuchen könnte – auf dem Fischland. Leider kann ich nur eine sehr begrenzte Zeit im Jahr dort sein, weshalb ich zu 90 Prozent zu Hause am Schreibtisch arbeite.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Außer dass ich, weil ich ja noch einen Hauptberuf habe, nur am Feierabend, am Wochenende und im Urlaub schreibe. Ich nehme mir dabei nicht vor, soundso viele Seiten oder Szenen oder Kapitel pro Tag zu schaffen, weil das bei mir nicht funktioniert. Manchmal nehme ich mir vor, mich von nichts ablenken zu lassen. Aber das funktioniert auch nicht immer. ;-)

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Zurzeit arbeite ich an einem Exposé für den nächsten Fischland-Krimi, in dem das gewohnte Personal – die Pensionsbesitzerin Kassandra Voß, ihr Lebenspartner, der Fischland-Experte und Schriftsteller Paul Freese, und ihr gemeinsamer Freund, Kriminalhauptkommissar Kay Dietrich – wieder ermittelt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ich habe schon immer gern mysteriöse Geschichten gelesen – egal, ob es da nun tatsächlich um Übersinnliches ging (meine ersten drei Lübbe-Titel sind Mystery-Romane) oder „nur“ um normale Rätsel/Verbrechen. Von daher gesehen hat mein Leseverhalten die beiden Genres beeinflusst, die ich selbst schreibe.

Wenn ich einen konkreten Autor bzw. eine konkrete Autorin benennen müsste, wäre es vermutlich Agatha Christie mit ihrer Miss Marple. Ich fand es schon als Kind reizvoll, dass eine Privatperson schlauer ist als die Polizei. Was die Prämisse meines ersten Fischland-Krimis erklärt – dass eine Pensionsbesitzerin der Polizei immer einen Schritt voraus ist. ;-)

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Titel kann ich hier unmöglich angeben. Es gibt eine Menge Romane, die ich total gern gelesen habe, ein, zwei, drei davon zu nennen und die anderen zu unterschlagen, wäre unfair.

Lieblingsautoren ist einfacher. Abgesehen von meinem Mann

Jörg Kastner

sind das (in alphabetischer Reihenfolge)

Ewald Arenz

Christian v. Ditfurth

Robert Goddard

Susanne Goga

Philip Kerr

Volker Kutscher

Ja, ich weiß, Männer-Überschuss. Ich lese gerne Romane aus männlicher Perspektive. Und das schreiben wohl hauptsächlich Männer – eine mir bekannte seltene Ausnahme ist Susanne Goga mit ihren Leo-Berlin-Krimis.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben – das ist für mich ja Freizeit. ;-) Ansonsten: Fotografieren, Lesen, gut essen

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Mein Traum wäre ein Haus auf dem Fischland, weil das mein Herzens- und Seelenort geworden ist. Das wird wohl ein Traum bleiben, es sei denn, ich gewinne im Lotto – aber was wäre das Leben ohne Träume?

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr. Da sitze ich monatelang an einer Geschichte, lebe, liebe, lache, weine mit meinen Figuren – und dann geb ich die Geschichte weg, vertraue sie sozusagen der „Welt“ an. Natürlich möchte ich dann wissen, was die Leser denken und fühlen, ob sie mitfiebern können, ob sie dieselben Lieblingsstellen haben, dieselben Empfindungen für diese oder jene Figur – oder ganz andere. Klar hab ich auch ein bisschen Angst, dass mir jemand den Roman um die Ohren haut, aber damit muss ich dann ggf. leben. Besser so – als gar kein Feedback.

Aus diesem Grund mache ich gern Leserunden in Bücherforen, weil ich da als Autorin so unmittelbar wie nirgends sonst bei den Lesern dabei sein darf. Und natürlich Lesungen – da freue ich mich über jede Frage.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Danke fürs Zuhören bzw. Lesen allen, die bis hierhin durchgehalten haben! :) Und: Falls Ihr noch nicht da gewesen seid: Fahrt aufs Fischland – es lohnt sich!


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