Interview mit Michael Paul

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 53 Jahre alt, seit 34 Jahren glücklich mit meiner Frau zusammen und wir haben zwei erwachsene Kinder. Ich lebe am Fuße des Schwarzwaldes zwischen Freiburg und Straßburg. Als gelernter Bankkaufmann habe ich mich nach 13 Jahren Bankkarriere 1998 selbstständig gemacht als Unternehmensberater und seither rund 400 Gründern, jungen und mittelständischen Unternehmen geholfen. Heute mache ich nur noch mehrtägige Strategieworkshops für Unternehmen, um genug Zeit fürs Schreiben zu haben.

Seit wann schreibst du?

Da bin ich ein „Spätberufener“. In 2005 begann ich etwas umzusetzen, was mich schon viele Jahre beschäftigt hatte; meine Autobiografie über die ersten 47 Jahre meines Lebens. Ein sehr spannendes Projekt, bei dem ein Buch mit 450 Seiten rauskam inkl. vieler Bilder und einer CD mit der Musik meines Lebens. Davon gibt es nur sieben Exemplare für die Familie und beste Freude.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Erst als mir diese Frage erstmals bei einer Lesung gestellt wurde, wurde mir klar, dass das wohl auch in meinen Genen liegt. Mein Vater war Journalist und hat in den 70er- und 80er-Jahren Liebesromane als Fortsetzungsromane in Zeitschriften geschrieben, meine Mutter viele Jahre für eine Lektorin Manuskripte bearbeitet. Das Klappern der Schreibmaschine ist also ein vertrautes Geräusch meiner Kindheit. Vielleicht reizt es mich ja deshalb, tatsächlich mal einen Roman auf einer alten Schreibmaschine zu schreiben statt am Laptop...

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ich denke, das war in dem magischen Moment, als ich damals das Hardcover von BOD mit meiner Autobiografie erstmals in Händen hielt. Das ist ja auch ein Einschnitt, mit dem das Buchschreiben in eine andere Phase tritt, bei Romanen die Vermarktung. Da war mir klar, dass ich schreiben will und etwas zu sagen habe.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

2014 wurde dann mein erster Roman „Wimmerholz“ begeistert von meiner neuen Leserschaft aufgenommen. In den nächsten Tagen erscheint mein neuer Roman „Das Haus der Bücher“. Dafür habe ich gerade den Verlag „Bunte Hunde“ gegründet, mit dem ich auch anderen Selfpublishern die innovative Möglichkeit bieten will, ihre Printbücher anzubieten und zu bewerben.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ohne eine intensive Recherche sind meine Romane, die rund um das Dritte Reich spielen, gar nicht denkbar. Für „Wimmerholz“ war ich fünfzehn Tage in Schweden, für „Das Haus der Bücher“ acht Tage in Russland. Gespräch mit Historikern und insbesondere Zeitzeugen, die ja jetzt sehr rar werden, gehören dabei zu den persönlichen Highlights eines Buchprojekts. Das versuche ich dann in meinen Romanen auch einzubringen, weil es die Geschichten erlebbarer macht.

Wo schreibst du am liebsten?

In unserem alten Häuschen habe ich ein wunderbares Schreibzimmer. Oder ich sitze in einer romantischen Ecke unseres Gartens. Manchmal ziehe ich mich auch für einige Zeit zurück, z.B. ins benachbarte Elsass oder in die inspirierende Toskana. Ich liebe die Toskana, dort würde ich gerne ein paar Monate im Jahr leben.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich bin ein Frühaufsteher. Nachts kann ich nicht schreiben. Dabei ist die Atmosphäre für mich extrem wichtig, um in den Schreibfluss zu kommen. Kerzen, Kaffee oder Tee und manchmal gegen Abend ein Rotwein gehören dazu. Die ruhige Musik von Eva Cassidy, Katie Melua oder Rumer haben dann eine geradezu hypnotische Wirkung auf mich.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im Moment liegt der Schwerpunkt natürlich beim „Haus der Bücher“. Im März wird es erscheinen und im Mai und Juni gehe ich auf große Lesereise quer durch Deutschland. Aber die Recherchen für das nächste Projekt sind natürlich auch schon im Gange. Diesmal geht es um eine blinde Protagonistin, die mir weit zurückliegenden Verbrechen konfrontiert wird.

Dem Thema Blindheit nähere ich mich mit großem Respekt. So habe ich im Herbst z.B. eine ganze Woche „blind“ gelebt, das heißt sieben Tage vierundzwanzigstunden konnte ich nichts sehen, erlernte mit dem Langstock laufen und zu fühlen, was das bedeutet. Auch wenn es natürlich nur eine Simulation war, bekam ich doch wertvolle Eindrücke und Anregungen für meine nächste Geschichte. Und Ideen für zwei weitere Romane liegen auch schon im Regal. Ich kann es kaum erwarten...

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Mich hat Dan Brown beeindruckt in der Art, wie er aus der Vermengung von Realität und Fiktion ungeheure Spannung produziert. Jojo Mojes liebe ich für die Art, wie ihre Geschichten das Herz berühren. Zuletzt hat mich Thomas Frankes Erzählstil in „Das Haus der Geschichten“ beindruckt, ebenso wie die phantasievolle und ausgefallene Erzählperspektive in „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

 Zuletzt hat mich Thomas Frankes Erzählstil in „Das Haus der Geschichten“ beeindruckt, ebenso wie die phantasievolle und ausgefallene Erzählperspektive in „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich liebe die italienische Lebensart und Küche. Ich lese natürlich gerne, habe aber zu wenig Zeit dafür. Ich genieße es, mit meiner Frau und unseren Hunden gemütlich auf der Coach rumliegen und (bevorzugt deutsche und französische) Filme anschauen. Am Haus ist immer was zu tun und gemeinsam mit einem Freund organisiere ich Theaterworkshops in der Toskana. Dann bereisen wir gerne die Welt und zwar auch, wenn es nicht für die Recherche ist. Aber Geschichten gibt es ja überall...

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ein Traum? Hm... Also das wäre wohl für mich, wenn einer meiner Romane mal verfilmt würde.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Unglaublich wichtig natürlich. Dabei ist die Kritik, wenn sie sachlich und wohlwollend ist, so wertvoll wie das Lob und die fünf Sterne, die der Künstler wie den Applaus fürs Ego braucht.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Wir sehen uns hoffentlich bei einer meiner vielen Lesungen in diesem Jahr. Da freue ich mich schon total drauf. Wenn ich nicht in die Nähe komme, kann sich jeder gerne bei mir melden und ich schaue, was machbar ist. Gut möglich, dass ich im Herbst nochmal eine Reise mache.


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Kommentare: 1
  • #1

    Marianne Schaefer (Mittwoch, 08 März 2017 23:13)

    Ein interessantes Interviev, lb. Michael. Wir haben uns bei der letzten Lesung im Hotel Bischenberg kennengelernt. Dein Buch "Wimmerholz" ist sehr spannend und ich bin damit bald durch. Ich grüße dich herzlich und werde danach bestimmt "Das Haus der Bücher" lesen. LG. Marianne Schaefer - Kinderbuchautorin