Interview mit Boris Pfeiffer

© Dirk Lausch, Berlin

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ja, das kann ich gerne tun. Ich bin 1964 in Berlin geboren, also noch in der Mauerstadt. Dort bin ich auch aufgewachsen. Prägend war für mich ein riesiger Hinterhof zwischen einigen Wohnblöcken, der zugleich das Dach einer Tiefgarage darstellte. Auf dieser weiten Fläche gab es nichts außer zwei Teppichklopfstangen. Aber wir Kinder, wir waren eine Gruppe von ungefähr zehn Kindern, haben sie in einen riesigen Spielplatz verwandelt. Aus Sperrmüll haben wir ganze Häuser gebaut, und natürlich haben wir dort ungeheuer viel Fußball gespielt. Wir haben mit Malsteinen, wie wir Kreideziegel damals nannten, vom Hüpfkasten bis zur Weltraumrakete alles Mögliche entstehen lassen.

Ich habe damals, sobald ich lesen konnte, das Lesen für mich entdeckt. Es war die zweite, hochlebendige Welt neben der, in der ich unmittelbar lebte. Das Lesen hat mein Bewusstsein für die weiteren Möglichkeiten erweckt. Und da ich schon immer ein Träumer war, sind lesen und träumen irgendwann in mir zu eigenen Büchern geronnen.

Seit wann schreibst du?

Ich habe angefangen zu schreiben, als ich ungefähr 13 Jahre alt war. Damals habe ich Gedichte geschrieben. Gedichte über alles, was mir wichtig war und was mich berührt hat. Das konnte ein Streit mit meinem Vater sein, Wut über eine Ungerechtigkeit, Glück über die leckerste Torte meiner Großmutter. Ich schreibe heute noch ab und zu ein Gedicht, ein paar davon sind hier zu finden:

https://hundehimmel.wordpress.com/

Das nächste, was ich dann geschrieben habe, waren bereits Theaterstücke. Mein erstes Theaterstück habe ich zusammen mit dem Schauspieler und Musiker Andreas Krämer am Nationaltheater in Mannheim aufgeführt. Es hieß „Unter der Hungerleuchte“ und ging ums Taxifahren, denn nach dem Abitur und einigen Versuchen an der Universität bin ich Taxifahrer geworden. Nach diesem Stück habe ich dann die Universität bald verlassen und bin ans Theater gegangen, dort habe ich als Regieassistent und Dramaturg gearbeitet. Ich habe zum Beispiel ein Stück mit den Texten von Virgina Woolf zusammengestellt. Es hieß: „Liebste, ich spüre, dass ich bald wieder wahnsinnig werde …“ Das war an der Freien Volksbühne in Berlin. Ich habe mich also immer weiter mit Büchern und Theaterstücken und dem Schreiben beschäftigt.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Über meine Theaterarbeit bin ich dann an die Berliner Filmhochschule, die dffb, gespült worden. Ich war mittlerweile am von mir sehr geliebten Berliner GRIPS Theater gelandet, wo ich zusammen mit einer Gruppe von deutschen und bosnischen Schauspielern ein Theaterstück über den Krieg in Bosnien und ein Flüchtlingskind, das nach Deutschland kommt, geschrieben habe. Mit diesem Stück wurden wir deutschlandweit auf Tournee eingeladen und dachten uns während dieser Reisen gemeinsam einen Film aus. Das Drehbuch dazu habe ich dann geschrieben. Dieses Drehbuch fiel wiederum dem damaligen Leiter der dffb in die Hände und er lud mich daraufhin ein, mich an der Filmhochschule für das Drehbuchstudium zu bewerben. Dort habe ich dann zwei Jahre Drehbuchschreiben studiert. Ich habe kurz für das Fernsehen gearbeitet, mich dort aber sehr unwohl gefühlt und bekam dann die Gelegenheit, mit einem Kinderbuch im Stuttgarter Kosmos Verlag etwas Neues zu beginnen. Diese Chance habe ich wahrgenommen und darüber wurde ich dann einige Jahre später einer der Autoren der drei ???. Genauer gesagt, der drei ??? Kids, also der Serie für die jüngere Leserschaft. Da ich nicht nur die drei ??? Kids schreiben wollte, und mich immer wieder gerne ausprobiere, habe ich auch einiges andere geschrieben. Alle meine Bücher findet ihr unter:

http://www.borispfeiffer.de/home.asp

Mittlerweile habe ich, da ich auch noch weiter Theaterstücke und inzwischen auch Musicals geschrieben habe, über 100 Werke verfasst. Und als ganz neuesten Versuch gibt es jetzt eben auch einen Krimi für Erwachsene, er heißt „Dunkelfeld“. Mit „Dunkelhaus“ lege ich diesen Herbst einen weiteren Band dieser Berlin-Krimireihe im Gmeiner Verlag vor.

Die Reihe schreibe ich übrigens zusammen mit einigen Kollegen, deren Titel ebenfalls zu diesen Berlin-Krimis mit dem Reihentitel „Berlin 110“ gehören. Dies sind Felix Huby und Peter Brock.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ich denke, dass ich bereits mit meinen ersten Gedichten wusste, dass ich im Leben schreiben will. Ich war immer davon überzeugt, dass das Schreiben, wenn auch nicht mein Beruf, so doch ganz sicherlich mein zentraler Lebensinhalt sein wird, neben den Menschen natürlich.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Es sind zu viele, um sie hier alle aufzuzählen. Ich nenne hier einmal nur beispielhaft die Buchreihe „Das Wilde Pack“, die ich zusammen mit meinem Kollegen und Freund André Marx erfunden habe, und die weltweit sicherlich zu meinen erfolgreichsten Büchern gehört. Mittlerweile gibt es ein Musical vom Wilden Pack, das 2018 an der deutschen Schule in Shanghai uraufgeführt werden soll, und die Bücher sind übersetzt auf Chinesisch, Spanisch (sie werden in Südamerika sehr gerne gelesen), Tschechisch, Französisch und mittlerweile der erste Band auch auf Englisch.

Da es sich bei deinem Blog um einen Krimiblog handelt, möchte ich hier natürlich auch noch meine Krimis für Kinder erwähnen:

Das sind natürlich zum einen „Die drei ??? Kids“, zum anderen gibt es aus meiner Feder aber auch die Berlin-Krimis für Kinder: „Unsichtbar und trotzdem da!“, von denen ich sieben Bücher geschrieben habe.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, ich recherchiere sehr viel für meine Bücher. Ich lese, ich lese und ich lese noch mehr. Ich rede auch sehr viel mit Menschen. Ich stelle Fragen. Ich gehe Beziehungen zu Menschen ein, die mir helfen können. Daraus entwickeln sich Lebensgeschichten, aus der Recherche. Und das gilt für die Kinderbücher genauso wie für die Erwachsenen-Bücher. Ich nenne hier einmal als Beispiel einen Teil der Recherche für „Dunkelfeld“. Für dieses Buch habe ich ausführliche Gespräche mit einer Berliner Kriminalkommissarin geführt, war aber auch für ein langes Recherchegespräch bei der Operativen Fallanalyse im Landeskriminalamt. Auch für meinen zweiten Erwachsenen Krimi „Dunkelhaus“ habe ich ausführlich recherchiert. Das gesamte Gebiet der so genannten Pflegemafia und das weitere Dunkelfeld dahinter, hätte ich ohne Recherche nicht begreifen können.

Wo schreibst du am liebsten?

Das ist unterschiedlich. Die meiste Zeit verbringe ich an meinem Schreibtisch zuhause, aber ich schreibe genauso gut am Esstisch meiner Familie in Italien oder in einem angenehmen Hotelzimmer. Wichtig ist, dass ich mich konzentrieren und ruhig arbeiten kann.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, das habe ich nicht.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Die beiden nächsten Bücher, die von mir erscheinen werden, sind einmal für Erwachsene der bereits erwähnte Krimi „Dunkelhaus“ und dann ein Roman für Kinder (und natürlich auch ihre vorlesenden Eltern), der wahrscheinlich heißen wird: „Celfie und die Unvollkommenen“. Es geht darin unter anderem um Graffiti, die lebendig werden.

Ein Projekt für die Zukunft habe ich im Sinn. Ich habe sogar drei Ideen. Da muss sich in mir noch herauskristallisieren, welches Buch ich wirklich als nächstes in Angriff nehmen will. Ganz sicher verraten kann ich euch schon ein neues Theaterstück für das Berliner Grips Theater, dass ich nach einem Buch von meiner Kollegin und Freundin Milena Baisch schreiben werde.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Es gab mehrere Autoren und Autorinnen, die mich als junger Mann beeinflusst haben. Als erster war das Rainer Maria Rilke, dann folgten Charles Bukowski und Henry Miller und dann verlief sich das immer mehr.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Es gibt zu viele Bücher, die ich gerne gelesen habe, um einen heraus zu picken.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich treffe sehr gerne Menschen. Ich bin sehr gerne in der Natur und reise auch gerne, wenn es mir möglich ist. Und ich spiele gerne Badminton.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich möchte mein Bewusstsein für das Leben immer weiter schulen und meine eigenen Grenzen überwinden. Ich möchte mit guten Menschen zusammenarbeiten! Und ich möchte auch gerne mal so reich sein, dass ich das Geld dahin verschenken kann, wo ich es zu etwas Gutem und Liebevollem wirksam finde.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das ist für mich lebenswichtig. Ich höre auf sie, ich rede mit ihnen, ich treffe sie. Ohne sie gäbe es mich nicht. Aber natürlich schreibe ich meine Bücher gleichzeitig ganz alleine für mich. Du kannst nicht alle Menschen vorher fragen, was du schreiben sollst. Du musst sie überraschen. Und wenn du sie überrascht hast, freust du dich mit Ihnen gemeinsam, wenn sie sich freuen. Und wenn jemand was nicht gefällt, dann trennt man sich eben wieder.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich habe auch einen Verlag gegründet. In dem retten wir Kinderbücher und Krimis für alle Kinderbuchautorinnen und Autoren, deren Bücher sonst verloren wären. Da könnt ihr uns schreiben:

www.graphiti-verlag.de


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