Interview mit Andreas Neuenkirchen

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Es ist mir ein Vergnügen.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich komme aus Bremen, habe viele Jahre in München gelebt und dort als Online- und Zeitschriftenredakteur gearbeitet. 2016 bin ich mit meiner Frau und unserer Tochter nach Tokio gezogen, der Heimatstadt meiner Frau.

Seit wann schreibst du?

Seit ich weiß, dass Bücher von Menschen geschrieben werden. In den frühen Neunzigern wurde ich zum ersten Mal fürs Schreiben bezahlt, zunächst als freier Journalist, dann als Heftromanautor. Vorher hatte ich für Fanzines geschrieben, vor allem im SF/Fantasy/Star-Wars-Bereich, zu Recht unentgeltlich. Mein erstes richtiges Buch ist erst 2009 erschienen, die ‚Gebrauchsanweisung für Japan‘.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Angesichts meiner Leidenschaft fürs Lesen schien mir das Schreiben immer folgerichtig. Ich habe das nie hinterfragt.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Eigentlich schon immer; ich wüsste nicht, dass es mal eine Feuerwehrmannphase gegeben hätte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

‚Gebrauchsanweisung für Japan‘, ‚Hello Kitty – ein Phänomen erobert die Welt‘, ‚Matjes mit Wasabi‘ (zusammen mit meiner Frau Junko Katayama konzipiert) und drei Kriminalromane um Inspector Yuka Sato: ‚Yoyogi Park‘, ‚Roppongi Ripper‘ und ‚Shinigami Games‘. Der vierte Band ‚Yakuza Requiem‘ ist für den Herbst 2017 vorgesehen.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Selbstverständlich. Bei den Romanen möchte ich mich allerdings nicht zum Sklaven der Recherche machen. Dort verwende ich sie eher als Richtwert für meine Fantasie. Ich glaube nicht, dass Kriminalromane zu unbedingtem Realismus in jedem Detail verpflichtet sind. Das Großartige an Recherche ist, dass man fast immer etwas findet, was man sich so toll und so passend gar nicht hätte ausdenken können.

Wo schreibst du am liebsten?

Meine Schwiegermutter hat mir einen anbetungswürdigen antiken Schreibschrank überlassen. Gerne würde ich sagen, dass ich daran am liebsten schreibe. Leider hat sich aber herausgestellt, dass mich zu Hause zu vieles vom Schreiben ablenkt, deshalb schreibe ich meist an öffentlichen Orten. Der Schreibschrank hält für andere schriftstellerische Tätigkeiten her. Pflege der Korrespondenz, Redigieren. Und natürlich Recherche.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Als Ritual würde ich es nicht bezeichnen, aber mein Schreiballtag folgt schon einer gewissen Routine. Nachdem ich gegen neun Uhr meine Tochter im Kindergarten abgeworfen habe, gehe ich in eines der unzähligen Cafés in unserer Nachbarschaft und verlasse es erst wieder, wenn ich mindestens die Hälfte meines Tagessolls an vollgeschriebenen Seiten erfüllt habe. Danach kümmere ich mich daheim um den Haushalt und sitze ein bisschen vor dem Schreibschrank, mit Konzentration von schwankender Qualität. Der Nachmittag gehört größtenteils der Unterhaltung, Überwachung und Erziehung meiner Tochter. Sollte es nötig sein, setze ich mich abends noch mal an den Computer, wenn das Kind im Bett ist. Dann allerdings selten länger als eine Stunde.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Aus leidvoller Erfahrung weiß ich, dass man sich auf unveröffentlichte Bücher nicht allzu selbstsicher und lautstark freuen sollte, solange die Verträge noch nicht unterschrieben sind. Deshalb sage ich sehr leise und unter Vorbehalt: Momentan hat es ganz den Anschein, als würde das nächste Buch ein anekdotisches Sachbuch, ein Schwank aus meinem Leben in Tokio. Gut möglich, dass es im Frühjahr 2018 erscheint.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ich habe in meiner frühen Jugend einige minderwertige Ray-Bradbury-Imitate verfasst und in meiner späteren Jugend mehrere minderwertige Don-DeLillo-Imitate. Inzwischen hoffe ich, ansatzweise einen eigenen Stil gefunden zu haben.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Gehen wir doch mal das Bücherregal durch und picken in alphabetischer Reihenfolge ein paar Lieblingsautoren raus: Frédéric Beigbeder, Ray Bradbury, Richard Brautigan, Michael Chabon, John Cheever, Michael Connelly, Douglas Coupland, Don DeLillo, Bret Easton Ellis, Barry Eisler, William Gibson, Glen David Gold, Max Goldt, Wolf Haas, Timothy Hallinan, Ernest Hemingway, Khaled Hosseini, Michel Houellebecq, John Irving, Stephen King, Natsuo Kirino, Christian Kracht, Kevin Kwan, Armistead Maupin, David Mitchell, Miyuki Miyabe, Amélie Nothomb, Robert Olmstead, David Peace, David Sedaris, Walter Serner, Martin Cruz Smith, Zadie Smith, Natsume Soseki, Koji Suzuki, Trevanian, John Waters, Dirk Wittenborn und Banana Yoshimoto. Einzelne Bücher zu nennen wäre mir jetzt eine zu große Verantwortung.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen natürlich. Mit meiner Tochter Kuchen aus Legosteinen basteln. Wenn man mich lässt: Alte Horror-, Gangster-, Polizei- und Kung-Fu-Filme anschauen. Vor der Geburt unserer Tochter haben meine Frau und ich viel Zeit in Kinos und Restaurants verbracht. Inzwischen ist es eher Take-Out und Netflix. Ist aber auch ganz schön.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich habe mich gerade nach fast zwanzig Jahren in finanziell flauschigen Festanstellungen als Autor selbstständig gemacht. Ich wünsche mir, nie wieder etwas mit Bewerbungsschreiben, Vorstellungsgesprächen, Probezeiten, Urlaubsanträgen und womöglich auch noch Großraumbüros zu tun haben zu müssen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ein Buch existiert für mich erst wirklich, wenn ich weiß, dass es jemand gelesen hat. Wenn der es auch noch ein bisschen gemocht hat, umso besser. Wenn es gleich mehrere gibt, denen es so ergangen ist, ist das grandios. Falls jemand etwas zu bemängeln hat, finde ich das in der Regel auch interessant. Ich freue mich über positive Rückmeldungen länger, als ich mich über negative ärgere. Kontakt zu Leserinnen und Lesern habe ich also sehr gerne, ich nehme allerdings keinerlei Bestellungen an, wie die Geschichten der nächsten Bücher sich zu entwickeln haben.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Liebe Kinder, denkt immer daran: Frische Luft und Mannschaftssportarten sind völlig überbewertet. Schließt euch auch an Sonnentagen lieber in eure Zimmer ein und lest ein paar anständige Bücher. Oder unanständige. Oder Comics.


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