Interview mit Christine Anlauff

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Die nehme ich mir gern. Danke zurück - fürs Fragen.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Kurz? Das ist eine Herausforderung für eine Romanautorin :-). Ich probier's. Von Haus aus bin ich eigentlich Buchhändlerin, hab nach der Wende das Abi bei der

Bundeswehr nachgeholt (der Stoff für meinen Debutroman "Good morning Lehnitz") und nach zwei Jahren Jugendarbeit Archäologie, Geschichte und Romanistik

studiert. Während des Studiums hab ich viel gejobbt: Als Ausgrabungshelferin, Kellnerin auf Ausflugsdampfern, Bürokraft, Stadtführerin und Ankleiderin im Theater- alles Erfahrungen,

von denen ich beim Schreiben heute noch zehre, und vier Kinder bekommen. Zwischen dem dritten und vierten kam mir die Idee für mein erstes Buch. Heute lebe ich mit meiner

Familie als Autorin in Potsdam und jobbe ab und zu in meiner Lieblingsbuchhandlung, um am Schreibtisch nicht einzustauben.   

Seit wann schreibst du? 

Ich hab relativ spät damit angefangen. Als Jugendliche hab ich im Ausnahmezustand der Verliebtheit, natürlich schon auch mal ein paar schlimme Gedichte

verbrochen, wie viele. Ernsthaft ging es aber, und da eher zufällig, erst mit 

Mitte Zwanzig los. Durch einen Wettbewerb, bei dem für den zweiten Preis eine Digitalkamera ausgelobt war, die ich unbedingt haben wollte. Leider hab ich den ersten gewonnen - einen Sprachkurs

in Italienisch, mit dem ich nichts anfangen konnte, weil ich schon an der Uni in einem solchen Kurs war, aber der Same war gelegt!  

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Im Fortlauf der oben begonnenen Geschichte. Im Anschluss an wieder einmal eine Preisverleihung (wo ich allerdings nicht unter den ersten drei war), kam eine der Jurorinnen, 

auf mich zu und fragte, ob ich nicht mal "was Längeres" ins Auge fassen wolle. Klar wollte ich, ich hatte auch schon eine Idee, und als ich ihr davon erzählte meinte sie: 

"Toller Stoff, mach das!" Und das hab ich dann. 

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Eigentlich erst, als ich es schon war. Genau genommen, als mein sich Lektor nach der Vertragsunterzeichnung zum ersten Buch nach Ideen für einen Nachfolger erkundigte.

In dem Moment war mir klar, dass ich mich entscheiden musste: Studium zuende machen oder schreiben. Beides ging nicht. Es war eine der leichteren Entscheidungen :-).  

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Nach dem Debut "Good Morning Lehnitz"2005, kamen die drei Serrano- Liebermann- Krimis, die als Katzenkrimis gehandelt werden, aber eher "Fälle für zwei" sind

(ein vierter steht noch aus), ein Lyrikband,eine Sammlung Potsdamer Sagen und die ersten beiden Bände der Potsdam- Krimiserie um Just Verloren. 

Dazwischen schreibe ich regelmäßig Kindermehrteiler fürs Radio und hoffe still, dass aus einem davon irgendwann auch noch ein Buch entsteht...

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Für das erste wenig, da konnte ich ja aus Erlebtem schöpfen. Von da an wurde es bei jedem mehr. Schon allein, weil es Krimis waren, ich am Anfang aber nur Tatort- 

know how hatte und quasi keine Ahnung von Gerichtsmedizin, obwohl eine meine Lieblingsfiguren eine menschenverachtende Gerichtsmedizinerin ist. 

Das bedeutete: Besuche beim hiesigen LKA und in der Pathologie und lesen, lesen, lesen... Bei den Sagen ebenfalls, die musste ich

überhaupt erst mal ausgraben und dann auf historische Stichhaltigkeit prüfen. Da kamen mir mein früherer Job als Stadtführerin und mein Geschichtsstudium zupass.

Letztlich macht die Recherche inzwischen aber auch einen erheblichen Reiz am Schreiben aus, es ist ein ewiges Lernen, sehr befriedigend, weil jede beantwortete Frage

sofort neue aufwirft. Die meisten Inputs fliegen mich aber nach wie vor im Alltag an. Man muss nur offene Ohren haben und gegebenenfalls zehnmal nachfragen.

Wo schreibst du am liebsten?

Auf dem Balkon unserer Wohnung. Zu jeder Jahreszeit. Und im Urlaub.  

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja, ich lese vorher immer erst einige Seiten in meinem aktuellen Lieblingsbuch, um warm zu werden. Mein gesetztes Soll sind fünf Seiten am Tag, das schaffe ich allerdings selten,

weil meine produktivste Zeit der Nachmittag ist, wenn die Kinder aus der Schule kommen. Erst wenn der Abgabetermin sehr nahe rückt, gehen plötzlich auch mal sieben bis zehn Seiten

wie geschnitten Brot von der Hand.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ein durch einen befreundeten Therapeuten inspirierter Psychokrimi. Bei der Arbeit an diesem Manuskript läuft es mir zuweilen selbst kalt den Rücken hinunter. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Fred Vargas. Über sie bin ich an den Krimi gekommen. Als Kind und Jugendliche habe ich natürlich auch mit Begeisterung Agatha Christie, Doyle und Poe usw. gelesen.

Aber danach war ich ziemlich krimigesättigt. Bis mir jemand "Bei Einbruch der Nacht" von Fred Vargas schenkte. Schon nach wenigen Seiten war ich hin und weg und dachte:

Sieh an, so geht Krimi also auch. Es muss nicht strunzernste Polizeiarbeit in simpler Sprache und nach vorhersehbarem Muster sein. Und wollte mich plötzlich unbedingt auch

mal an einem Krimi probieren... Daneben beeinflusst mich jeder Autor, den ich gerade lese- auf seine Weise.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Hm - neben Vargas mag ich manche Russen, vor allem die aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, wegen ihres Detailreichtums und der unterschwelligen, aber nie verjammerten, Schwermut.

Dann einige Briten, wie S. Frey wegen ihrer Opulenz und des subtilen Humors. Wolfram Fleischhauer, ("Die Frau mit den Regenhänden" z.B.). Ich entdecke immer wieder neue.

Die letzten Bücher, die mich umgehauen haben, waren "Manja" von Anna Gmeyner und "Im Frühling sterben" von Ralf Rothmann. Lakonisch und dabei sehr dicht. Ansonsten inhaliere ich gerade

Sachbücher über die Weimarer Republik und den 1. Weltkrieg. Ah ja - und aus der Sparte Kinderliteratur: Roald Dahl! Herrlich unverfroren!

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit? Ich hab zwei Jobs, und vier Kinder! Na gut, ein bisschen Stadtpolitik, Fußball, ich koche gern, reise (wenn möglich, ohne Flugzeuge benutzen zu müssen)

treffe mich mit Freunden und versuche gerade, eine Band auf die Beine zu stellen. Schade, dass der Tag nur 24 Stunden hat.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich würde gern ein Jahr lang wie Thoreau "walden". Und mal einen Roman schreiben, der mich hundertprozentig zufriedenstellt. 

Oder wenigstens zu 95%. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Enorm wichtig. Letztlich schreibe ich sie ja für sie. Deshalb freue ich mich auch über kritische Rückmeldungen, je konkreter, desto besser.

Hauptsächlich aus diesem Grund starte ich zum Erscheinen jedes neuen Buchs mindestens eine autorenbegleitete Leserunde bei lovelybooks oder

auf anderen Literaturplattformen. Bis jetzt hab ich aus jeder wertvolle Anregungen mitgenommen.

Gegen Lob hab ich natürlich auch nichts - als Motivationsspritze :-)

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Esst mehr Eier oder so? Nö.

Wobei, doch: Obacht bei Klappentexten! Es steht nicht immer das drauf, was drinnen steckt. Besser, man guckt selbst ins Buch. 

Aber das habt Ihr sicher selbst schon gemerkt.


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