Interview mit Carolin Schairer

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Aus dem Blauen heraus mich selbst zu beschreiben, fällt mir eher schwer, daher halte ich mal an die Fakten: ich bin 40 Jahre alt, in Garmisch-Partenkirchen geboren, in Niederbayern aufgewachsen und kurz vor Studienende wegen meiner damaligen Freundin nach Wien gezogen. Dort wohne ich mit meiner jetzigen Partnerin Doris in einem schönen Altbau mit bunten Wänden und IKEA-Möbeln, verwirkliche mich in der Küche und am Notebook und lasse mich auf Facebook darüber aus, dass ich gezwungen werde, „Germanys Next Topmodel“ anzusehen… :)

In meinem Freundeskreis bin ich quasi bekannt dafür, dass ich abends schnell müde werde und nicht viel Alkohol vertrage. Dafür kann ich problemlos früh aufstehen. An letzterem Punkt etwas traurig ist, dass ich so früh oft kaum Gehör für meinen Redefluss finde….

Seit wann schreibst du?

Seit ich das ABC kann.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Meine Leidenschaft zu Büchern begann bereits vor der Schulzeit - noch ehe ich selbst lesen und schreiben konnte, wollte ich von meiner Großmutter immer Geschichten vorgelesen bekommen. Leider hatte sie nicht immer dann Zeit, wenn ich die Fortsetzung hören wollte, und so sagte sie eines Tages: „Kind, du musst jetzt selber lesen lernen!“, schrieb mir das gesamte ABC auf und übte mit mir, bis es einigermaßen klappte.

Inspiriert von Enid Blyton, begann ich bald schon, selbst Geschichten dieser Art zu Papier zu bringen. Meine erste „Buch-Reihe“ hieß „Moni im Internat“ – fünf handschriftlich beschriebene Din A 5 Hefte, die leider verschollen sind…

Mit 11 Jahren begann ich, meine „Romane“ auf einer Schreibmaschine zu tippen und an meine Freundinnen zu verleihen. Bis zum Abitur entstanden im Zwei-Finger-System rund 30 Kurzromane zu den verschiedensten Themen.

Während meines Journalistikstudiums an der KU Eichstätt hatte ich – aufgrund von Lernstress, freier Mitarbeit bei diversen Medien und Praktika – dann erst einmal eine große Schaffenspause. Der erste Job in der PR-Stelle eines Finanzunternehmens verhalf mir letztendlich dazu, wieder Zeit zum Schreiben zu finden. Denn aufgrund von Unregelmäßigkeiten wurde von der Behörde ein Werbestopp über das Unternehmen verhängt, und dankenswerter Weise hatte ich so Zeit, tagsüber mit Erlaubnis meines damaligen Chefs an meinem Manuskript zu tippen. „Die Spitzenkandidatin“ handelt von einer Frau, die kurz davor steht, Kanzlerin zu werden, und dies für eine konservative Partei. Sie hat aber ein Geheimnis, ihr Privatleben betreffend, und wenn dies öffentlich wird, ist ihre Karriere dahin…und eine Journalistin weiß darüber Bescheid.

Auch dieses Skript wäre nur im Ausdruck in die Schublade gewandert, wenn nicht eine meiner Freundinnen darauf bestanden hätte, dass ich es bei diversen Verlagen einreiche. Und tatsächlich bekam ich vom Ulrike Helmer Verlag die Zusage.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Eigentlich wollte ich Lehrerin werden. Das Schreiben lief ja so nebenbei und meine Eltern haben mir immer vermittelt, dass es absolut wichtig ist, einen Beruf zu wählen, von dessen Einkünften man auch gut leben kann. Daher habe ich ein hauptberufliches Dasein als Autorin nie wirklich in Erwägung gezogen, denn wie vielen gelingt es schon, einen Bestseller nach dem anderen zu landen?

Meinen Berufswunsch „Lehrerin“ haben mir meine Eltern übrigens auch ausgeredet…heute weiß ich manchmal nicht, ob ich darüber traurig oder dankbar sein soll.

 Hast du für deine Bücher recherchiert?

Na ja, zwangsläufig….sonst ist das Szenario ja nicht glaubhaft. Allerdings wähle ich immer Themen, die für mich bzgl. der Recherche leicht zugänglich sind, z.B., weil ich Freunde habe, die diesen oder jenen Beruf ausüben oder quasi Experten auf einem bestimmten Gebiet sind und mir meine Fragen ausführlich beantworten können. Das Internet ist natürlich auch sehr hilfreich.

In meinem neuen Liebesroman „Sommer in Barock“ geht es um eine Opernsängerin – Diana Kleedorf, die während einer Ehekrise mit ihrem Mann die Liebe ihres Lebens kennen lernt. Das Buch ist in der Ich-Perspektive geschrieben, und da war es mir nicht nur wichtig, Dianas beruflichen „Alltag“ exakt widerzugeben, sondern mich absolut in ihr Denken und Fühlen einzufinden. Und das ist bei einer Sängerin sicher anders als z.B. bei einer Pharmareferentin. Daher habe ich mindestens drei Monate lang Interviews mit Opernsängerinnen auf Youtube angehört und online nachgelesen; auf Autofahrten war Händel mein permanenter musikalischer Begleiter und ich habe mit einigen gesprochen, die direkten Bezug zu dieser „Szene“ hatten. Eine Testleserin von „Sommer in Barock“ sagte dann zu mir, sie hätte noch nie ein Buch von mir gelesen mit so viel Drama. Das hat mir bestätigt, dass ich die Tonalität gut getroffen habe, denn Dianas Opernwelt ist schließlich eine Welt wechselnder Gefühle, eine Welt, in der sich überwältigende Freude, mitreißende Leidenschaft und tiefstes Leid quasi die Hand geben.

Mit den Orten, an denen die Geschichten vorrangig spielen, halte ich es ähnlich. Ich kenne die meisten Orte selbst, weil ich dort schon Zeit verbracht habe oder auch immer noch regelmäßig Zeit verbringe. Daher spielen zum Beispiel viele meiner Romane in Wien oder auch in Salzburg.

Wo schreibst du am liebsten?

Am Esstisch im Wohnzimmer.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nicht wirklich, ich muss ja auch sehen, wann ich neben meinem Vollzeitjob Zeit zum Schreiben finde. Am Wochenende stehe ich allerdings gegen 7 Uhr auf, mache mir einen Kaffee und beginne zu schreiben. Das kann vielleicht als Ritual durchgehen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Derzeit schreibe ich an einem Krimi, aber mehr kann ich dazu nicht sagen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nein.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Im Krimi- und Thrillersegment Agatha Christie, Henning Mankell, und Simon Beckett und einige nicht so namhafte skandinavische Krimiautoren und –autorinnen. Bei Krimis und Thriller ist mir wichtig, dass die Charaktere gut ausgestaltet sind und im Vordergrund stehen und nicht das möglichst blutige, an Grausamkeit nicht zu überbietende Abschlachten in allen Facetten. Gerade bei einigen US-Autoren und –autorinnen in diesem Genre geht es oft um letzteres, und das interessiert mich nicht.

Charlotte Link ist eine Autorin, die ich sehr schätze, wobei ich sie nicht als klassische Krimiautorin sehe. Bei ihr stehen die Charaktere und ihre Hintergründe/ Vergangenheit im Vordergrund; sie kann diese persönlichen Komponenten z.B. wunderbar und überzeugend mit einem Verbrechen verknüpfen.

Bei reinen Liebesromanen halte ich mich lieber an die englischsprachigen Autorinnen wie Georgia Beers, Lynn Galli, KG MacGregor und Melissa Brayden.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben, Wandern, Radfahren, Kochen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich bin eine sehr realistische Person und das Träumen fällt mir daher leider schwer. Denn unbeschwert vom Schreiben leben zu können, geographisch flexibler zu sein – das klingt sehr nett, wird sich aber für mich höchstwahrscheinlich nie erfüllen. Daher freue ich mich über den Status quo: dass ich mit Ulrike Helmer eine loyale Verlegerin gefunden habe, die bereits 15 Bücher von mir publiziert hat, die mich schriftstellerisch durch ihr gutes Lektorat fördert und mir unglaublich viele Freiheiten gewährt, die ich bei einem großen Publikumsverlag niemals hätte. Nur dadurch ist es mir überhaupt möglich, Vollzeitjob und Schreiben unter einen Hut zu bringen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Schon wichtig. Positive Rezensionen ermutigen mich und lassen mich mit einem guten Gefühl in den Tag gehen. Negative ziehen mich leider auch sehr herunter. Manchmal kann ich die Kritik nicht nachvollziehen und bin regelrecht versucht, nachzuhaken und zu fragen: „Wieso siehst du das so?“, „Was genau ist dein Kritikpunkt?“ Meistens kennt man die Verfasserinnen ja nicht, es läuft alles quasi anonym über das Internet, z.B. über Amazon. Ich muss mich dann selbst zügeln, da nicht zu reagieren, denn nichts ist in meinen Augen schlimmer, als wenn der Autor (meist unter Pseudonym, aber aufgrund der Vehemenz seiner Erwiderungen eindeutig identifizierbar) anfängt, auf Amazon mit unliebsamen KritikerInnen zu diskutieren. Ich finde das unprofessionell. Letztendlich ist eine Rezension ja auch ein persönliches Urteil zu einem Buch, und jeder empfindet eben anders.

Liebe Carolin, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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