Interview mit Hannes Nygaard

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Hannes Nygaard ist ein Pseudonym, da ich nach einem Studium der Betriebswirtschaft und meiner Tätigkeit als Unternehmensberater meinen Auftraggebern in der Mineralöl- und Kreditwirtschaft nicht zumuten konnte, dass sich ihr Berater (mit dessen bürgerlichen Namen) nicht nur mit ihren Fragestellungen befasst, sondern als „mögliche Lösungen“ auch Mord und Totschlag nicht ausschließt. Zumindest virtuell.

Auch wenn mich mein Beruf lange Zeit an Hamburger Schreibtische, nach Frankfurt und München geführt hat, habe ich als gebürtiger Hamburger große Zeit meines Lebens in Schleswig-Holstein zugebracht. Neben Wohnungen in Münster und Köln lebe und arbeite ich heute mitten im Weltnaturerbe Wattenmeer auf Nordstrand.

Seit wann schreibst du?

Genaugenommen seit meinem ersten Schuljahr. * Augenzwinkern * Nein! Seit 2004 bin ich professionell als Autor tätig und beschäftige mich ausschließlich mit dem Schreiben von Kriminalromanen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Begonnen hat es mir dem Niederschreiben kleiner alltäglicher Begebenheit. Dem folgten Kurzgeschichten und irgendwann erstand die Idee zum ersten Roman. „Nur mal so“ und als Entspannung nach einem stressigen Tag mit Managern.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Viele Menschen haben den Wunsch, zu schreiben. Nur wenige finden Gelegenheit, ihn zu realisieren. Nachdem ich, immer wieder durch den Alltag unterbrochen, meinen ersten Text fertiggestellt hatte, war es nur ein Versuch, einen Verlag dafür zu finden. Gemeinsam mit meinem Agenten haben wir DEN Verlag ausfindig gemacht, dem ich bis heute verbunden bin. Es ist nicht nur wie in einer vertrauten Partnerschaft – wir sind auch gemeinsam gewachsen.

Für mich ist es bis heute der schönste Beruf der Welt.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Neben einem Band mit Kurzgeschichten und zwei Tatort-Adaptionen schreibe ich für drei Ermittler. Das Team der Husumer Kripo um Christoph Johannes und den kantigen Oberkommissar Große Jäger hat inzwischen Kultstatus. Darüber freue ich mich sehr. Kriminalrat Dr. Lüder Lüders vom Polizeilichen Staatschutz des Kieler LKAs ist für die großen Fälle zuständig. Mit ihm als Einzelgänger darf ich in Politthrillern auch brisante Themen aufgreifen, die die Menschen im Lande berühren. Aus Flensburg nach Hannover versetzt wurde Hauptkommissarin Frauke Dobermann. Der Name ist Programm. Als Frau steht sie einer Sonderermittlungsgruppe „Organisierte Kriminalität“ vor und muss sich dabei nicht nur gegen internationale Verbrecherorganisationen, sondern auch gegen die Vorurteile ihrer Mitarbeiter behaupten. Insgesamt sind bisher über dreißig Krimis meiner elektronischen Feder entsprungen. Und es sollen noch mehr werden …

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Die Authentizität ist für mich enorm wichtig. Der Inhalt muss logisch passen und auch sachlich korrekt sein. Die Recherche nimmt einen großen Raum bei meiner Arbeit ein. Für die Örtlichkeiten bereise und besuche ich die Handlungsorte, bei Bedarf auch mehrfach. Es ist nicht nur die Inaugenscheinnahme der Äußerlichkeiten, sondern auch das Erfassen der Atmosphäre, das „Atmen der Situation“. Kann man wie in „Stadt in Flammen“ über einen sozialen Brennpunkt wie Kiel-Gaarden schreiben, ohne dort auch in dunklen Ecken herumgekrochen zu sein? Für die sachlichen Fragen steht mir ein großer Kreis von Fachleuten zur Verfügung. Ärzte, Apotheker, das Landeskriminalamt und viele kluge Menschen aus anderen Fachgebieten helfen mit, die Sachverhalte wirklichkeitsgetreu wiederzugeben. Es macht viele Mühe, aber der Aufwand lohnt. Der NDR hat mich einmal „Meister der Recherche“ genannt. Der schönste Lohn ist aber der Zuspruch der Leser.

Wo schreibst du am liebsten?

Konzentriertes Schreiben ist für mich weder mystisch noch geheimnisvoll, sondern Technik. Meine „Krimiwerkstatt“ ist ein technisch hochgerüstetes Büro mit einem großen Winkelschreibtisch und einem bequemen Ledersessel (noch aus den Tagen als Unternehmensberater). Ein ganz besonderes Privileg, das ich genieße, ist der Blick aus dem Fenster in die Marsch.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Bei meinem Arbeitspensum von zwei bis drei Büchern im Jahr und den dadurch vorgegebenen Ablieferungsterminen sind Disziplin und eine gute Arbeitsorganisation eine Grundvoraussetzung. Schreiben ist mein „Beruf“. Den übe ich an meinem Arbeitsplatz in meiner Krimiwerkstatt aus. Einzig die freie Zeiteinteilung (bei gutem Wetter vor die Tür gehen, dafür abends länger arbeiten) nutze ich aus. Abgesehen von den vielen Litern Tee, die ich im Laufe des Tages trinke, und der Ruhe, die ich benötige und auf Nordstrand finde, hat meine Arbeit nichts Rituelles an sich.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Natürlich tauchen immer wieder neue Ideen für Handlungen auf. Ich habe derzeit Stoff, den ich gern bearbeiten möchte, bis einschließlich 2020. Die Romane für 2017 sind fertiggestellt. Im Herbst 2017 erscheint ein mit einem Co-Autor geschriebener Roman zum 300 jährigen Jubiläum der Freimaurer in Deutschland, der in die geheimnisvolle Welt der Bruderschaft und ihrer Rituale führt. Wie immer waren es ungemein spannende Recherchen für einen Nicht-Insider wie mich. Im Frühjahr 2018 wird es die Husumer Ermittler ins Wattenmeer hinausziehen. Von welchem Boot ist die ertrunkene Frau ins Wasser gestürzt? Ganz dicke kommt es im Herbst 2018 für Lüder Lüders vom LKA. Die religiös inspirierten Verschwörer wollen die Welt nach ihren Maßstäben verändern.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ich lese viel und gern, auch Krimis. Allerdings nur zu meinem persönlichen Vergnügen und zur Unterhaltung. Inspiriert hat mich kein anderer Autor. Nygaard ist Nygaard.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Mein Interesse ist breit angelegt. Gern lese ich Biographien großer Persönlichkeiten, aber auch deren Ansichten über unsere heutige und unsere künftige Welt. Es gibt fantastische Sachbücher, die mich fesseln, aber auch unterhaltsame Krimis. Es müssen nicht wirklichkeitsfremde oder unrealistische aus einer sehr düsteren Atmosphäre sein. So schätze ich gute englische Kriminalliteratur, aber auch viele großartige deutsche Kollegen, die unsere Krimiszene zu einer der reizvollsten auf dem Globus gemacht haben.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Als Ausgleich genieße ich die Möglichkeiten, die mir mein wunderbarer Wohnort bietet. Ich darf mich in gesunder Luft in einer großartigen Natur bewegen. Gern lerne ich auf Reisen auch Neues kennen oder frische schöne Erinnerungen auf. Musik in unterschiedlichen Erscheinungsformen begeistert mich, ein großer und toller Freundeskreis ist ein Geschenk und die Enkel kann ich – leider - viel zu selten erleben.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Wenn ich von Not und Elend in der Welt höre, bin ich dankbar, in einer Umgebung leben zu dürfen, die weit von den Brandherden entfernt ist. Mein Wunsch an die Zukunft ist, dass es so bleibt. Ein ganz besonderer Wunsch ist natürlich die Gesundheit. Und Wünsche und Träume, auch wenn sie sich nicht alle erfüllen lassen, sind der Motor, der uns auch ein wenig treibt. Hätten wir keine Visionen, wäre uns Leben kalt und öde.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Als Autor sitzt man im stillen Kämmerlein. Für mich ist der Kontakt zu den Lesern einer der wichtigsten Aspekte meiner Arbeit -sei es bei Lesungen, Signierstunden, über soziale Medien oder auf anderen Wegen. Ich freue mich über jede Begegnung. Der Leser ist der Souverän des Autors.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich danke allen Leserinnen und Lesern für die langjährige Treue. Es macht Spaß, für sie zu schreiben.


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