Interview mit Bernhard Hofer

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Bernhard Hofer. Ich bin Österreicher und habe in Wien Literatur, Publizistik und Drehbuch studiert. Danach gestaltete sich mein Leben sehr bunt: Ich war beim Film, arbeitete in einigen Werbeagenturen, baute eine Digitalabteilung in der Investmentbranche auf und gründete einen Gothic-Club.

2012 bin ich mit meiner Familie nach Berlin gezogen, wo ich jetzt als Führungskraft in einer internationalen Kommunikationsagentur arbeite.

Seit wann schreibst du?

Da war diese Hausaufgabe. Es war 1986 und ich war 16. Ich ging damals in die Handelsakademie in einer kleiner österreichischen Stadt. Die Aufgabe war: Vergangenheitsbewältigung der Jugend. Ich war damals von der Aufgabenstellung wenig begeistert, schließlich hatte ich als Teenager andere Dinge im Kopf. Also schob ich die Hausübung an den Rand jenes Abends, als ich mir nichts Anderes übrig blieb, als diesen Aufsatz zu schreiben. Meine Gedanken lagen wie gefälltes Holz in meinem Gehirn herum und ich konnte keinen einzigen Satz formulieren. Also machte ich Musik an – es war Bauhaus (und Rotwein) – und begann zu schreiben. Ich schrieb, ohne nachzudenken. Ich wollte nur fertig werden. Und ich schrieb, bis es Morgen war.

Ich hatte die Aufgabe ohne große Erwartungen abgegeben. Tage später kam dann meine Deutschlehrerin in das Klassenzimmer. Ich erinnere mich noch ganz genau. Sie stellte ihre schwarze Tasche ab, legte ein Heft auf den Tisch und begann vorzulesen. Ich hörte den Text zum ersten Mal und war wie meine Schulkollegen sehr angetan von der Art und Weise, wie er geschrieben. Danach sagte meine Lehrerin in die Klasse: Wir haben ein literarisch, philosophisches Talent in unseren Reihen. Ich sah hoch und blickte zu meinem Sitznachbarn und zu den anderen Schülern, um dieses Talent auszumachen. Dann fiel mein Name. Ich war wie vom Blitz getroffen. Es war mein Text. Ich hatte ihn geschrieben und konnte mich nicht daran erinnern.

Seit dieser einen Nacht hat sich alles verändert. Das Schreiben hatte mein Leben betreten und ich wusste, dass ich Schriftsteller werden wollte. Also auf die Frage, seit wann ich schreibe, muss ich sagen: seit dieser Nacht im Jahre 1986, einer Nacht wo meine Berufung mit mir gesprochen hatte.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich musste erst lernen, mit diesem Talent umzugehen. Einen Roman zu schreiben, war für mich am Anfang ein zu großes Unterfangen. Ich war ungeduldig und brannte vor Neugierde. Also versuchte ich mich im Drehbuch und suchte verschiedene andere Ausdrucksformen. Als ich dann zum Roman kam - es war 2003 – kam ein Verlag auf mich zu und wollte mein erstes Romanfragment veröffentlichen. Ich lehnte ab, da ich damals mit dem Ende nicht zufrieden war. Stattdessen suchte ich weiter nach der idealen Form, meinem persönlichen Weg um meine Ideen umsetzen.

Ich habe diesen Weg 2012 gefunden, in Berlin Kreuzberg, als mir die Idee von „Tannenfall“ gekommen war. Alles war mit einem Mal klar und seitdem schreibe ich regelmäßig und jeden Tag.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Als die Musen mich entdeckten. 1986. Zwischen all den stürmischen Liedern von Bauhaus. Und als meine Deutschlehrerin meinen Namen vor der Klasse erwähnte.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Zwei. „Tannenfall“ und „Das unsterbliche Spiel“.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ich recherchiere immer zweimal. Einmal grob für die Erstfassung und einmal fein und exakt für die Zweitfassung. Somit engt mich das Recherchierte nicht ein.

Wo schreibst du am liebsten?

Am Morgen an meinem Arbeitstisch.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja. Da ich berufstätig bin, ist mein Tag sehr durchgetaktet. Ich stehe jeden Morgen um 05.30 auf, trinke mit meiner Frau Kaffee und unterhalte mich über unsere Pläne, die wir für den Tag haben. Um 06.00 Uhr beginne ich dann mit dem Schreiben.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja, es ist mein drittes Buch. Der Steinsturm. Die Idee kam mir, als ich von der Silvesternacht in Köln erfahren habe. Die Ereignisse damals haben mich so sehr aufgewühlt, dass ich etwas in mir spürte, das ich vorher noch nie gespürt habe. Wut. Ich habe mich fortan mit diesem Thema beschäftigt und mich gefragt, wohin der Weg führt, wenn wir unserer Wut folgen, diesem bösen Weg ...

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Definitiv. Stephen King. Ernest Hemingway. Karl Ove Knausgard. Dostojewski und Murakami.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

All die Bücher der oben genannten. Einer meiner Lieblingsbücher ist aber immer noch die „Buddenbrooks“ von Thomas Mann. Aber auch der „Dunkle Turm“ von Stephen King und „Der Name der Rose“ oder das „Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco finde ich ganz toll. Und natürlich „Schuld und Sühne“ von Dostojewksi und „Der alte Mann und das Meer“ von Hemingway. Und mein absoluter Liebling im Film wie im Buch: „Das Schweigen der Lämmer“ vom Thomas Harris.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Zeit mit meiner Familie zu verbringen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich glaube daran, dass man mit der Kraft und dem Zauber des Geschichtenerzählens, des Schreibens, die Seele des Menschen finden und berühren kann. Ein Traum von mir ist, dass mir dies immer öfter und immer stärker gelingt. Meine Bücher sind alle Thriller. Sie legen Schicht für Schicht der Helden frei, bis die Seele offenbart wird. Für mich ist das ein Prozess der Freiheit und der Wahrheit. Und anders als in Zeiten der Fake-News und der Instant-Storys, ist es ein Traum von mir, dass immer mehr Menschen sich selbst befreien und das Handy mal für einen Augenblick weglegen und beginnen ihrer Berufung zu folgen. Wie ich damals 1985. Auch wenn es ein langer, ein sehr langer Weg ist, ich glaube es würde die Welt besser machen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Enorm wichtig. Letztens hat eine Leserin auf Amazon folgendes geschrieben: „Sie haben mit dieser Geschichte erreicht, was bei mir sonst nur Musik schafft.“ Dafür lohnt es sich jeden Tag früh aufzustehen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja. Ich bin jedem einzelnen Leser sehr dankbar, dass er in meine Welten abtaucht. Da ich keine Bücher für „Zwischendurch“ schreibe – dafür ist mir meine Zeit zu schade – weiß ich, dass jedes meine Bücher auch die inneren Dämonen der Leser hervorlocken kann. Für diesen Mut und die Zeit, die sie mir schenken, in dem sich meine Bücher lesen, bin ich ihnen sehr dankbar. Das erfüllt mein Leben mit Sinn und macht mich sehr glücklich. Am meisten bin ich aber meiner Familie dankbar, dass sie mich so sehr unterstützt.


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