Interview mit Arvid Heubner

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten : )

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich wurde in Magdeburg geboren und bin im schönen Wernigerode am Harz aufgewachsen. Nach dem Abitur am Landesgymnasium für Musik ging es – Überraschung – zum Musikstudium nach Dresden, von wo ich im Kulturhauptstadtjahr 2010 ans Essener Aalto-Theater geholt wurde. Von der barocken Pracht des Elbflorenz in die eher spröde Schönheit des Ruhrpotts. Was als Kulturschock begann, erwies sich als Glücksgriff. Ich mag die Menschen und ihre gnadenlose Ehrlichkeit hier. 2011 schloss sich noch ein Jura-Studium in Bochum an. Musik durchzog immer mein Leben und spielt eine gewisse Rolle in meinen Krimis. Das in aller Kürze, hier bin ich.

Seit wann schreibst du?

Seit Februar 2014. Im Fernsehen lief gerade eine neue Folge von „Unter Verdacht“ mit Senta Berger in der Rolle der Eva-Maria Prohacek; eine Sendung, die ich wegen ihrer Realitätsnähe sehr schätze. Dabei kam mir die Idee für meinen ersten Tinus-Geving-Roman „Mitten im kalten Winter“. Innerhalb von zwei Abenden hatte ich schon 30 Seiten zusammen und so ging es weiter bis zum Erscheinen im vergangenen Jahr.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Übers Musikstudium. In den ersten beiden Studienjahren stürzte so viel auf mich ein, es war kaum zu schaffen. Musik war von Kindesbeinen an mein Hobby, plötzlich fehlte der Ausgleich, weil das Hobby zum Beruf gemacht wurde. Irgendwann erkundigte sich mein Lehrer, der von mir hochverehrte Matthias Geissler, was ich denn so in meiner Freizeit treibe. Als ich ihn fragte, was denn bitteschön „Freizeit“ wäre bei dem zu absolvierenden Programm, ordnete er an „Du liest jetzt mal ein ordentliches Buch. Die ganze Zeit immer nur Noten, da bleibt man doch nicht normal!“ Der beste Tipp des gesamten Studiums. So fand ich zum Buch zurück.

Daneben mussten wir uns in Dresden in Schriftform wissenschaftlich mit musikalischen Fragen auseinandersetzen. Das habe ich gerne gemacht, sogar Werkeinführungen und Programmtexte geschrieben. Zum Ende des Studiums stand die Diplomarbeit an. Meine mit dem Titel „Die Motette in der protestantischen Kirchenmusik des 17./18. Jahrhunderts“ hatte immerhin 136 Seiten Umfang. In meiner mündlichen Verteidigung sagte die Gutachterkommission: „Herr Heubner, Sie schreiben nicht nur lehrreich, sondern auch unterhaltsam.“

Darüber bin ich zum Bücherschreiben gekommen. Meine Diplomarbeit wurde übrigens mit „Sehr gut“ bewertet und gehört jetzt zum Bibliotheksbestand meiner alten Hochschule. Darauf bin ich sehr stolz.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Als ich mich an meinen ersten Roman gesetzt habe, dann gewiss nicht mit dem Vorhaben „Ich werde jetzt Autor“.

Ich hatte eine Idee, die brachte ich zu Papier. Man baut sich ja erstmal ein Erzähluniversum auf, in welchem sich die Charaktere entwickeln können. Oft entwickeln sie sich aus dem eigenen Selbst, widerspiegeln eigene Erfahrungen, so zumindest bei mir. Teile der Geschichte verselbstständigen sich. Das Endergebnis präsentierte ich meinen Testlesern im Familien- und Freundeskreis, die waren begeistert.

Über „Neobooks“ wagte ich den Weg an die Öffentlichkeit. Ich dachte, es wäre Hammer, damit vielleicht 50 Leser zu erreichen. Als nach drei Tagen bereits die 1000er-Marke geknackt wurde, musste ich mich kneifen, ich konnte es nicht glauben. Kurz darauf gewann ich mit „Mitten im kalten Winter“ den „Neobooks“ Bestseller-Wettbewerb. In der letzten Woche gab es eine Rezension aus dem „TOPKRIMI“-Lektorat. Bisher hatte ich also sehr viel Glück.

In dem Moment, in welchem mein Debüt von den Leserinnen und Lesern so überwältigend angenommen wurde, WAR ich Autor. Geplant hatte ich es nie, viele viele eifrige Bücherwürmer und Leseratten haben mich da hingebracht. Danke!

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Neben „Mitten im kalten Winter“ gibt es seit November 2016 einen weiteren – kürzeren – Tinus-Geving-Fall mit dem Titel „Der Kuckuck ruft in den Weiten“. Der Auftakt eines sechsteiligen Prequels, spielt vor dem Roman und beleuchtet seine erste Zeit bei EUROPOL.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Für die Tinus-Geving-Reihe verschlang die Recherche bisher bestimmt 50 Prozent der gesamten Arbeitszeit. Ich musste mich nicht nur in die Polizeistrukturen von Sachsen-Anhalt einarbeiten, sondern auch in die europäischen. Das Internet ist dafür die erste Anlaufstelle, dann muss man vielleicht den einen oder anderen Gesetzestext lesen und verstehen. Oder man ackert einen 120seitigen Arbeitsbericht von EUROPOL durch, auf Englisch. In einem Fall – da ging es um die Zusammenarbeit mit der spanischen Justiz – habe ich sogar einen Bekannten, der als Verbindungsbeamter zu EUROPOL dient, befragt.

So manche angedachte Szene stelle ich zu Hause nach, entweder als Bildskizze, oder am lebenden Objekt. Gott sei Dank hat das noch niemand gesehen.

Zum Schluss muss man den Spagat wagen, Dichtung und Wahrheit zusammenzubringen, das geht immer etwas auf Kosten der Wirklichkeit. Trotzdem unter dem Aspekt, dass alles erklärbar bleiben muss.

Wo schreibst du am liebsten?

Generell überall dort, wo es still ist und ich meine Ruhe habe. Zwischen Vorlesungen saß ich auch schon mal in der Unibibliothek. Vorzugsweise aber arbeite ich an meinem eigenen großen Schreibtisch, wo ich genügend Platz habe, meine Ideen auszubreiten.

Hast du ein festes Schreibritual?

Geschrieben wird, wenn es die Zeit erlaubt. Neben dem Studium kann das schon schwierig sein.

Ich bin kein Mensch, der sofort in den Computer schreiben kann, zuerst brauche ich Struktur. Größere Szenen skizziere ich in Dialogform. An diesem Ablauf schreibe ich dann entlang. Dabei streiche oder ergänze ich, stelle um, schreibe dazwischen. Das kann ich nur auf Papier. Zu meinem Schreibritual gehören daher zwingend Moleskine-Hefte und mein Pelikan-Füllfederhalter.

Was beim Schreiben nicht fehlen darf, ist eine gute Tasse Tee.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Es sind sogar zwei! Zunächst wird es einen neuen Fall für unseren westfälischen Freund Geving geben mit dem Titel „Im Blumenmeer der Kalvarienberg“. Im zweiten Teil des Prequels geht’s diesmal nach Spanien. Europa ermittelt!

Ganz aktuell auf meinem Schreibtisch liegt mein neuer Roman, zu dem ich nur ein paar Dinge verraten möchte. Es wird ein „Spin-Off“, spielt also im „Gevingverse“. Der Roman erzählt die Geschichte einiger Figuren aus „Mitten im kalten Winter“ weiter. Er wird politisch nicht kontrovers sein – dies ist Tinus Geving vorbehalten – und in einer deutlich lichteren Atmosphäre spielen. Und ja, Sachsen-Anhalt wird Mittelpunkt der Handlung sein.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Grundsätzlich bemühe ich mich um meinen eigenen Stil und schaue gar nicht so sehr danach, was andere Autoren machen, schließlich will ich meine Geschichte auf meine Art und Weise erzählen. Alles andere wäre nicht authentisch.

Darüber hinaus bin ich mehr ein Kind des Fernsehens und werde in „meinem“ Thema durch skandinavische Serien wie „Borgen“, „Forbrydelsen“ oder „Okkupert“ beeinflusst. Vielleicht spielt dazu noch ein wenig Hansjörg Felmy als Essener „Tatort“-Kommissar Haferkamp hinein.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Als Autor im Krimibereich ist es Arthur Conan Doyle. Ganz klar, keine Frage.

Sonst lese ich ziemlich querbeet das, was mich gerade interessiert. Als Schüler viel Jules Verne. In letzter Zeit eher Autoren aus der Zeit der Weimarer Republik: Erich Kästner, Hans Fallada, Joseph Roth.

Zur Abwechslung auch mal englischsprachige Originalliteratur wie Christopher Clarks „The Sleepwalkers“ oder C.J. Sansoms Dystopie-Drama „Dominion“.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich habe eine gut sortierte Schallplattensammlung, die will bewegt werden. Schon als Kind war ich nur schwer vom drehenden Plattenteller wegzukriegen, das Knistern hat mich immer total fasziniert. Bis heute! Manchmal spiele ich zum Eigenvergnüg Klavier; hinter verschlossenen Türen.

Und Kunstmuseen, die mag ich. Man hält es nicht für möglich, wie man beim Betrachten von Bildern abschalten und sich gleichzeitig inspirieren lassen kann. Viel Inspiration für „Mitten im kalten Winter“ zog ich aus Hieronymus Boschs Meisterwerk „Die sieben Todsünden“. Das mal in Lebensgröße im Madrilener „Prado“ gesehen zu haben, war schon ein sehr eindringliches Erlebnis.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Im Alter wird man ja bescheiden. Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Aber im Ernst: Ein Traum ging vor kurzem in Erfüllung, die Idee für meinen aktuellen Roman kam mir nämlich buchstäblich im Schlafe.

Für die Zukunft wünsche ich mir viele gute Ideen, damit ich meinen Lesern – und noch mehr Lesern - weiterhin Freude mit Tinus Geving und seinen Kollegen bereiten kann.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Wir sind die erste Generation, die komplett mit Internet aufgewachsen ist. Noch nie war es für den Autor so einfach, so schnell, so ungefiltert und so direkt mit seinem Leserpublikum in Kontakt zu kommen. Das sollte man nutzen! Leserunden sind immer hilf- und lehrreich. Man sieht, was funktioniert und man merkt, was vielleicht noch optimierungsbedürftig ist. Als Autor ist man irgendwann betriebsblind, der Leser in aller Regel objektiv. Natürlich gibt es – selten – Ausreißer, solche, die persönlich unter der Gürtellinie zuschlagen. Da halte ich es mit Max Frisch: „Schweigen und weitermachen.“ Allen macht man es nie Recht.

Sogar in Sachen Zielgruppenanalyse ist Feedback interessant. So weiß ich, dass mein Lesepublikum zu fast 70 Prozent weiblich und im Alter zwischen 18 und 35 Jahren ist. Zugegeben, meine Zielgruppe ist die phänomenalste Zielgruppe, die man als Autor haben kann. Daraus kann man auf Leseerwartungen schließen und planen, wie man am besten mit ihnen umgeht. Im Internet ist noch sehr viel „Neuland“ zu erobern.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, ein persönliches Anliegen hätte ich schon. Unter dem Aspekt Feedback: Gerade als Nachwuchsautor ist man sehr auf das Leserecho angewiesen. Da helfen natürlich Rezensionen. Aktuell bin ich auf der Suche nach veröffentlichungswütigen Rezensenten und Buchbloggern. Schaut mal bei Whatchareadin (http://whatchareadin.de/community/threads/10-rezensionsexemplare-mitten-im-kalten-winter.11137/) rein. Ich finde, ein kostenloses E-Book-Exemplar von „Mitten im kalten Winter“ gegen eine öffentliche Erwähnung ist doch ein guter Deal! Wer möchte, kann sich außerdem bei Facebook (https://www.facebook.com/aheubner/?ref=aymt_homepage_panel) über meine Projekte auf dem Laufenden halten.


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