Interview mit Elmar Tannert

© Cris Civitillo

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Erzählen kann ich nur, wenn ich mit jemandem bei Kaffee, Bier oder Wein zusammensitze. Dann erzähle ich aber viel lieber über das, was ich mache, als über mich selbst, weil ich gar nicht immer so genau weiß, wer ich bin.

Seit wann schreibst du? 

Mit 26 oder 27 habe ich meine ersten heimlichen Experimente begonnen, die hoffentlich niemand aus dem Altpapier gerettet hat.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen? 

Durch immer weiteres Experimentieren und auch dadurch, dass ich es in der Anfangsphase eines jeden Manuskripts bis heute, so gut es geht, vermeide, daran zu denken, dass aus dem, was ich da gerade schreibe, ein Buch werden könnte.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Wollte ich wirklich ...? Ich wusste nur, dass ich schreiben will. Aber da ich seither auch durch Phasen gegangen bin, in denen ich vom Schreiben nichts wissen wollte, will ich auch mit dem "Schreiben wollen" ganz vorsichtig sein.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Der Stadtvermesser", "Keine Nacht, kein Ort", "Ausgeliefert". Mit Martin Droschke: "Bierland Pilsen". Mit Anders Möhl: "33 Biere – eine Reise durch Franken"."Ein Satz an Herrn Müller". Mit Petra Nacke: "Rache, Engel!", "Blaulicht" und "Der Mittagsmörder". 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Mir wird das Wort "recherchieren" im Zusammenhang mit Literatur immer unsympathischer. Bei Krimis geht es nicht ohne Recherche, das ist klar; aber wenn heute ein Buch als "gut recherchiert" bezeichnet wird, nehme ich meist Abstand, weil ich befürchte, dass Wikipediawissen zu Literatur aufbereitet wurde. Je nach Art bzw. Genre des Textes recherchiere ich mal mehr, mal weniger und versuche stets, meine Rechercheergebnisse dem Leser nicht aufzudrängen.

Wo schreibst du am liebsten?

In Kneipen und Cafés, die sich gern auch in Tschechien befinden dürfen.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich glaube, jeder Text verlangt sein eigenes Schreibritual. Manche schreiben sich besser am frühen Morgen beim Kaffee, andere wieder spätabends bei einer Flasche Wein. Aber auf jeden Fall braucht es eine Warmlaufphase von ungefähr einer halben Stunde, in der ich versuche, nicht aktiv zu denken, sondern es denken zu lassen. Ich muss auch eine gefühlt "unendliche" Menge Zeit vor mir haben. Wenn ich schon im voraus weiß, dass ich mich zwei Stunden später einer anderen Sache werde widmen müssen, kann ich nicht anfangen.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Nicht nur eins, aber mit dem "Verraten" sollte man nicht voreilig sein, finde ich. Man muss ja immer damit rechnen, dass es auch mal nix wird.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Einflüsse kommen nicht nur von einem einzigen. Ob sich unter denen, die ich mag und schätze – siehe nächste Antwort –, welche befinden, die mich beeinflusst haben, möchte ich nicht selbst beurteilen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Peter Weiss, "Abschied von den Eltern" und "Der Schatten des Körpers des Kutschers". Ilse Aichinger, "Der Gefesselte" (Erzählungen). Thomas Bernhard, "Das Kalkwerk". Kurt Vonnegut, "Frühstück für starke Männer" und "Schlachthof 5". Robert Musil, "Der Mann ohne Eigenschaften". Michel de Montaigne, "Essais". Oskar Maria Graf, "Wir sind Gefangene" und "Gelächter von außen". Alois Brandstätter, "Zu Lasten der Briefträger". Arthur Schopenhauer, "Parerga und Paralipomena" und "Aphorismen zur Lebensweisheit". Egon Friedell, "Kulturgeschichte der Neuzeit". Eugen Herrigel, "Zen in der Kunst des Bogenschießens". Die 10bändige Gesamtausgabe der Werke von Kurt Tucholsky. Und bestimmt hab ich jetzt mindestens ein wichtiges Buch vergessen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mit Freunden Bier trinken und ungezielt durch die Gegend quatschen. Reisen. Außerdem spiele ich in zwei Formationen E-Bass. Aber soll ich das alles wirklich unter "Freizeit" subsumieren? Aus all diesen Dingen beziehe ich ja Inspirationen, die in meine "Arbeitszeit" fließen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Träume kultiviere ich nicht, weil ich finde, dass mein Leben viel phantasievoller ist als ich und immer wieder Überraschungen bereithält, die ich mir niemals hätte erträumen können. Da will ich ihm mit meinen kleinkarierten Träumen nicht im Wege stehen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Essentiell wichtig ist mir nur das Feedback von ganz wenigen engen Freunden. Über Zuschriften von Lesern habe ich mich bis jetzt stets gefreut, weil ich immer erkennen konnte, dass das jeweilige Buch – oder der Text – an den richtigen geraten war. Etwas zweifelhaft finde ich zuweilen das Echo der Leserrezensionen auf amazon. Da hab ich auch schon mal die Unterstellung gelesen, dass ich beim Schreiben Lambrusco trinke. Trinken ja – aber nicht Lambrusco.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Alles weitere sage ich ihnen, wenn wir in einer meiner Lieblingskneipen zusammentreffen und keinen Lambrusco trinken.


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