Interview mit Anja Berger

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Gerne. Im April 1983 wurde ich in der Schweiz geboren, wo ich in der Nähe von Basel mit meiner Mutter und zwei älteren Schwestern aufwuchs. Ich bin in einer Basler Anwaltskanzlei angestellt und glücklich liiert mit einem Winterthurer, weshalb meine Romane hauptsächlich während meiner Pendlerfahrten im Zug entstehen.

Seit wann schreibst du?

Im Grunde schon seit ich denken kann. Als ich mit einem Stift noch nicht mehr anfangen konnte, als darauf herumzukauen und Wände zu verunstalten, malte ich mir meine Geschichten in Gedanken aus und setzte sie spielerisch um. In Jugendjahren setzte sich der Wunsch, Geschichten zu Papier zu bringen, so richtig fest. Bis aber alle Faktoren stimmten, damit aus einer Idee ein fertiger Roman wurde, vergingen noch über zehn Jahre.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Im Alter von acht Jahren verlor ich meinen Vater - ein wegweisendes Ereignis, das mich letztendlich zum Schreiben gebracht hat und vor allem in meinen zweiten Roman mit einfloss. Es sind allerdings auch Orte und stille Zeitzeugen, wie alte Schlösser oder verwucherte Häuser, neblige Landschaften oder ähnliches, die mich schon immer fasziniert haben. Irgendwie wollte ich diesen meist verlassenen Orten mit einer Geschichte ein zweites Leben schenken und sei es auch nur dadurch, dass ich sie als Quell der Inspiration nutzte.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Als ich das erste Buch "Wenn nichts mehr ist, wie es war" beendete. Den Gedanken, ein Buch zu verfassen, hegen viele, wie ich feststellte, seit ich selbst schreibe. Diesen Wunsch aber wirklich umzusetzen, schaffen die wenigstens. Ich konnte mir ja selbst nicht wirklich vorstellen, dass aus der Idee, die auf Teneriffa im Urlaub entstand, tatsächlich ein Buch werden würde, doch als ich mich an die Arbeit machte, wurde es mit jeder Seite einfacher. Ich hatte solchen Spaß daran, da war klar, dass das erste Buch nicht das letzte sein konnte. Es ist auch immer eine Herausforderung an mich selbst: Schaffst du noch eins? Bringst du es fertig, dass aus deiner kleinen Idee ein umfassendes Manuskript wird? Hauptberuflich bin ich aber nach wie vor im Sekretariat einer Anwaltskanzlei tätig.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Wenn nichts mehr ist, wie es war", "Wenn die Wahrheit nicht ruht" und "Unscheinbar". Diese drei brachte ich im Selbstverlag heraus. Hilfreich war dabei, dass ich zu der Zeit zu veröffentlichen begann, als die E-Books in unseren Breitengraden noch in den Startlöchern waren. An einem Flughafen stolperte ich über diese neue Form des Lesens und war sofort begeistert von den Möglichkeiten. Der Traum, einen Verlag zu finden, blieb aber. Er ging in Erfüllung, als Droemer Knaur mit seinem neuen E-Book-Konzept Interesse an "Die Farben des Bösen" anmeldete. Ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Die Farben des Bösen" erschien "Spieglein, Spieglein", ebenfalls beim Deutschen Großverlag Droemer Knaur.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Meist stoße ich per Zufall auf Elemente, in denen ich das Potential sehe, verarbeitet zu werden. Zum Beispiel ein Bericht im Fernsehen über weißn Phosphor und dessen Eigenschaften. Demnach habe ich nicht absichtlich nach diesen Infos gesucht, die Infos haben eher mich gefunden. Natürlich lese ich aber auch vieles im Internet nach. Die Erfahrungen, die ich in der Anwaltskanzlei sammle, kann ich ebenfalls anwenden und zwischendurch wende ich mich hilfesuchend an Institute oder Behörden. Als Schauplätze wähle ich Orte, an denen ich schon war, so entstehen kann ich meine bei den Lesern beliebten bildhaften Beschreibungen am ehesten umsetzen. Manche Orte existieren, wie beschrieben, andere sind aus mehreren Elementen zusammengesetzt.

Wo schreibst du am liebsten?

Im Zug. Auf dem Weg nach Winterthur und zurück lässt es sich gut schreiben. Man sollte sich fürs Schreiben Zeit nehmen. Diese Zeit habe ich im Zug. Zuhause erlebe ich meist zu viel Ablenkung, könnte dies noch tun und das noch erledigen, dort hingehen und den treffen. Man schafft in den anderthalb Stunden Fahrt zwar nicht immer so viel, doch es geht stetig vorwärts und macht unheimlich Spaß. Darüber, wie es weitergehen könnte, denke ich aber auch nach, wenn ich auf dem Roller unterwegs bin oder kurz zum Einkaufen gehe. Was mir einfällt, halte ich später in Stichworten schriftlich fest und setze es dann im Zug in eine Szene um.

Hast Du ein festes Schreibritual?

In den Zug eingestiegen, Sitzplatz gesucht, IPad aus der Tasche gezogen und auf die Beine gelegt, Kaffee zwischen die Beine geklemmt und los geht's! Meist ist der Kaffee noch immer voll, wenn ich am Zielbahnhof ankommen, weil ich vorlauter Tippen keine Hand frei habe, um ihn zu trinken, dennoch gehört der Becher Kaffee einfach dazu.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Derzeit arbeite ich an "Des Mörders Tagebuch", das ich ebenfalls Droemer Knaur anbieten möchte. Mal sehen, ob sie es annehmen. Es handelt von einer TV-Köchin, die eine harmlos wirkende Wette eingeht, durch die sie ins Visier eines Mörders gerät, der mit Vorliebe an der Basler Fasnacht unangenehme Überraschungen hinterlässt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Es gibt vor allem eine, die den letzten Anstoss zum Schreiben gab: Nora Roberts. Einer ihrer Romane hat mich irgendwie nicht so richtig gepackt. Ich liess mich dann zum Spruch hinreissen, dass ich so etwas auch schreiben könne. Die Reaktion meines Freundes: Dann tu es! Das war der Funke, der zu einem Flächenbrand wurde. Vom Stil her bin ich aber am ehesten von Lisa Jackson und Sandra Brown beeinflusst.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

"Das Montglane Spiel" von Katherine Neville war eines meiner frühen Favoriten. In Diana Gabaldons Highland-Saga verlor ich mich auch unheimlich gerne. Schreibstile, Kreativität, Leidenschaft und wie die Spannung gehalten wird, gefällt mir bei Lisa Jackson und Sandra Brown sehr gut. Als Genre sagt mir der Thriller, Krimi und Psychothriller zu, irgendwie bin ich aber auch in der Romantik zuhause. Am allerliebsten hab ich es, wenn beides vereint in einem Buch Platz findet.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Neben dem Schreiben? Ganz ehrlich? Fernsehen. Ich mag Filme. Außerdem verbringe ich gerne Zeit mit Freunden und meiner Familie. Ich stehe total auf Rock und Metal-Sound, weshalb ich regelmäßig Konzerte besuche. Im Sommer reise ich bevorzugt durch die USA, was mich zum American Football brachte. Während die amerikanische National Footballleague im Sommer pausiert, unterstütze ich die Schweizer Football-Liga und feure die Winterthur Warriors an. Was auch nicht fehlen darf, ist Eishockey. Es begleitet mich schon mein Leben lang. Ich selbst habe kein Talent fürs Schlittschuhlaufen, umso faszinierender ist es, die Nashville Predators (NHL) oder den EHC-Winterthur (NLB) zu verfolgen. Erstaunlich, wie geschmeidig sich diese harten Kerle auf dem Eis bewegen können! ;)

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Das meine Bücher verfilmt werden, das wäre der Wahnsinn!

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Ich möchte unterhalten, ich möchte die Leser in eine Welt ziehen, die sie eine Weile aus ihrer Realität holt. Das wünsche ich mir auch, wenn ich Bücher lese oder auch Filme schaue. Ob ich diesem Anspruch gerecht werden kann, finde ich nur heraus, wenn ich die Leserstimmen höre. Außerdem gefällt mir der direkte Kontakt. Bietet sich die Möglichkeit, tausche ich mich auch gerne mit den Lesern persönlich aus. Ich finde es interessant zu sehen, wer sich meine Bücher kauft. Meist staune ich, wie unterschiedlich diese Menschen sind, die teilweise vielleicht nur eine Gemeinsamkeit finden: Mein Buch.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ein herzliches Dankeschön für das Interview und an all die fleissigen Leser da draussen! Lest weiter, so viel ihr könnt und egal welche Art von Geschichten, denn nur so werden sie am Leben erhalten. Ausserdem möchte ich diejenigen, die schon lange erwägen, ein eigenes Buch zu schreiben dazu ermuntern, es zu versuchen. Egal ob‘s ein Ende findet, ein neuer Bestseller wird oder in der Schublade verstaubt; einen Versuch ist es auf jeden Fall wert! Wie heisst es so schön? Es ist nie zu spät, seine Träume zu leben.


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