Interview mit Hans Rath

© Mirjam Knickriem

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Vor rund 10 Jahren hatte ich ein paar Wochen beruflich in Berlin zu tun. Prompt habe ich mich Hals über Kopf in die Stadt verliebt - und wenig später dann auch noch in meine Frau. Jetzt lebe ich mit ihr und unserem Sohn am Prenzlauer Berg.

Seit wann schreibst du?

Schon sehr lange. Ich habe mir als Kind beim Lesen von Büchern vorgestellt, dass es der großartigste Beruf der Welt sein müsste, sich Geschichten auszudenken und diese dann aufzuschreiben. Das kam für mich ganz klar noch vor Rockstar oder Präsident.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich komme aus einem sehr kleinen Städtchen, wo man gewöhnlich ordentliche Berufe ergreift. Schriftsteller gehörte nicht dazu. Deshalb wurde ich erst einmal Journalist, um wenigstens überhaupt schreiben zu können. Nach diversen Umwegen habe ich dann kurz vor dem 40. Geburtstag beschlossen, es doch noch mit dem unordentlichen Beruf des Autors zu versuchen.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?†

Als die Entscheidung getroffen war – wie gesagt, ich war da schon etwas älter – da habe ich mir geschworen, es ein Jahr als freier Autor zu probieren. Hätte das damals nicht geklappt, wäre ich heute in einem anderen Job unterwegs. Zum Glück hat mein erster Roman „Man tut, was man kann“ nicht nur viele Leser, sondern später auch eine Menge Kinozuschauer gefunden.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ungefähr ein Dutzend, darunter die Paul-Trilogie und die Jakob-Jakobi-Reihe, deren Eröffnungsbuch mein bislang erfolgreichstes war. Es heißt „Und Gott sprach: Wir müssen reden!“

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Allerdings. Ich muss mit einem Thema vertraut sein, bevor ich darüber schreiben kann. Am besten, ich kenne es in- und auswendig, was natürlich nicht immer zu leisten ist. Das Meiste, was ich bei der Recherche entdecke, gelangt nicht ins Buch. Ich weiß aber inzwischen, dass ich die intensive Beschäftigung mit dem Thema brauche, um mich sattelfest zu fühlen.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer, idealerweise bei angenehmen Temperaturen und weit geöffneten Fenstern. Ich schaue übrigens von meinem Arbeitszimmer aus in einen typischen Berliner Hinterhof, was eine oft meditative Wirkung hat.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ja. Ich schreibe ungefähr zu den üblichen Bürozeiten, also etwa von neun bis fünf, und das fünf Tage die Woche, manchmal auch sechs, selten sieben. Ich habe ein festes Pensum und einen Produktionsplan, den ich vor Beginn eines Buches festlege, um nicht plötzlich Nachtschichten einlegen zu müssen, weil ich sonst den Abgabetermin nicht halten kann. Nebenbei mag ich keine Nachtschichten.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich bin gerade dabei ein Buch zu vollenden, dass im September bei Kindler erscheinen wird. Es erzählt von einer ungewöhnlichen Männerfreundschaft und spielt in Berlin und Island. Die Idee dazu hatte ich bei einem Besuch in Reykjavik.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nicht nur einen, sondern mehrere. Dazu kommen noch etliche Filmemacher und Regisseure, einige Philosophen und ein paar bildende Künstler. Und dann gibt es ja auch noch Inspirationsquellen, die man oft übersieht. Etwa die Stadt, in der du lebst, deine Frau und dein Sohn, das Wetter oder vielleicht auch nur Spaziergang am Meer.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich habe keine Lieblingsbücher oder Lieblingsautoren, ebenso wenig wie ich einen Lieblingsfilm oder ein Lieblingsgericht habe. Viele Wege führen nach Rom, und es scheint mir, dass derselbe Mensch je nach Alter und Lebenssituation völlig verschiedene Wege wählt. Der Lieblingsweg ist also nur eine Momentaufnahme.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Pause. Also tatsächlich idealerweise nichts, was mit einem neuen Buch zu tun hat.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Mein Sohn wünscht sich einen Hund, meine Frau und ich finden das eine schöne Idee. Wir liebäugeln jetzt mit einem Welsh Springer Spaniel. Ich würde außerdem gern den Bootsführerschein machen, und am Wochenende hin und wieder über die Berliner Wasserstraßen schippern.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich bin auf meinen Lesereisen immer wieder von den netten und erhellenden Gesprächen angetan, die sich dabei ergeben. Grundsätzlich finde ich Feedback wichtig, zumal das Internet und die modernen Bewertungssysteme die Verbindung von Leser und Autor unmittelbarer, aber mitunter auch anonymer gemacht haben. Der persönliche Kontakt entspricht außerdem sowieso mehr meinem Naturell.

Lieber Hans, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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