Interview mit Holger Thurm

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Klar, gerne! Als Journalist stelle normalerweise ich Fragen. Ungewohnt, dass es einmal umgekehrt ist.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Verraten habe ich ja schon, dass ich Journalist bin. Viele Jahre habe ich Radio gemacht. Aber Schreiben ist meine eigentliche Leidenschaft. Ich hab schon als Kind reichlich Unsinn geschrieben. Dabei habe ich mich anfangs von den Geschichten aus dem alten Ägypten anregen lassen. Später habe ich Geschichtsbücher verschlungen, aber auch Asterix-Hefte und Donald Ducks Lustige Taschenbücher. Ich glaube, Comics haben meinen Sprachschatz beträchtlich erweitert.

Seit wann schreibst du?

Wenn wir die frühen Versuche weglassen, etwa seit dem ich achtzehn Jahre alt bin.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich habe Anfang zwanzig einen Fantasyroman begonnen. Begeistert war ich von Tolkiens Der Herr der Ringe, Die Nebel von Avalon von Marion Zimmer Bradley und Die unendliche Geschichte von Michael Ende, den ich sehr verehre. Mein Fantasyroman sollte drei Teile haben. Nur ein Teil wurde fertig. Naja.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Am Ende der Schulzeit war ich mir sicher. Dann habe ich aber Jahrzehnte gebraucht, bis mein erster Roman wirklich fertig geworden ist.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ich habe zwei Mysterykrimis geschrieben. Mein zweiter, Wolf und Harlekin, ist jetzt der erste, der veröffentlicht worden ist.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Es gab Themen in Wolf und Harlekin, da hatte ich geschichtliches Vorwissen. Aber ich bin da sehr penibel. Wenn ich Fiktion mit historischen oder wissenschaftlichen Fakten mische, um es insgesamt glaubwürdiger zu machen, dann muss das Hand und Fuß haben. Deswegen habe ich sehr viel recherchiert rund um Beutekunst, die letzten Tage des 2. Weltkriegs und Genforschung in der Medizin.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe im Sommer auf der Terrasse, ganzjährig im Café und – bitte nicht lachen – bis spät in die Nacht im Bett.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Tatsächlich nicht. Ich brauche weder eine Tasse Tee oder Kaffee neben dem Laptop noch einen festen, unveränderbaren Schreibplatz. Ich schreibe eigentlich selten bis nie am Schreibtisch. Aber am Esstisch oder liegend auf dem Sofa. Ich kann am besten abends und nachts schreiben. Ich brauche sehr lange, um in die Gänge zu kommen. Bin ich aber einmal drin, kann ich im Akkord arbeiten.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich konzipiere gerade einen Thriller, bei dem es um die psychologischen Folgen von Organtransplantationen geht. Mehr kann ich leider noch nicht verraten. Da habe ich selber noch ein paar Fragen an mich.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Wahrscheinlich viele mehr, als mir jetzt bewusst sind. Aber Vorbilder sind zum Beispiel Carlos Ruiz Zafón und Jeffrey Eugenides, obwohl beide sehr unterschiedlich schreiben. Aber sie verbreiten eine gewisse erzählerische Ruhe, das macht ihre Bücher so angenehm zu lesen, selbst wenn es aufwühlende oder dramatische Passagen sind.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Jetzt habe ich sie eigentlich schon genannt. Fantastische Literatur hat mich früher sehr beeinflusst, vor allem Michael Ende. Später waren es dann oft spanischsprachige Autoren. Ein Buch wie Der Schatten des Windes hat mich nachhaltig beeindruckt.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich bin mit Freunden sehr oft unterwegs, gehe gerne essen, koche aber auch gern. Ich reise gerne, vor allem nach Italien. Tja, und dann verbringe ich natürlich viel Freizeit mit Schreiben.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich möchte Italienisch lernen und ein zweites Standbein südlich der Alpen haben. So ein Häuschen in der italienischen Pampa, davon träume ich. Da kann man auch gut schreiben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich achte schon auf Kritik, Lob und Tadel. Aber ich lasse mich davon auch nicht verrückt machen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich freue mich, wenn Bücher mehr sind als Spannung und Unterhaltung. Manche Autoren bedienen den Markt, um zu verkaufen. Das ist legitim. Aber das Tolle an Büchern ist doch, dass sie die Möglichkeit bieten, zwischen den Zeilen eine hilfreiche Botschaft zu vermitteln. Ich glaube, wir alle lesen, weil wir aus den Geschichten auch etwas für unser Leben mitnehmen wollen. Wie gehen die Helden mit Krisen, Angst, dem Tod oder der Liebe um? Das berührt uns, daraus lernen wir. Ginge es nur um Unterhaltung, würde auch ein Netflix-Abo ausreichen.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0