Interview mit Jan Stressenreuter

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 1961 geboren, lebe seit über dreißig Jahren in Köln und seit fast zwanzig Jahren in einer festen Beziehung mit einem Mann. 

Ich mag Abba, Take That, die Pet Shop Boys und John Grant, Star Trek, und Knoblauch-Hähnchen. Und ich kann Karneval

nicht ausstehen. 

Seit wann schreibst du?

Seit ungefähr 15 Jahren.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Nachdem ich zwölf Jahre in einem Hospiz gearbeitet hatte, beschloss ich, dass es Zeit war, etwas für mich zu tun, etwas, 

dass nur für mich wichtig war. Schreiben wollte ich schon immer. Daraus entstand mein erster Roman, der zum Glück so erfolgreich

war, dass ich seitdem immer weiterschreiben konnte.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Das wollte ich schon als Kind. Mit zwölf Jahren habe ich Astrid Lindgren in einem Brief die Frage gestellt, wie man Schriftsteller wird.

Sie hat mir tatsächlich geantwortet und geschrieben, dass man dazu wohl geboren wird. Den Brief habe ich immer noch, 

auch wenn ich ihre Antwort damals eher ernüchternd fand. Tatsache ist aber auch, dass ich schon immer wenigstens ein Mal 

meinen Namen auf dem Cover eines Buches sehen wollte. Also, ein bisschen Ehrgeiz gab es auch.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Glücklicherweise habe ich zwei Standbeine, in zwei unterschiedlichen Genres. Zum einen natürlich Krimis, zum anderen Romane, in denen ich

Geschichten über das schwule Leben in Deutschland erzähle. Von daher wechsele ich immer zwischen den Welten. Alle Bücher sind im Querverlag, Berlin,

erschienen. 

Love to Love You, Baby (2002)

Ihn halten, wenn er fällt (2004)

Und dann der Himmel (2006)

Mit seinen Augen (2008)

Aus Rache (2009)

Aus Angst (2010)

Aus Wut (2011)

Wie Jakob die Zeit verlor (2013)

Haus voller Wolken (2015)

Figgn, Alda! und andere Geschichten (2016)

Aus Hass (2017)

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Natürlich. Welcher Schriftsteller tut das nicht? Viele Sachen kann man ja heutzutage googeln, was einem die Sache enorm erleichtert.

Manchmal allerdings reicht das nicht, dann muss man sich vor die Tür bemühen oder mit Fachleuten sprechen, z.B. mit Gerichtsmedizinern. 

Für die Krimis recherchiere ich immer die Originalschauplätze der Handlung oder auch Todesarten usw. Für die Arbeitsweise der Polizei steht 

mir ein Freund zur Seite, der bei der Kripo gearbeitet hat. Und natürlich recherchiere ich Damenhandtaschen, denn Maria Plasberg - meine Kommissarin - 

hat einen Handtaschentick. Das macht tatsächlich am meisten Spaß.

Wo schreibst du am liebsten?

Zu Hause, am Schreibtisch, auf dem Laptop.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich habe feste Arbeitszeiten, denn ohne Disziplin komme ich nicht voran. Die Zeiten halte ich immer ein, es sei denn, ich bin auf Lesereise oder im Urlaub.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Nach dem neuen Krimi "Aus Hass" wird es Zeit für einen weiteren Roman. Es wird eine Dystopie werden über eine Zeit, in der Schwule und Lesben erneut verfolgt

werden. Ich halte den derzeit aufkommenden Rechtspopulismus für weitaus gefährlicher als manche denken. Dagegen muss ich als Schriftsteller und als Angehöriger

einer Minderheit Stellung beziehen. Und Dystopien haben in der Literatur eine lange Tradition. Man denke nur an "Die Geschichte der Magd" von Margaret Atwood,

"1984" von George Orwell oder "Schöne neue Welt" von Aldous Huxley.

Aber auch für einen neuen Krimi hätte ich einen netten Plot.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Nein. Als Autor muss man seinen eigenen Stil finden, ansonsten kopiert man nur seine Vorbilder.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Da ich anglo-amerikanische Geschichte studiert habe, bin ich ziemlich anglophil: Alles von John Irving und Margaret Atwood, die Kurzgeschichten von Alice Munro,

die "Canopus in Argos"-Serie von Doris Lessing, J.K.Rowling - die übrigens auch gute Krimis schreibt, J.R.R.Tolkien, und Biographien über amerikanische Präsidenten.

(Jeder braucht einen kleinen Tick.) Im Krimibereich lese ich gerne Agatha Christie und Elizabeth George.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Lesen, Kino, Fitnessstudio

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Nein. Privat ist privat.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Es ist schon schön, wenn man auf Lesungen oder per E-Mail oder Social Media Lob oder auch Kritik erfährt. Die meisten Leser denken nicht darüber nach, dass man teilweise

jahrelang im stillen Kämmerlein an einem Romanprojekt arbeitet. Allerdings wäre es auch ein wenig viel verlangt, von jedem Leser eine Reaktion zu erwarten. Wenn man ein

Projekt beendet und veröffentlicht hat, muss man loslassen können und sich dem nächsten zuwenden. Was die Öffentlichkeit dann damit macht, liegt nicht mehr in der

Hand des Autoren.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Um ein Zitat von Spock zu verwenden: Live long and prosper!


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