Interview mit Jörg Marenski

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Danke DIR, Bianca, dass du dich für meine Texte interessierst und darüber schreiben willst.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich habe relativ spät damit begonnen, lange komplexe Geschichten zu entwickeln. Also eher ein „Spätberufener“. Aber ich arbeite mit sehr viel Herzblut als Autor und finde darin Erfüllung und Befriedigung. Im Moment sind komödiantische Kriminalromane sehr en vogue, was mir nahezu völlig abgeht. Ich bin als Schriftsteller zuständig für die Wahnsinnigen, die Abgründe, die Irren, das Böse in uns … und das letzte Quäntchen Hoffnung, das uns schlussendlich rettet. 

Seit wann schreibst du? 

Beruflich war das Schreiben viele Jahre Teil meines Jobs. Allerdings gehörte das Lesen bereits seit frühester Kindheit zu meinen Hobbys. Im Zuge einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit habe ich 2008 mit einem Kinderbuch begonnen, dem bald ein zweites folgte. Und meine Krimis geisterten ewig durch meinen Verstand. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ach, liebe Bianca, wenn ich das nur wüsste? Es ist wie mit dem Schreiben der Romane an sich, es war einfach da und wollte raus. Daher gibt es für mich nach einer langen Recherchezeit von bis zu vier Jahren, je nach Thema, trotzdem nur einen sehr dünnen roten Faden. Die Story entwickelt sich erst im Verlauf des Schreibens und es kommt immer mehr „Fleisch an die Knochen“.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Das war ein eher schleichender Prozess. Es gab erste Lesungen im kleinen Kreis, die ersten kleinen Erfolge … und im Gegensatz zum Goethe-Gedicht stammt ein wenig Veranlagung wohl von meinem Vater. Meine Frau sagte mir mal in einer ruhigen Minute: du hast selten etwas mit so viel Energie, Liebe und Nachdruck getan wie das Schreiben. Vermutlich musste alles vorher passieren, um dort anzukommen, wo ich jetzt als Autor stehe.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Zum Einen sind es die beiden Kinderbücher „Wartet mal ab bis ich groß bin“ und „Groß werden ist manchmal schwer“, von denen das erste auch als Hörbuch erschienen ist. Zum Anderen die Krimi-Reihe „Düssel-Krimis“, in der bislang 8 Romane veröffentlicht sind: Rheinblut, Rheinschnee, Rheinfeuer, Rheinliebe, Rheinpänz, Rheinherz, Rheinkastanie, Rheinstadion – einige davon auch als Hörbuch. Kurzgeschichten wurden in den Anthologien „Online ins Jenseits“ und „Die vergessenen 17 Gräber“ verwendet.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Das bleibt nicht aus. Bei aller Fantasie, die man an den Tag legen muss, bedarf es einer guten Recherche, für die ich mir auch Zeit nehme. Ich rede mit Fachleuten, lese viel, besuche viele Archive, unterhalte mich mit Zeitzeugen. Das dauert je nach Thema unterschiedlich lange. Für meinen ersten Krimi RHEINBLUT musste ich vier Jahre in der SM- und der Transgender-Szene recherchieren – aus sicher nachvollziehbaren Gründen. Allerdings gibt es einen Bereich, in dem ich NIE nachforschen werde: die Rockerwelt. Davon bin ich einfach zu weit entfernt und vermute, dass dies auch nicht spurlos an mir vorübergehen würde.

Wo schreibst du am liebsten?

Vorrangig schreibe ich in meiner Wohnung. Wenn mir allerdings mal die Decke auf den Kopf fällt oder mich die tägliche Hausarbeit zu sehr von der Literatur ablenkt, dann verziehe ich mich in das Restaurant „Extratour“ am Rhein, das auch immer wieder in meinen Romanen vorkommt. Dort habe ich eine stille Ecke und kann ungestört schreiben … unter ständiger Versorgung durch die Wirtsleute mit meiner Lieblingsdroge Kaffee.

Einmal pro Jahr verziehe ich mich allerdings für eine Woche nach Friesland, wo ich in der Regel den aktuellen Roman abschließe. Dort finde ich genügend Abstand vom Alltag und habe das Meer um mich herum, was mich immer inspiriert. Außerdem ist das nur knapp 300 km von Düsseldorf entfernt.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Jetzt geht es also ans „Eingemachte“ :) Ich muss zugeben, ich bin ein völlig undisziplinierter Schreiber. Wenn ich von Kollegen/innen lese, die jeden Tag eine bestimmte Stundenzahl in Klausur gehe, werde ich gelb vor Neid. Ich hab’s versucht und bekomme es nicht hin. Ich kann nur an den PC, wenn mein Pegasus wiehert und mich zum Ausritt auffordert. Das führt dann auch schon mal dazu, dass ich 18 Stunden am Stück schreibe – und dafür mit Rückenschmerzen zahle. Aber dann bin ich mitten im sog. Flow und könnte gar nicht aufhören.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Nun, ich arbeite im Moment am neunten Band der Düssel-Krimis – der allerdings eine Art Spin-off ist. Aufgrund der Vorkommnisse in Band 8 entschließen sich meine Ermittler zu einem gemeinsamen Urlaub auf Fehmarn an der Ostsee – und sie geraten mitten in ein Verbrechen, das scheinbar einen politisch-ökologisch motivierten Hintergrund hat. Aber keine Angst, in Band 10 sind die Jungs wieder zurück am Rhein. Fehmarn ist eben nur ein Ort, den ich als zweite Heimat sehe, und so war es nur sachlogisch, dass ich die Insel mal in einem Roman „verwurste“.

Darüber hinaus entsteht zurzeit eine Kurzgeschichtensammlung, die auf Songs eines bekannten deutschen Rockmusikers basieren. Aber davon kann ich jetzt noch nicht mehr erzählen, Premiere hoffentlich in Hamburg :)

Da ich selbst ein Fan von Hörbüchern bin, arbeite ich daran, sukzessive alle meine Krimis als Hörbuch einzulesen. Bislang ist mir das aus Kostengründen nur mit Rheinblut, Rheinfeuer und Rheinliebe gelungen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Da gibt es zwei Namen, die besonders hervorstechen: Erich Kästner und Frederick Forsyth. Die Erzählweise beider Romanciers hat mich beeindruckt und definitiv auch beeinflusst. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Kästners „Als ich ein kleiner Junge war“ und „Die Schule der Diktatoren“ und Forsyths „In Irland gibt es keine Schlangen“. Ach ja, und ein historischer Roman hat es mir sehr angetan: „Das Haupt des Täufers“ von Josef Nyary.

All diese Bücher habe ich mehrfach gelesen – nicht, weil ich sie beim ersten Mal nicht verstanden hätte, sondern um sie wie alte Freunde wieder zu besuchen und von ihnen zu lernen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

2010 hatte ich eine Operation, die eine Katastrophe ausgelöst hat. Seitdem ist mein linkes Bein gelähmt und ich bin durch eine schwere Nervenverletzung morphiumpflichtig. Das schränkt Freizeitmöglichkeiten ein wenig ein, was z.B. Sport angeht. Es ist einfach so, dass ich einfach gerne schreibe und lese. Darüber hinaus gelte ich als ziemlich guter Koch und gestalte kleine Alltagsobjekte aus Strandgutholz, welches ich in meinen Urlauben oder auf Spaziergängen sammle.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich träume von einem Wohnmobil, mit dem meine Frau und ich Europa erkunden wollen, solange es mir gut geht. Und ich hoffe, dass mir noch so viel Zeit bleibt, um in meinem restlichen Leben alle Bücher schreiben zu können, die noch in meinem Kopf rumgeistern – und das sind eine Menge. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Es kommt auf das Feedback an. Völlig klar ist, dass meine Art zu Schreiben nicht jedem gefallen kann und daher ist das auch nicht mein Ziel. Logisch, ich freue mich über Lob, das streichelt das Ego und gibt Energie. Sachliche Kritik in Form von Verbesserungsvorschlägen nehme ich selten an. Arroganz, Hybris? Nein, ganz sicher nicht. Aber die Bücher sind MEINE Bücher, die ich so geschrieben habe, wie ICH sie für gut halte. Ob sie wirklich besser werden, wenn ich die Kritik annehme und umsetze? Dann kommt ein Anderer und fragt, warum ich das nicht SO gemacht habe. Daher … das Feedback mag wohlwollend gemeint sein, aber ich ziehe nur selten Konsequenzen daraus. 

Anders ist es beim Thema Technik etc. Da bin ich wie ein Schwamm und sauge alles an Info auf, was ich bekommen kann.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Vielleicht nur eine Anregung für alle, die in sich den Drang spüren, selber mit dem Schreiben anzufangen: wie vermutlich fast jeder habe ich am Anfang voller Inbrunst nach einem Verlag gesucht. Nach nunmehr 10 Büchern bin ich Selfpublisher aus Überzeugung. Denn was die tradierte Verlagslandschaft abliefert, halte ich für grotesk. Es wird ein mehr oder weniger qualifiziertes Lektorat/Korrektorat geliefert, aber danach ist man auf sich selbst gestellt – wenn man nicht gerade Dan Brown oder J.K. Rowling ist. Werbung oder Beschaffung von Lesungsterminen muss der Autor selber machen oder muss von seiner minimalen Marge auch noch einen Literaturagenten finden und bezahlen. 

Nutzt also die Möglichkeit, die das Internet bietet, selber ein Buch zu veröffentlichen. Ihr werdet Fehler machen, ihr werdet Schwierigkeiten haben … aber ihr werdet daran wachsen und besser werden. Das haben die großen Verlage inzwischen erkannt und biedern sich bei erfolgreichen Selfpublishern mittlerweile an.

Ihr ahnt nicht, welch ein Gefühl es ist, das erste eigene Buch in den Händen zu halten und daraus vorzulesen … gönnt euch dieses Gefühl, es kann süchtig machen.


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Kommentare: 1
  • #1

    Eva (Donnerstag, 13 April 2017 17:17)

    Ein tolles Interview!
    Ich bin ein Fan von Jörg Marenskis Düsselkrimis.
    Habe sie alle 8 gelesen und freue mich jetzt schon auf Band 9.
    Hoffe, er kommt noch dieses Jahr.
    Ist die ideale Urlaubslektüre,
    für jeden der Krimis mag,
    bei denen man dem Plot folgen kann,
    ohne sich das Hirn zu verrenken.
    oder zwischendurch Notizen zu machen.