Interview mit Jan P. Zille

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Hallo und danke für die willkommene Gelegenheit, mich deinem blutrünstigen Lesepublikum auszuliefern!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich wurde 2012 als Pseudonym aus dem Boden gestampft, habe also noch keine 5 Jahre auf dem Buckel. Für mein zartes Autorenalter sehe ich schon sehr verbraucht aus, muss ich oft hören. Zudem habe ich nur Übles im Sinn.

Seit wann schreibst du? 

Seit ich denken kann. Seit 2012. Ich wurde exklusiv fürs Schreiben in die Welt gesetzt.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich wurde dazu gezwungen. Es ist eine Qual. Wenn ich nicht mehr schreibe, werde ich kurzerhand abgeschafft. Prompt liquidiert. Das wird mir bei jeder Gelegenheit zu verstehen gegeben.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Ich wollte nie Autor werden. Es gäbe doch viel erfüllendere und beglückendere Beschäftigungen! Diese Freuden werden mir wohl für immer verwehrt bleiben.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Das Stück Haus und Hof, die Erzählung S. ohne Su, die beiden Kurzkrimis Messer und Herz, Sprudel und Puste, sowie den Roman Vier und 30.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Einmal weniger, das andere Mal etwas mehr. Bin eher sparsam im Umgang mit Recherche. Wenn ich z.B. über einen Selbstmord per Exit Bag schreibe, informiere ich mich, ob ein Zuviel an Sauerstoff in der Gasflasche das Vorhaben Suizid zunichtemachen könnte. 

Aber ich versuche, die Recherche an der kürzestmöglichen Leine zu halten. Ich schreibe keine Krimis mit DNA-Analyse und minutiöser Alibierhebung oder detaillierter Tätersuche, auch keinen Technologiethriller oder so was. 

Ich lasse meine Helden über die Frühlingswiese laufen. Wer dabei stolpert und sich die Stirne an einem Stein aufschlägt, kann im nächsten Augenblick tot sein. Dafür ist zum Glück nicht viel Recherche notwendig. Das geht von selbst. Ich mag es lieber so.

Wo schreibst du am liebsten?

Die Notizen schreibe ich in der Küche mit Fineliner auf die Oberschränke, den Kühlschrank oder die Türe zum Vorraum. Oder ich kritzel beim Autofahren mit Bleistiftstummel ins DIN A6-Notizbuch. Selten auch Sprachmemo auf Smartphone. Der Haupttext wird dann am Tisch in die Computertastatur getippt. 

Ich hätte immer gerne beschriebenes Papier in der Hand – an jedem Ort – alles jederzeit auf Papier abrufbar. Aber das geht leider nicht. Es ist ein ungelöstes methodisches Problem. Papier ist unschlagbar. Man kann 100 Stück davon gleichzeitig in er Hand halten, alles federleicht und überschaubar. 100 Monitore oder Tablets performen dagegen ziemlich vorsintflutlich in Sachen Benutzerfreundlichkeit. Das Programm Scrivener ist in dieser Hinsicht sehr zweckdienlich. Nichts kommt an Papier heran, aber Scrivener gibt sich viel Mühe dabei.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nur wenn ich etwas über etliche Wochen regelmäßig niederschreiben möchte, nehme ich mir ein lockeres Tagespensum vor (erst den Vortagestext pimpen, dann schreiben, dann für den nächsten Tag planen). Dieses Pensum ist mini, denn ich schreibe langsam. Der französische Autor Djian hat vor Jahren erwähnt, dass er täglich nur 4.500 Zeichen schreibe. Er meinte, dass er es damit ähnlich handhabe wie Hemingway.

Schon diese 4.500 Anschläge pro Kalendertag sind mir zu viel. Aber es ist beruhigend zu lesen, dass nicht jeder Buchautor tagtäglich 100 Seiten in seine Tasten klimpert, Tag für Tag haarscharf am eigenen Hirnkollaps vorbei, damit das fertige Werk nur ja nicht weniger als 1.500 Druckseiten hat.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja. Ein Schriftsteller verliert seine Frau und bekommt Besuch von einer Stubenfliege.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Weiß ich gar nicht. Vielleicht Jack Ketchum oder Michel Houellebecq.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Ich werde auch zum Lesen gezwungen, nicht nur zum Schreiben. Daher kommt es wohl, dass die meisten meiner Lieblingsbücher in gewisser Weise Horrorgeschichten sind. Obwohl sie nicht als solche ausgewiesen sind. Zum Beispiel Hans im Glück von den Gebrüdern Grimm, Winnetou I von Karl May, Sebastian im Traum von Georg Trakl, Hirn von Rainald Goetz, Endspiel von Samuel Beckett, Malina von Ingeborg Bachmann, Betty Blue von Philippe Djian, Gehen von Thomas Bernhard, Hunger von Knut Hamsun, Eine Reise nach Klagenfurt von Uwe Johnson, Hochzeit des Lichts von Albert Camus, Eine Zeit in der Hölle von Arthur Rimbaud, Schuld und Sühne von Fjodor Dostojewski, Soziologische Aufklärung 5 von Niklas Luhmann, Karte und Gebiet von Michel Houellebecq.

Autoren: Niklas Luhmann, Georg Trakl, Michel Houellebecq.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Sowie ich aufhöre zu schreiben, laufe ich Gefahr, eliminiert zu werden. Freizeit ist also ein heikles Thema. Freizeit ist bei mir, wenn ich mir viel Zeit mit dem Schreiben lasse. In dieser freien Zeit schalte ich mich gerne auf Off und schaue beim Fenster raus, in den Himmel.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich möchte einmal nicht mehr schreiben müssen, ohne deshalb gleich ganz von der Bildfläche zu verschwinden. Wenn das nicht geht, wünsche ich mir einmal zu entwischen, nachts ans Meer zu fahren und für immer im Wasser zu verschwinden.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Ziemlich wichtig. Positives Feedback macht automatisch gute Laune. Aber auch erboste, empörte Rückmeldungen können Spaß machen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Gerne, ich danke für die nette Einladung zum Interview. 

Ich freue mich über Testleser/innen, die sich per janpzille(at)gmx(dot)at melden.


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