Interview mit Meinrad Braun

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich komme aus dem Umkreis von Ulm, habe in Freiburg studiert. Inzwischen lebe ich in Mannheim, die Stadt ist längst mein Zuhause geworden. Im nahegelegenen Bad Dürkheim habe ich meine ärztliche Praxis, aber ich mag es, in der Großstadt zu leben. Neben dem Schreiben und meiner beruflichen Tätigkeit interessiere ich mich für Handwerk, für Materialien. Ich habe eine Schmiede und gebe in der hiesigen Freizeitschule Schmiedekurse, ich restauriere gern Antiquitäten, wo ich dazu in der Lage bin. Zu Hause habe ich eine kleine Metallwerkstatt. Es gibt also immer etwas zu tun.

Seit wann schreibst du? 

Seit der Grundschule, aber im Ernst: Ich habe immer geschrieben mit dem Ziel, mir dabei etwas vorstellen zu können, so wie ich in derselben Haltung auch gezeichnet habe. Ich habe früh bemerkt, dass man beim Schreiben sein Erleben erweitern kann. So gerne ich lese, noch lieber schreibe ich.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich habe mich während meiner "Elternzeit" das ist nun eine Weile her, an der ersten größeren Form, also an einem Buch, versucht. Vorher waren es Gedichte, Kurzgeschichten oder mal ein Artikel für eine Zeitung. Eines meiner Manuskripte wurde von einem Verlag akzeptiert und der erste Roman "Winterreise" erschien 2006 bei Axel Dielmann in Frankfurt a. M.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Ich weiß nicht, ob ich ein Autor bin. Das wissen vielleicht eher die Leute, die meine Bücher verlegen oder lesen. Es gab auch keinen Zeitpunkt, von dem an ich wusste, dass ich ein Autor werden will. Wenn man mich fragen würde, würde ich wohl antworten: Ja, wahrscheinlich bin ich das auch, ein Autor. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Casa dei Nani", Erzählung mit Originalgrafiken von Günther Wilhelm, erschienen 2005 bei Swato Zapletal in Prag.

"Winterreise", Roman, erschienen 2006 im Axel Dielmann Verlag Frankfurt.

Im Emons Verlag Köln sind erschienen: Die Kriminalromane "Das Schwedengrab" (2007), "Fürchten lernen" (ebenfalls 2007), "Fliegende Fische" (2008) und "Fließende Welt" (2009).

Im Lux-Verlag Ludwigshafen sind (gefördert vom Kulturamt Mannheim) erschienen: "Die künstliche Demoiselle" (2008), "Indisches Tagebuch" (2009), "Die traurige Geschichte vom Glück der Alexina Barbin" (20119.

Der Roman "Gabun" erschien 2013 im Emons-Verlag Köln.

Die Erzählung "Die Insel hinter dem Meer" erschien 2013 im Wellhöfer Verlag, Edition Andiamo, Mannheim

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Zum Teil habe ich ziemlich umfangreiche Recherchen angestellt. Vor allem für die historischen Erzählungen und Romane, also für "Winterreise" (spielt in den Fünfzigern), für "Die künstliche Demoiselle" (spielt in der Umgebung von Giacomo Casanova) und für "Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren in die Neue Welt" (spielt um 1700 in Südamerika und erscheint im August 2017). Für diesen neuen historischen Roman habe ich viel recherchiert, die Verhältnisse in den Niederlanden und vor Ort im heutigen Venezuela und in Surinam waren ziemlich kompliziert. Es war jedenfalls ein zusätzliches Vergnügen, die Quellen zu suchen und auszuwerten. Ich habe einiges dabei gelernt.

Wo schreibst du am liebsten?

Gern am Küchentisch, wenn niemand im Haus ist. Da ich viele Interessen habe, kann ich es mir nicht erlauben, besondere Rituale zu pflegen. Wenn ich an einem Projekt arbeite, fange ich an, sobald es wieder geht. Ich muss allerdings allein sein, eine Ausnahme ist Reisen im Zug. Dort kann ich gut schreiben, obwohl viele Leute um mich sind.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich lese die letzten zehn Zeilen, die schon da stehen, dann gelingt es mir ganz gut, in den Zustand zu kommen, in dem ich weiter schreiben kann.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja. Dieses Jahr im August erscheint "Die abenteuerliche Reise des Pieter van Ackeren in die Neue Welt", wieder beim Emons in Köln. Ein historischer Roman von 600 Seiten, der in den ehemaligen Kolonien der Niederlande spielt, in Suriname und in anderen Teilen Südamerikas, zu einem großen Teil auch auf See. Der Text ist eben fertig geworden, das Buch ist nun im Entstehen. Ich glaube, dass die Erzählung sehr spannend und lebendig geworden ist. Mir gefällt sie jedenfalls. Ich freue mich auf das Buch.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Viele. Ich bewundere manche Autoren, meistens Klassiker (wie Dickens, Flaubert, Melville, Tschechow, Hemimngway, Jahnn, Updike oder Rilke und Bachmann als Lyriker) für ihr handwerkliches Können und ihre Fähigkeit, Atmosphäre zu erzeugen. Solche Bücher und Texte haben etwas Bleibendes. Ich kann immer wieder darin lesen, es ist wie Musik hören. Ich lese auch mal Steven King oder Philipp Dick, zuletzt habe ich Garry Disher und Denis Johnson gelesen, die fand ich beide gut.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Die fünf, die ich aus den Flammen retten würde:

"Madame Bovary" von Flaubert, "Moby Dick" von Melville, den ganzen Romanzyklus "Fluss ohne Ufer" von Hans Henny Jahr, die "Strudelhofstiege" von Heimito von Doderer und die Erzählungen von Anton Tschechow, aber das könnte sich auch wieder ändern.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Handwerk. Ich habe eine Schmiede und wir haben ein großes Gartengrundstück, auf dem man die Wildnis nur eben so eindämmen kann. Ich fahre auch gern Fahrrad, mag Wandern, draußen sein. Lesen natürlich. Um es so auszudrücken: zwischen Arbeit und Freizeit ist für mich kein so großer Unterschied, da ich selbstständig bin und mir meine Zeit gut einteilen kann. Wenn ich schreibe, ist das auch Freizeit.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich würde gern auf einem Traditionssegler einen langen Hochseetörn machen, zum Beispiel eine Atlantiküberquerung oder einen Südsee-Trip.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig. Ich freue mich, wenn sich bei Lesungen jemand äußert. Ich freue mich auch, wenn mir jemand schreibt, der ein Buch von mir gelesen hat. Immer wieder werde ich davon überrascht, dass etwas, was ich geschrieben habe, bei anderen entweder genau so ankommt, wie ich es selbst erlebe oder auch ganz anders, das kommt natürlich auch vor und fasziniert mich. Ich bin davon überzeugt, dass Texte ein Eigenleben führen und sich ihre Leser aussuchen, obwohl man es natürlich umgekehrt wahrnimmt.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Es ehrt mich, gelesen zu werden und ich hoffe darauf, dass das noch oft geschieht. 


Kommentar schreiben

Kommentare: 0