Interview mit Mara Laue

© Fotostudio Peschge

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Gerne! Schieß los!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Okay, „kurz“: Ich wurde 1958 in Braunschweig geboren, lebe seit 25 Jahren am Niederrhein und bin mit einem wunderbaren Mann verheiratet, subjektiv dem Besten der Welt. Nach einer beruflichen Odyssee mit vier abgeschlossenen (!) Ausbildungen zunächst als Bauzeichnerin, danach EDV-Fachfrau, Fremdsprachensekretärin und Buchhalterin – fünf, wenn ich den Anlernberuf der Blindenführhundausbilderin mitrechne – bin ich seit 2005 Berufsschriftstellerin mit dem Schreiben und allem, was dazugehört (Lesungen, Schreibkurse), als Brotberuf. Im Nebenjob arbeite ich als Künstlerin und Fotokünstlerin, wenn ich mal Zeit dazu habe.

Seit wann schreibst du?

Mit zwölf habe ich meine erste Geschichte geschrieben, eine Pferdegeschichte, in der ein Mädchen im Wilden Westen Abenteuer mit einer Wildpferdstute erlebt. Seitdem kann ich nicht mehr aufhören. Schreiben ist seit jenem Tag meine große Leidenschaft.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Lange Geschichte. Schuld waren die Geschlechterklischees in den Kinderbüchern, die in meiner Kindheit und Jugend noch intensiver existierten als heute. Die Jungs erlebten die spannenden Abenteuer, die Mädchen waren die feigen, dauerheulenden Memmen, die sich vor ihrem eigenen Schatten fürchteten und beim Anblick einer Spinne oder Maus Kreischanfälle bekamen. In den Büchern fand ich keine positiven Identifikationsfiguren. Pippi Langstrumpf war eine unrealistische Fantasiefigur, Ronja Räubertochter, die Rote Zora und Momo gab es damals noch nicht und alle Mädchen und Frauen in den Büchern entsprachen in keiner Weise den „gestandenen Weibsbildern“ meiner Familie. Ich wollte jedenfalls Abenteuer lesen, die Mädchen erleben. Weil es die aber in keinem Buch gab, habe ich angefangen, eigene Geschichten zu schreiben, in denen die Mädchen die abenteuernden Heldinnen sind.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Ganz genau kann ich das nicht mehr sagen, aber ich glaube, das war in dem Moment, als ich mit achtzehn Jahren meinen ersten vollständigen Roman geschrieben hatte, den Krimi „Die dritte Seite“. Er war auch das erste Buch, das über dreißig Jahre später als erstes von mir veröffentlicht wurde und im nächsten Jahr eine überarbeitete Neuauflage erlebt. Einen ganzen Roman geschrieben zu haben, war so ein tolles Gefühl, dass ich davon mehr wollte. Ich glaube, dass da der Traum keimte, eines Tages Berufsschriftstellerin zu sein.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Oh je! Die alle aufzuzählen, gäbe eine lange Liste. Inzwischen sind es über fünfzig, wenn ich die acht Romane mitzähle, an denen ich als Co-Autorin mitgeschrieben habe. Wenn ich die Heftromane und reinen E-Book-Romane dazurechne, sind es über hundert. Ich schreibe in fast allen Genres: Science Fiction, Fantasy, Krimis, Okkult-Krimis – mein Lieblingsgenre – Liebesromane, Lyrik, Theaterstücke und ab und zu einen Western. Im letzten Jahr kam ein Märchenbuch für Kinder heraus und dieses Jahr gibt es neben zwei Krimis und ein paar SF-E-Books einen Jugendfantasyroman und die sechste erweiterte Neuauflage meines Schreibratgebers „Von der Idee zum fertigen Text“. Ich sag ja: Schreiben ist meine Leidenschaft. Nach meinem Mann!

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Immer! Ich sehe uns Autorinnen und Autoren in der Pflicht, dass wir dort, wo wir Bezug auf die Realität nehmen – z. B. in Sachen Polizeiarbeit, aber auch bei allem anderen –, auch die Realität korrekt beschreiben. Für meine Krimis hole ich mir immer Rat bei meinen „Informanten“ bei der Kripo in den verschiedenen Städten, wo meine Romane spielen. Aus meinem Kontakt zum Mannheimer „Informanten“ ist inzwischen eine persönliche Freundschaft entstanden und der in Duisburg liest immer meine Duisburg-Krimis hinsichtlich der beschriebenen Polizeiarbeit vorab Korrektur. Für psychologische Zusammenhänge und authentische Verhaltensweisen meiner Helden und ihrer Gegenspieler löchere ich immer einen Psychiater aus meinem Bekanntenkreis. Meine Leser können sich also darauf verlassen, dass die Dinge, die ich (be)schreibe, sachlich korrekt und realistisch sind. Auch wenn sie manchem mangels eigener Erfahrung manchmal nicht so erscheinen.

Man muss als Autorin berücksichtigen, dass es unter den Lesern ersten immer jemanden gibt, der den wahren Sachverhalt kennt und genau weiß, ob man die „Wahrheit gesagt“ oder einfach etwas erfunden hat. Und es gibt zweitens leider allzu viele Menschen, die jedes gedruckte Wort und alles, was sie im Fernsehen sehen, für bare Münze nehmen. Wenn sich die Autoren dann „dichterischer Freiheit“ erlauben, kann das in der Realität tödliche Auswirkungen haben.

Einer meiner Kripo-Informanten berichtete mir von einem Fall, bei dem ein bewaffneter Kaufhausräuber versuchte, sich seinen Weg in die Freiheit zu erpressen, indem er einer Verkäuferin die Pistole an den Kopf hielt und drohte, sie zu erschießen, wenn die Polizei nicht die Waffen weglegte und ihn gehen ließe. Tat die Polizei natürlich nicht, weil das die Verhaltensvorschrift in solchen Situationen strikt verbietet. Da geriet der Räuber in Panik und schimpfte: „Wieso legt ihr denn die Waffen nicht weg? Im Fernsehen tun die Bullen das doch immer! Scheiße, was mache ich denn jetzt?“ Das war für die Geisel eine brandgefährliche Situation, die nur dadurch entstanden war, weil im Fernsehen und auch in allzu vielen Romanen in solchen Situationen eben nicht die reale Reaktion der Polizisten porträtiert wird, sondern eine vorschriftswidrige Fantasie. Ohne die wäre der Räuber angesichts der ihn umstellenden Polizei nie auf den Gedanken gekommen, die Verkäuferin zu bedrohen, weil er gewusst hätte, dass das keinen Sinn hat. Zum Glück ging die Sache für die Geisel gut aus.

Immer öfter beklagen auch Rettungskräfte, dass bei Autounfällen sich niemand mehr traut, den Verunglückten zu helfen und sie z. B. aus dem Wrack zu befreien, weil in einer gewissen Fernsehserie die Autos immer schön realitätswidrig beim geringsten Aufprall explodieren und die Leute Angst haben, sie könnten jeden Moment in die Luft fliegen, wenn sie sich dem Auto nähern.

Ich wiederhole: Wir schulden unseren Lesern sachliche Korrektheit. Notfalls müssen wir, um die zu erreichen, dann eben unseren Plot ändern und ihn der Realität anpassen, aber niemals umgekehrt.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Arbeitszimmer. Da habe ich nicht nur meine vollausgestattete PC-Station mit Druckern, Scannern und was man sonst noch braucht, sondern auch alle Fachbücher, die ich häufig benutze, in Griffweite. Außerdem liegt das Zimmer abgeschieden im hintersten Hauswinkel und garantiert ungestörtes Arbeiten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Jedenfalls würde ich meine festen Arbeitszeiten nicht als Ritual bezeichnen. Morgens nach dem Frühstück und der Zeitungslektüre geht es los bis zum Mittagessen. Nach der Mittagspause und dem Sportprogramm geht es weiter bis zum Abendessen und nach dem gemütlichen Relaxen danach und dem einen oder anderen Filmchen sitze ich spätestens um zehn Uhr abends wieder am PC für meinen Hauptarbeitsblock, der meistens bis drei Uhr morgens geht. Ich bin ein typischer Nachtmensch und laufe abends erst zur Höchstform auf. Alles in allem habe ich aber einen ganz normalen acht- bis neunstündigen Arbeitstag. Mit dem Unterschied, dass ich auch an den Wochenenden arbeite. Ein Tag ohne Schreiben – dann fehlt mir was.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Mehrere. Zu den oben schon genannten, die fertig oder fast fertig im Verlag liegen und ihrer Buchwerdung noch in diesem Jahr harren, habe ich einen Okkult-Krimi in Arbeit („Sukkubus – Das Hexenherz“), einen Thriller („Mortiferus“), einen Liebesroman („Schattenspiel des Glücks“) und den letzten Teil meiner Rowan-Lockhart-Schottland-Krimis („Rosebank Rock“). Nebenbei schreibe ich an zwei neuen Schreibratgebern, einen über die Kunst der Kurzgeschichte und einen über „Spannung – zart kribbelnd bis mörderisch“. Wenn nichts dazwischenkommt, erscheinen alle im nächsten Jahr. Und in diesem Jahr kommt noch mindestens ein Roman meiner SF-Serie „Mission Phoenix“ heraus.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nicht, dass ich einen nennen könnte. Dazu habe ich zu viele durch „zu viele“ Genres gelesen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich mag die sehr authentischen Ethno-Krimis von Tony Hillerman, die Fantasyromane von Mercedes Lackey und Marion Zimmer Bradley und die wunderbaren und ebenfalls sehr authentischen historischen Indianerromane meiner Kollegin Kerstin Groeper. Die sind sehr lesenswert.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit? Welche Freizeit? – Ach so: FREIzeit. (lacht) Also, wenn ich sie mal habe und sie nicht aus Gesundheitsgründen mit Sport ausfüllen muss (Bewegung gehört zur „artgerechten Menschenhaltung“ unabdingbar dazu und ich muss mich schon aufgrund meiner Behinderung regelmäßig bewegen), lese ich viel, male und fotografiere, mache Musik und sehe auch gern fern, wenn es gute Filme gibt.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Also, mein Traum, dass wenigstens ein Buch von mir mal veröffentlicht wird, hat sich inzwischen zig-fach erfüllt. Mein Traum, dass mindestens einmal Bilder von mir in einer Ausstellung hängen, ging inzwischen dreimal in Erfüllung. Der gegenwärtig einzig noch offene Traum ist, einmal einen Bestseller zu schreiben. Ich tue mein Bestes dafür! Und wenn ich den erfüllt habe, suche ich mir einen neuen Traum. Denn was wäre das Leben ohne Träume?

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig! Auch wenn sie sich negativ zu meinen Werken äußern, kann ich etwas daraus lernen. Vorausgesetzt, die Kritik wird sachlich vorgebracht. Unqualifizierte Rundumschläge à la „Mit dem unsäglichen Machwerk können Sie niemanden vom Hocker hauen!“ nehme ich nicht ernst. Auf diesen authentischen, bei einer Lesung vorgebrachten Anwurf habe ich dem Anwerfer geantwortet: „Sie haben recht. Es ist ein Machwerk, denn der Verlag und ich haben es gemacht, also hergestellt. Und ich haue damit ganz bestimmt niemandem vom Hocker oder überhaupt, denn ich schlage doch nicht meine Leser!“ Auf meine Rückfrage, was genau ihm denn an meinem Buch nicht gefallen habe, blieb er mir die Antwort schuldig.

Gerade bei meinem Schreibratgeber hat mir das Feedback der Leser, die hauptsächlich aus meinen Schreibkursen kamen, sehr geholfen, ihn immer weiter zu verbessern, weil sie mich auf Dinge aufmerksam gemacht haben, wo ich mich missverständlich ausgedrückt hatte oder wo ihnen Informationen oder Themen fehlten.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich schreibe, um meine Leser zu unterhalten und ihnen möglichst schöne, kurzweilige Stunden zu schenken und hoffe, dass mir das auch weiterhin gelingt.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0