Interview mit Oliver Kern

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich komme gerade von einer zweiwöchigen Reise zurück, die mich durch den Nordwesten Spaniens bis nach Portugal geführt hat. Ich liebe die iberische Halbinsel, was auch der Grund war, meine Krimireihe in Lissabon spielen zu lassen, die meine absolute Lieblingsstadt ist. Wobei ich Porto ebenso faszinierend finde, wie ich jetzt feststellen durfte. Wenn ich nicht unterwegs bin, lebe ich mit meiner Familie in der Nähe von Stuttgart, wo ich auch arbeite, wenn ich nicht Schriftsteller bin. Aufgewachsen bin ich im Bayerischen Wald, was mich gewiss sehr geprägt hat und meiner Fantasie durchaus sehr förderlich war. Nach ein bisschen hin und her ist es mir gelungen, in einem kreativen Beruf als Grafiker Fuß zu fassen und dann kam noch das Schreiben dazu, was mich nun immer mehr in Anspruch nimmt. Kurz gesagt, ich habe das große Glück das tun zu können, was ich wirklich tun möchte.

Seit wann schreibst du?

Mein erstes Buch habe ich vor rund 15 Jahren geschrieben. Das Manuskript liegt jedoch immer noch in der digitalen Schublade. Ein richtiges Buch zum Anfassen und drin blättern wurde aus meinem dritten Manuskript, so gesehen habe ich etwas Anlauf gebraucht. Aber für einen Autodidakten, was das Schreiben angeht, ist das wahrscheinlich der normale Verlauf, dass man erst ein wenig Üben muss.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich habe immer schon viel gelesen und dadurch irgendwann Lust bekommen, selbst etwas zu schreiben. Wobei ich genau genommen mit Bildergeschichten begonnen habe, früher also Comics gezeichnet habe, wofür ich mir natürlich auch die Story ausdenken musste. Geschichten auszudenken ist mir immer leichtgefallen und das klappt nach wie vor ganz gut.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Als mir eine gänzlich unvoreingenommene Person (der selbst erfolgreiche Autor und Schreiblehrer Rainer Wekwerth, der mittlerweile auch ein sehr guter Freund geworden ist) sagte, er könnte mir hinsichtlich des Schreibens nichts mehr beibringen, wusste ich, dass ich tatsächlich Schriftsteller werden kann.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Steinernen Drachen, 2007 (mittlerweile als ebook im Eigenverlag auf Amazon)

Das Gewicht der Seele, im Sieben Verlag, 2009

Chocolat Rouge, bei Neobooks, 2011 (mittlerweile als ebook im Eigenverlag auf Amazon)

Die Kälte in dir, bei Egmont LYX, 2013

Geist des Bösen, bei Egmont LYX, 2014

Die Spur der Tränen, im Sieben Verlag 2015

Portugiesisches Erbe, bei Heyne, 2016

Portugiesische Rache, bei Heyne, Mai 2017

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Das Internet ist eine große Hilfe, wenn es um Recherchen geht. Aber es kann die Erlebnisse und Empfindungen vor Ort niemals ersetzen. Am Beispiel meiner Lissabon-Krimis muss ich deutlich sagen, hätte ich Lissabon nicht selbst so intensiv gespürt, hätte ich nicht so darüber schreiben können. In ein paar Tage geht es auch wieder hin, um mir neue Eindrücke und Inspiration für Band 3 zu holen.

Wo schreibst du am liebsten?

Da ich ja immer noch einen Brotjob habe, der mich 8 Stunden auslastet, darf ich nicht wählerisch sein, was meine Schreibzeit angeht. So gesehen schreibe ich immer dann, wenn es zeitlich gerade passt, unabhängig davon, wo ich mich befinden. Beispielsweise morgens in der S-Bahn auf dem Weg ins Büro. Aber wenn es das Wetter zulässt, schreibe ich sehr gerne bei mir im Garten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Für Rituale bleibt wie oben beschrieben eigentlich keine Zeit. Das klingt jetzt schon beinahe so, als wäre ich ein Getriebener, was das Schreiben angeht. Aber so ist das absolut nicht. Schreiben ist auch ohne Rituale und ggf. ohne wenig Zeit meine große Leidenschaft.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja. Und ich freue mich sehr darauf. Heyne startet neben meiner Lissabon-Krimireihe ab nächstes Jahr eine zweite Krimiserie, die in meiner Niederbayerischen Heimat spielt. Außerdem geht es mit Lissabon weiter, Band 4 und 5 sind in Vorbereitung.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Als Jugendlicher habe ich alles von Steven King gelesen, was ich in die Finger bekam. Seine Weise zu erzählen hat mich Gewiss beeinflusst. Später kamen den noch andere dazu, Umberto Eco und sein „Foucaultsches Pendel“ hat mich irgendwie elektrisiert, auch wenn es unheimlich schwer zu lesen war. Und Andreas Eschbach mit seinen ungewöhnlichen Ideen. Was Krimis anging habe ich sehr schnell Freude an Håkan Nesser gefunden, für mich einer der begnadetsten Erzähler.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Wie schon erwähnt, Håkan Nesser. Was Thriller angeht, Jean Christoph Grange. Ich liebe aber auch die spanischen Erzählkünstler Albert Sánchez Piñol und Carlos Ruiz Zafón. Es gibt wirklich viele Bücher, die ich liebe, aber wenn ich hier und jetzt eine Empfehlung abgeben muss, dann fällt meine Wahl auf „Im Rauch der Stille“, von Piñol.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Reisen, reisen, reisen und natürlich schreiben und lesen. Ansonsten bin ich gerne draußen, in den Bergen, am Meer, im Wald, wenn ich die Stille suche, aber auch in Städten, unter Menschen, um zu beobachten und mich am Leben zu erfreuen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Was das berufliche angeht, möchte ich allen vorn nur noch Schriftsteller sein und vom Schreiben leben können. Diese Unabhängigkeit würde dann auch den nächsten Wunsch erfüllen, um (eine Weile) in Portugal zu leben. Oder auch einfach nur dort, wo es mir für die jeweilige Lebensphase oder Schaffensperiode gefällt. Und selbstverständlich, dass viele, viele Menschen auch weiterhin meine Bücher lesen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Dafür bin ich immer dankbar, auch was Kritik angeht, sofern sie konstruktiv und nachvollziehbar ist. Schreiben ist ein Lernprozess und nur so kann ich mich weiter verbessern. Was immer sehr schön ist, wenn Leser mich, z. B. auf der Buchmesse und natürlich bei den Lesungen persönlich ansprechen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Lieben Dank für die Fragen und dass ich und meine Bücher auf Deinem Blog ein Beitrag sein dürfen. Und was meine Leser angeht, so hoffe ich, dass ich Euch weiterhin anregend unterhalten kann.


Kommentar schreiben

Kommentare: 0