Interview mit Martin Schüller

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Keine Ursache, mach ich immer gern. Es ist schön, diese Gelegenheit zu bekommen, mit dir und den Lesern in Kontakt zu treten.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Männlich, jenseits Mitte Fünfzig, Nichtraucher, Gerne-Trinker, Langschläfer, Kunstsammler, glücklich verheiratet, Kinder- und Haustierlos. Eigentlich Musiker, deswegen zu Hause öfter mit der Gitarre in der Hand als vor dem PC. Koche nicht oft, aber wenn, dann gut und originell - sagt meine Frau. 

Seit wann schreibst du? 

Romane seit 1999, vorher ein paar Jahre lang Kolumnen für die Kölner Stadtrevue.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Damals war ich noch Taxifahrer, und mein "Wohnzimmer" befand sich in einer echten Jazzkneipe, die so konsequent war, auf einen CD-Spieler zu verzichten, das heißt, Musik gab es nur Live oder tatsächlich noch vom Plattenspieler - erst die eine Seite der LP, dann die andere. Da hingen natürlich viele beinharte Jazzfans rum, Typ Pfeife rauchender Breitcordträger. Da waren einige drunter, die den Eindruck erweckten, im Zweifelsfall für ihre Musik zum Mörder zu werden. So kam mir die Idee zu meinem Erstling "Jazz", in dem es um ein Saxofon geht, das einmal Charlie Parker gehört hat. Ein halbes Jahr hab ich das mit mir rumgetragen (die Idee, nicht das Sax), bis ich die Angst vor der langen Form überwunden hatte. Und dann war ich auf einmal Schriftsteller.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Gute Frage. "Gewollt" hab ich das eigentlich nie. Das ist mehr so passiert. Wie gesagt, eigentlich bin ich Musiker.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Insgesamt 10 Romane bei Emons. Anfangs Köln-Krimis, dann Düsseldorf- , Elvis- und zuletzt Garmisch-Partenkirchen-Krimis, (alle zu finden auf schuellerschreibt.de). Nach Oberbayern bin ich eher zufällig geraten, aber mein dortiger Kommissar Schwemmer hat sich mit mittlerweile fünf Bänden eine treue Fangemeinde erarbeitet, auch wenn er zuletzt mehr und mehr hadert mit seinem Polizistendasein, und es mittlerweile sogar drangegeben hat.

Außerdem habe ich vier Hörspiele für den WDR geschrieben, darunter Adaptionen meiner Romane "Jazz"  und "Verdammt lang tot". Besonders letzteres hat mir in der Umsetzung sehr gefallen, mit Dietmar Bär in der Hauptrolle. 

Dann gab es noch einige "Novellisierungen" von existierenden Tatort-Filmen - das heißt die Drehbücher (z.B. von Friedrich Ani), wurden in Buchform gebracht. Erschienen ebenfalls bei Emons. 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Wenn man in Köln lebt und Oberbayern-Krimis schreibt, bleibt einem wenig anderes übrig. Das ist dann mit meist recht angenehmen Arbeitsreisen verbunden. Ist ja sehr schön da.

Die intensivste Recherche war die für meinen Elvis-Krimi "KING". Der spielt 1959 als Elvis während seiner Militärzeit in Bad Nauheim gelebt hat. Ich musste nicht nur die Elvis-Geschichten recherchieren, sondern die ganze Epoche. Das war sehr spannend, auch wegen der vielen Zeitzeugeninterviews. Die Story ist ja nur ein Jahr vor meiner Geburt angesiedelt, aber am Ende hatte ich das Gefühl, dass sie auch auf einem anderen Planeten hätte spielen können. Ich habe im Auftrag einer Filmproduktion auch ein Drehbuch davon geschrieben, dessen Verfilmung aber noch aussteht.

(Es ist übrigens ein angenehmes Erzählen, wenn die Personen im Buch keine Handys haben. Der Streifenwagen in Bad Nauheim hatte noch nicht mal Funk. Man kann den Personen einfach mehr Zeit zum Handeln und Entscheiden geben. Aber das nur am Rande.)

Wo schreibst du am liebsten?

An meinem Schreibtisch mit Blick hinunter auf Straße und Bäume. Ich brauche eine Balance zwischen Ruhe und kleinen Ablenkungen, an denen sich die Ideen festhaken können. Es gelangen immer wieder Menschen, Tiere, Sensationen direkt von der Straße in meine Bücher - selten prägend, mehr als lebendige Details.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Kaffee machen, hinsetzen, anfangen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Kann sein, dass der Ex-Kommissar Schwemmer Oberbayern für ein Buch mal verlässt und segeln geht, so richtig weit weg. Ich hab mich aber noch nicht getraut, das meinem Verleger zu erzählen. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Ich denke, jede Zeile, die ich meinem Leben gelesen habe, hat mich beeinflusst  - und sei es, weil ich es anders gemacht hätte. Aber wenn ich einen Autor von Kriminalromanen benennen soll, wär es wohl Elmore Leonard. Vor allem seine Dialoge schätze ich.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

In den letzten Jahren lese ich verstärkt Klassiker, quer durch Epochen und Länder, zur Zeit Virginia Woolf. Sehr beeindruckt haben mich zuletzt "Der Leopard" von Tomasi de Lampedusa (erstaunlicherweise sein einziges Buch), und Franz Werfels "Die 40 Tage des Musa Dagh".

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Tja, was ist Freizeit? Die Zeit, in der ich nicht schreibe oder Musik mache? Ich gehe gern Kunst gucken, in Galerien, auf Messen und auch Auktionen - das ist meist anstrengender als arbeiten ... 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Irgendwann möchte ich mal mit einer richtigen, sechzehnköpfigen Bigband auftreten. Dafür müsste ich aber vorher mehr als ein Buch in der Bestsellerliste unterbringen. Oder im Lotto gewinnen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr. Sie leben ja in der Gesellschaft, in der meine Geschichten spielen. Von der Musik kenne ich allerdings eher die direkte Resonanz, und es war gewöhnungsbedürftig, darauf zu warten und zu hoffen. Mittlerweile kommen recht regelmäßig Mails und Briefe. Ich freu mich drüber und beantworte sie auch gern. Vor einiger Zeit schrieb mir ein Herr aus dem Hunsrück, dass er einen meiner Romane seiner in England lebenden Freundin komplett am Telefon vorgelesen hätte. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Danke fürs Lesen. Bleibt mir gewogen.  


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