Interview mit Normen Behr

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 44 Jahre alt und arbeite als Lehrer für Englisch, Französisch und Psychologie an einem Gymnasium im unterfränkischen Schweinfurt. Seit vier Jahren bin ich verheiratet und habe eine einjährige Tochter, zudem teile ich mir Haus und Hof mit neun Katzen!

Seit wann schreibst du?

Solange ich überhaupt schreiben kann! Ich habe sehr früh mit kleinen Geschichten angefangen, damals noch handschriftlich. Als ich etwa 12 war, bin ich auf eine manuelle Schreibmaschine umgestiegen. Im Alter von 16 habe ich mir das 10-Finger-System beigebracht und mir einen Computer mit Textprogramm geleistet – damals eine irre Investition für mich.

Alles, restlos alles, was ich innerhalb der folgenden 20 Jahre an Verlage geschickt habe, wurde jedoch abgelehnt. Dann ermunterte mich meine Frau, nach langer Schreib-Abstinenz einen neuen Roman zu schreiben, und Der Knochenhauer entstand. Auch der stieß auf keinerlei Interesse, sodass ich 2013 entschied, mich als Self-Publisher bei Amazon Createspace bzw. Kindle Direct Publishing zu versuchen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Durch meine Leidenschaft des Lesens. Immer wieder kommt einem dabei einmal ein schlechtes Werk unter – und als Jugendlicher hatte ich die grundoptimistische Einstellung: So was kriege ich auch hin!

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Tatsächlich sehe ich mich nicht als Autor. Heutzutage kann jeder ein Schriftstück ins Internet stellen – macht ihn oder sie das zu einem Schriftsteller? Die Verlage wollten mich nicht, also nennen wir mich lieber Hobby-Schreiberling. Und das schwebte mir schon immer vor.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Im März wird in der Tat bereits mein 16. Buch erscheinen, darunter sind Krimis, Thriller, Romane mit phantastischen Elementen und Kurzgeschichtenbände. Viele der Bücher hängen miteinander zusammen, alle können aber grundsätzlich auch unabhängig voneinander gelesen werden.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich bleibt Recherche nicht aus. Für meinen ersten Roman, Der Knochenhauer, habe ich etwa intensive Interviews mit Polizisten und Physiotherapeuten geführt. Allerdings mache ich die Recherche fast immer erst, nachdem die Erstfassung eines Buchs geschrieben ist, damit ich weiß, welche Infos ich überhaupt wirklich brauche. Insgesamt versuche ich allerdings mit einem Mindestmaß an Recherche auszukommen, weil man sich sonst schnell in Bereiche begibt, in denen man sich schlicht zu schlecht auskennt und unglaubwürdig wird. Trotzdem lerne ich bei jedem Buch auch selbst etwas dazu.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Kaminzimmer! Dort steht eine riesige Bücherwand, ein Feuerchen flackert im Kamin, ich bin auf meinem Sofa mit meinem Laptop ungestört, im Hintergrund läuft Musik von Mike Oldfield ... großartig.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ich schreibe sehr gerne einfach drauf los, meistens, ohne zu wissen, wie die Geschichte ausgehen soll, was soweit geht, dass ich häufiger beim Start eines neuen Projekts nicht einmal weiß, ob eine Kurzgeschichte oder ein Roman daraus werden wird. Das macht für mich den Reiz des Schreibens aus, dass mir nämlich das Werk selbst zeigt, wo es langgeht. In Der Knochenhauer zum Beispiel war überhaupt kein Kommissar vorgesehen, alles sollte sich nur um die zentrale Physiotherapeutin drehen. Dann kam Charlie Senger aus dem Nichts – und wurde meine bislang wichtigste Serienfigur.

Nebenbei führe ich allerdings auch ein Ideenbuch, da ich immer wieder einmal Geistesblitze festhalten will. Zudem komme ich bei so ziemlich jedem Buch an einen Punkt, wo ich nicht recht weiterweiß – dann entwerfe ich die nächsten Kapitel stichpunktartig in diesem Büchlein.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich habe so viele Projekte am Laufen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll! Auf jeden Fall wird es nach Der Zerfall und Qualia im November den Abschluss der Himmelfahrts-Trilogie geben, dann steht mein vierter Kurzgeschichtenband für den Jahreswechsel in den Startlöchern. Derzeit arbeite ich an Kurzkrimis, die ich in dieser Form noch nicht geschrieben habe.

Ich veröffentliche in der Regel im März, Juli und November – und derzeit kann ich sagen, dass ich bis Ende 2018 genügend Stoff habe.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Stephen King! Er ist Dreh- und Angelpunkt meiner ganzen schriftstellerischen Ambitionen. Seit 2007 bin ich Administrator des King-Wikis, eines Wikipedia-Ablegers nur für das Werk dieses großen Schriftstellers, den ich auch schon persönlich treffen durfte. Ich habe Jahre gebraucht, um King nicht mehr zu kopieren, sondern meinen eigenen Stil zu finden. Er ist der einzige Autor, dessen Bücher ich bis heute uneingeschränkt und ohne Bedenken kaufe und (mehrfach) lese.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Mein Lieblingsbuch ist Needful Things von Stephen King (deutsch: In einer kleinen Stadt). Sehr gerne lese ich Dystopien (Favorit: Brave New World), kenne die Harry-Potter-Reihe auswendig und verschlinge vor allem Romane mit übersinnlichen Aspekten. Krimis schreibe ich lieber als dass ich sie lese …

Insgesamt lese ich derart Querbeet, über Klassiker bis hin zu Jugendliteratur und aktuellen Erscheinungen, dass ich eine zu lange Reihe von Lieblingsbüchern habe, um sie hier zu nennen. Bedauern tue ich aber sehr, dass ein herausragender, kanadischer Thriller-Autor, Patrick Senécal, nur sehr selten ins Deutsche übersetzt wird. Der ist genial und seine Malphas-Reihe ein irrer Genuss. Ein ganz heißer Tipp für jeden, der des Französischen mächtig ist.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich spiele seit meiner Jugend Tischtennis und gehe gerne mit meiner Frau zum Paartanz. Zudem sehe ich mir sehr gerne Kinofilme an und bin immer für ein neues Projekt zu haben, sei es, in eine neue Sprache hineinzuschnuppern oder, wie derzeit, Stenografie zu lernen.

Natürlich lese ich viel, beziehungsweise ich höre viel, da ich mehr Literatur per Hörbuch konsumiere als lesend. Zum Glück bin ich immun gegen die Reize des TV und der Computerspiele, sodass mir für meine Leidenschaften viel Zeit bleibt.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

An dieser Stelle darf ich also träumen, egal, wie unrealistisch das ist? Schön! Mein Traum wäre es natürlich, selbst ohne einen Verlag von meinen Büchern leben zu können, um mich ganz aufs Schreiben zu konzentrieren. Nach vier Jahren weiß ich zwar, dass das nicht möglich ist … aber es ging ja hier ums Träumen!

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Gibt es etwas Wichtigeres für jemanden, der ein Buch schreibt, als dieses Feedback? Rein nüchtern betrachtet haben Rezensionen einen unglaublichen Einfluss auf die Verkaufszahlen, aber natürlich will man aus Kritik lernen und erfreut sich an positiven Rückmeldungen. Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwierig ist, begeisterte Leser zu Rezensionen zu überreden. Leute mit negativer Kritik sind da nicht so zurückhaltend!

Nichts freut mich jedenfalls mehr als eine private Mail über meine Webseite, wo mir jemand berichtet, wie gerne er meine Bücher liest. Das motiviert – den Verkaufszahlen zum Trotz – enorm zum Weitermachen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich freue mich über jeden, der mir mitteilt, was er von meinen Schreibversuchen hält. Wer sich auf Normen Behr einlässt, muss aber wissen, dass ich mich in keine literarische Schublade stecken lasse. Das stört viele, die literarische Trennkost bevorzugen und sich ungern auf meinen Eintopf einlassen – aber wer mir folgt, darf sich auf eine unvorhersehbare Achterbahnfahrt freuen!


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