Interview mit Rainer Wittkamp

© Claudia Chiecchi

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin gebürtiger Münsteraner und habe in Berlin an der FU Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft studiert. Danach war ich zehn Jahre als Regieassistent im Bereich Film + TV tätig, habe in fast jedem europäischen Land gedreht, in Ost und West. Ende der 80er Jahre habe ich das erste Mal Regie geführt und Drehbücher entwickelt. Das mache ich bis heute.

Seit wann schreibst du?

Mein erstes TV-Skript habe ich 1987 an den Sender Freies Berlin verkauft, an die damalige Redaktion für Schulfernsehen. Das war eine dokumentarische Produktion. Ein Jahr später folgte dann die erste fiktionelle Arbeit, ein Kurzfilm für das Kino. Ein historischer Stoff mit Schauspieler und großer Ausstattung.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Vor sechs Jahren ist mir ein Drehbuchauftrag weggebrochen und ich habe die Chance genutzt, endlich einen Roman zu schreiben. Das hatte ich zwar schon eine ganze Weile vor, bin aber nie dazu gekommen, da ich mich immer in irgendwelchen Produktioszwängen befand. Einen Roman zu schreiben, war eine großartige Erfahrung, ich habe sofort Blut gelenkt. Mir war gleich klar, dass das mein Ding ist.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Ziemlich früh, so mit neunzehn, zwanzig. Damals sah ich mich allerdings eher als Autor für Filmskripte. Ich habe aber ab Mitte zwanzig auch kleinere Texte für Zeitschriften geschrieben, für Stadt- oder Satiremagazine, über kulturelle Themen, Kritiken und ähnliches.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Es sind mehrere Romane erschienen, denen meine Seriendrehbücher zugrunde liegen. Sogenannte Novelizations. Wenn ich die nicht mitzähle, komme ich auf fünf Kriminalromane mit meinem Ermittler Martin Nettelbeck und auf sechs Anthologien, in denen ich mit Kurzgeschichten vertreten bin.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, für jeden Roman, für jede Kurzgeschichte. Der Aufwand ist natürlich unterschiedlich. Recherche umfasst die Suche nach schauträchtigen Handlungsorten, an denen ich gegebenenfalls Fotos mache, Gespräche mit Fachberater für Kriminologie, Jura, Medizin. Eingehende Beschäftigung mit Fachliteratur über das jeweilige Hauptthema etc.

Wo schreibst du am liebsten?

Überall. Ich bin da nicht festgelegt. Nur ein brauchbarer Internetzugang sollte vorhanden sein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, der Sinn leuchtet mir nicht ein. Ich kenne allerdings auch nicht solche Hemmnisse wie z.B. Schreibblockaden. Aber jeder Autor muss für sich herausfinden, unter welchen Bedingungen er am besten schreiben kann. Und sollte alles benutzen, was ihm dabei dient.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im nächsten Jahr erscheinen die Auftaktbände zu zwei weiteren Krimireihen. Beide schreibe ich mit Co-Autoren. Eine historische Reihe, die in ganz Europa spielt, die andere ist in Mecklenburg-Vorpommern und in der Gegenwart angesiedelt. Und natürlich wird es einen neuen Nettelbeckkrimi geben. Die Nummer 6.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Es gibt zu viele, ich kann da gar keine Namen nennen. Im Genrebereich sicherlich Chester Himes, Elmore Leonard, Robert B. Parker und zwanzig, dreißig andere.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Jan Graf Potocki "Die Handschrift von Saragossa", Mark Twain "Huckleberry Finn", John Barth "Der Tabakhändler" und Don Winslow "Tage der Toten".

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mit meiner schweizer Freundin Kunstausstellungen und Museen besuchen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Einen wirklich dicken Roman schreiben. Mindestens sieben- bis achthundert Seiten.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. In der Regel bekomme ich ein Feedback bei Leserunden, durch Fachkritik oder bei Lesungen. Wenn eine Fachkritik ausreichend Platz hat, um eine Argumentation auszubreiten, kann sie sehr hilfreich sein. Aber auch bei Leserunde habe ich entscheidendes gelernt. Und zwar Dinge, die vermutlich nur Hobbykritiker äußern würden. Wie wichtig für Leser zum Beispiel positive Identifikationsfiguren sind.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Lesen ermöglicht uns Menschen die wundervollsten Reisen und wir Autoren geben uns viel Mühe, euch in ferne Welten zu versetzen. Also trollt nicht gleich so böse Kommentare, wenn ihr mal ein schlechtes Buch erwischt. Denkt immer daran: Auf Regen folgt Sonnenschein.


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