Interview mit Silke Porath

© Julia Blank

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Sehr, sehr gerne für diesen ganz speziellen Blog. Schön, dass es Dich gibt!

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Die offizielle Vita steht im Internet. Ist also hier langweilig. Im Moment sitze ich mit meinem Mops auf dem Schoß am PC, freue mich auf das Interview und kraule nebenbei Monsieur Beaudelaire an den Schlappohren. Er schnarcht entsetzlich.

Seit wann schreibst du?

Meine ersten Geschichten waren Fortsetzungen für Heidi. Die hatte ich für meine Schwester geschrieben und abends vorgelesen. Als wir damit durch waren, habe ich mir selber Abenteuer für „Die fünf Freunde“ ausgedacht. Im Nachhinein Grottenschlecht. Aber meine Schwester hat nie protestiert. Wahrscheinlich, weil sie zwei Jahre jünger ist als ich.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Ich habe Redakteurin gelernt, dann zwei grandios-peinliche Semester Jura studiert, bin in die PR gegangen. Nach der Geburt meiner Tochter 1998 war mir dermaßen öde, dass ich angefangen habe, Kurzgeschichten zu schreiben, wann immer mein Babygirl geschlafen hat.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst? 

Ehrlich gesagt – das will man nicht werden, das ist man. Ich kann nichts anderes, als Geschichten zu erzählen. Stricken ist eben nicht meins. Ich bin seit über zehn Jahren an einem Pulli dran.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Oha. Muss mal zählen. 24 bis heute und die nächsten drei erscheinen demnächst. Historisches. Mopsromane. Sachbücher über die Todesstrafe in den USA, meine Lieblingsserie Tatort und mein Herzensthema Panik und Ängste. Und natürlich Krimis.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Für den historischen Roman, die Geschichte des Ordensgründers Antonio Maria Claret, habe ich tatsächlich mehrere Wochen allein als Frau unter Mönchen in Deutschland und Spanien gelebt. Für die Krimis recherchiere ich auch viel, denn da muss die Mordmethode absolut stimmig sein. Und für die Mopsromane habe ich seit ein paar Monaten (nach vier Mopsbüchern!) nun doch endlich einen eigenen Mops.

Wo schreibst du am liebsten?

Hach. Seufz. Im Urlaub. Das sind aber nur zwei Wochen im Jahr. Deswegen habe ich mir angewöhnt, die Umgebung auszublenden. Vor zwei Jahren hat mein Mann mir ein Laptop geschenkt und so kann ich entweder in unserer Küche oder eben normal am Schreibtisch arbeiten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Kaffee. Viel Kaffee.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Nach über einem Jahr Flaute ohne neue Verträge, in dem ich dachte, ich mag nicht mehr: ja! Zum einen darf ich für Weltbild einen weiteren Roman für die Mopsreihe im Print plus sechs (!) Outtakes aus den Mopsromanen zunächst als Ebook schreiben. Und ebenfalls für Weltbild gemeinsam mit Kollege Sören Prescher eine neue Krimireihe, in der ein Boxerhund ermittelt. Eine ganz besondere Spürnase. Und wieder ein Krimi, der Spaß macht. Uns bis jetzt und nachher hoffentlich den Lesern, denn der Horst ist ein ganz süßer Hund.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Definitiv John Fante. Er hat zum Teil Wochen lang an einem Satz gefeilt. Seine Bücher sind ein echter Flash. „Warte bis zum Frühling, Bandini.“ So genial. Einmal im Leben solch einen Satz zu schreiben – ein Traum. Und eine absolute Leseempfehlung an jeden.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

John Fante, klar. Grüne Tomaten habe ich vier oder fünf Mal gelesen. Und natürlich den Film gesehen. Mehrfach. Ich bin begeistert von Stephen King, keiner kann Charakterbeschreibungen besser als er (und übrigens… bei den Mönchen wird beim Mittagesen vorgelesen – nicht aus der Bibel… es war Meister King, als ich dort war). Beeinflusst hat mich auch Andreas Altmann, eigentlich nur wegen eines einzigen Satzes. „Meine Wohnung ist keine Wärmstube. Jedes Ding, das hinein will, muss sich fragen lassen: Macht es aus mir einen besseren, einen zufriedeneren Menschen?“ Seit dem reise ich mit sehr viel weniger Gepäck.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich habe drei Kinder. Ich habe einen Franzosen zum Mann. Wir haben drei Hunde. Welche Freizeit?

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Einmal mit der Queen Mary über den Atlantik nach New York schippern. Das wäre fein. Sponsoren wären willkommen. Aber ernsthaft: ich habe so viel Liebe in meinem Leben, dass ich eigentlich nur hoffe, anderen davon etwas abgeben zu können. Eine kleine Story dazu: wir waren letztes Jahr in der Bretagne im Urlaub. Haben eine Abkürzung über den Friedhof genommen. Auf dem Grab eines Generals, der mit Sicherheit dem Grabmal nach steinreich war, lag… nichts. Auf der letzten Ruhestätte eines einfachen Fischer dagegen waren Herzen aus Muscheln. Was also nützt es, der reichste Mensch auf dem Friedhof zu sein?

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Immens und absolut wichtig. Ich schreibe ja nicht für mich, sondern um den Lesern ein, zwei gute Stunden zu bescheren.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Darf ich jemanden zitieren? Ja? Dann Hunter S. Thompson. „Life should not be a journey tot he grave with the intention of arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside in a cloud of smoke. Thoroughly used up. Totally worn out an loudly proclaiming: Wow! What a ride!“


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