Interview mit Mani Beckmann

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich heiße Mani Beckmann, manchmal auch Tom Finnek, bin verheiratet, habe zwei Söhne und wohne seit nunmehr dreißig Jahren in Berlin. Aufgewachsen bin ich allerdings im Münsterland, direkt an der holländischen Grenze. Nach Abi und Zivildienst habe ich mich eine zeitlang als Punk-Gitarrist versucht, dann aber (aus gutem Grund!) das Plektrum gegen den Stift bzw. die Tastatur getauscht.

Seit wann schreibst du?

Seit der Grundschule ;-) Mit eigenen Texten habe ich allerdings erst sehr spät angefangen. Ich habe nie ein Tagebuch geführt oder Kurzgeschichten und Gedichte fabriziert, und nie hätte ich als Teenager gedacht, dass ich einmal Romane schreiben würde. Beim (kreativen?) Schreiben bin ich ein echter Spätzünder, vermutlich weil ich zuvor versehentlich dachte, in mir schlummere ein Musiker.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Eigentlich wollte ich Journalist werden und habe deshalb Publizistik studiert. Während eines Praxisseminars sollten wir einen Bericht über eine Gerichtsverhandlung schreiben, doch weil ich den geschilderten Fall so langweilig fand, hab ich ihn etwas satirisch "aufgepeppt". Das hatte natürlich mit Journalismus nichts mehr zu tun, wie mir der Dozent deutlich machte, und ich habe gemerkt, dass ich mir lieber Geschichten aus den Fingern sauge, als die schlichte Wahrheit nachzuerzählen.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Das wusste ich vermutlich erst, als ich meinen ersten Roman in den Händen hielt. Dass es dazu überhaupt kam, ist aus heutiger Sicht eigentlich ziemlich unwahrscheinlich. Ich hatte eine, wie ich fand, originelle Idee für einen Krimi, habe ihn geschrieben und das fertige Manuskript unverlangt an sechs Berliner Verlage geschickt. Bereits die dritte Antwort war eine Zusage. Heute weiß ich, dass man so naiv nicht vorgehen sollte, wenn man tatsächlich verlegt werden will.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Seit 1994 sind inzwischen elf Romane erschienen, fünf Kriminalromane (hauptsächlich Berlin-Krimis) und sechs historische Romane, bei denen es sich aber auch um Spannungsromane handelt. Einige der historischen Romane, die in London spielen, wurden unter dem Pseudonym Tom Finnek veröffentlicht.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Gerade bei den historischen Romanen ist die Recherche unglaublich wichtig und entsprechend ausgiebig. Die Recherche zu meinem ersten London-Roman hat länger gedauert als das eigentliche Schreiben. Dabei ist es mindestens so wichtig, das meiste der Recherche anschließend wieder zu vergessen. Denn es gibt meines Erachtens nichts Schlimmeres als Romane, die zu sehr nach Recherche und Wissensvermittlung klingen.

Bei meinen Krimis musste ich nie so viel recherchieren, weil sie viel autobiographischer sind und ich ausgiebig aus meinem eigenen Leben geschöpft habe. Mein Berlinale-Krimi "Filmriss" handelt beispielsweise von einem Berliner Journalisten mit münsterländischer Punk-Vergangenheit. Keine Ahnung, wie ich darauf gekommen bin ;-)

Wo schreibst du am liebsten?

Ganz banal: am Schreibtisch, im geschlossenen Raum, am Computer. Ich beneide die Autoren, die im Zug, im Café, auf der Wiese oder am Strand schreiben können. Bei mir funktioniert das nicht. Um meine eigene Welt zu schaffen, muss ich die tatsächliche Welt ausschließen. Manchmal mache ich mir obendrein Musik aufs Ohr, damit ich nichts mehr mitbekomme. Bis dann die Kinder oder der Hund an mir zerren.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Die Zeit zum Schreiben ist vorgegeben durch die Schulzeiten meiner Kinder. Früher habe ich geschrieben, wann immer mich die Muse geküsst hat, manchmal bin ich nachts um drei aufgestanden, weil ich im Schlaf eine gute Idee hatte und davon wach wurde. Nun muss die Muse warten, bis die Kinder in der Schule sind. Am liebsten schreibe ich morgens und mit einer Tasse Kaffee neben der Tastatur, dann werkele ich, bis der Kopf leer ist und mein Magen knurrt. Oder die Kinder abgeholt bzw. der Hund ausgeführt werden müssen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im Herbst wird ein neuer Krimi mit dem Titel "Galgenhügel" erscheinen, und der ist für mich nach etlichen Roman ein Novum. Einerseits weil er ein "Digital First"-Roman ist, den es zunächst tatsächlich nur als E-Book gibt, und andererseits weil es ein Münsterland-Krimi ist. Meiner alten Heimat habe ich mich bisher nur in historischen Romanen genähert, nun springe ich in die Gegenwart und bin gespannt, wem ich damit auf die Füße trete. Bereits im Frühjahr 2018 soll der zweite Teil der Reihe erscheinen, vorausgesetzt ich schaffe die Deadline.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Die Autoren, die ich schätze, oder die Romane, die ich liebe, sind sehr breit gefächert und reichen von Klassikern wie Dostojewskis "Schuld und Sühne" bis zu dem wunderbar verstörenden "Jesus von Texas" von DBC Pierre, aber ich würde sie nicht unbedingt als Vorbild für mein Schreiben bezeichnen. Wenn ich diese Romane so sehen würde, könnte ich die Lektüre vermutlich gar nicht genießen. Daher lese ich auch selten Krimis oder historische Romane, weil sie zu nah an meiner eigenen Arbeit sind.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Was meine Vorliebe für Perspektivwechsel und unterschiedliche Erzählerstimmen angeht, gibt es zwei Romane, die mich unglaublich beeindruckt und sicherlich auch beeinflusst haben: "World's End" von T. C. Boyle und "Die Frau in Weiß" von Wilkie Collins. So unterschiedlich sie auch sein mögen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Immer noch spiele ich in einer Punkband, allerdings (dem Alter entsprechend) in einer Cover-Band, die sich auf die Hits von damals spezialisiert hat. Wenn man nichts Eigenes fabriziert, sondern nur nachspielt, fällt es nicht so auf, dass man das Instrument eigentlich nicht beherrscht. Ansonsten bin ich ein Serien-Junkie und schaue gern BBC-Serien im Original, von "Ripper Street" über "Downton Abbey" bis zu "Extras".

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Einmal als Vorband von "Black Flag" auftreten. Und natürlich einen Bestseller schreiben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Selbstverständlich schreibe ich Bücher, damit sie den Lesern gefallen, und mit meinen Romanen geht es mir, vor allem kurz nach Erscheinen, wie mit meinen Kindern: Bei Kritik bin ich dünnhäutig und verwundbar, versuche aber, es mir nicht anmerken zu lassen. Das ändert sich erst, wenn etwas Zeit vergangen und Selbstkritik möglich ist. Mitunter ist es aber auch so, dass die Romane, die am wenigsten geschätzt oder gekauft wurden, mir die liebsten und wertvollsten sind. Gerade weil sie durchwachsene Kritiken bekommen oder triste Ladenhüter sind. Da werde ich zur Mischung aus schnoddrigem Berliner und westfälischem Dickschädel.

Lieber Mani, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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