Interview mit Herbert Dutzler

© Gisela Barrett

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin schon alt. Fast schon sechzig Jahre alt. Und dementsprechend weise. Ich glaube, ich könnte gar nicht so schreiben, wie ich schreibe, wenn ich noch viel weniger Lebenserfahrung hätte. Das könnte ein Grund dafür sein, warum ich erst im Alter von 52 Jahren mein erstes Buch veröffentlicht habe. Und sonst? Ich lebe in einem kleinen Ort in Österreich, der die Nachteile von Stadt und Land vereint: Es ist nichts los, aber trotzdem viel Verkehrslärm. Ganz abgesehen von den Traktoren und Mähdreschern, die immer dann auffahren, wenn ich mich zum Schreiben auf die Terrasse setze!!! Gnampf!!!

Seit wann schreibst du?

Also, mit 8 habe ich einen Roman geschrieben. Er handelte von einem Jungen, der auf einem Schiff lebt und einen Delphin als Freund hat. Er ist nur 5 Seiten lang geworden. Kein Wunder – ich hatte ja keine Ahnung, weder von Delphinen noch von Schiffen. Dann habe ich, als Jugendlicher und junger Erwachsener, äußerst sozialkritische Texte geschrieben. Beinahe revolutionär. Die wollte aber niemand veröffentlichen, und so sind sie der Welt verloren gegangen. Gott sei Dank.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Verdammt nochmal, habe ich mir immer in Buchhandlungen gedacht, da stehen tausende Bücher rum, von noch einmal so vielen Autorinnen und Autoren. Und du bist nicht darunter. Das wirst du ja wohl zustande bringen – habe ich mir gedacht. Und dann bemüht.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Siehe oben – ich glaube, das wollte ich schon als Volksschüler (D: Grundschüler). Aber das Wollen alleine reicht halt nicht … zumindest nicht gleich …

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Kriminalromane:

Letzter Kirtag (2011), Letzter Gipfel (2012, Letzte Bootsfahrt (2013), Letzter Saibling (2014), Letzter Applaus (2015), Die Einsamkeit des Bösen (2016), Letzter Fasching (2017)

Kurzgeschichten: Bär im Bierkrug, Gott und Teufel (2015)

Alle Bücher sind im Haymon-Verlag in Innsbruck erschienen.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich. Am liebsten recherchiere ich mit Kamera und Gedächtnis, halte mich beobachtend zurück, die Bilder dienen mir dann als Hintergrund für meine Phantasie, die die Charaktere und Handlungen erzeugt. Da hilft natürlich auch

Lebenserfahrung – viele Situationen, die mir zufällig begegnen, tauchen dann in Romanen auf.

Wo schreibst du am liebsten?

Seit einem Jahr circa habe ich ein eigenes Zimmer, weil meine Söhne schon erwachsen und aus dem Haus ausgezogen sind. Das ist völlig nüchtern, wie ein Hotelzimmer, eingerichtet, da fühle ich mich am wohlsten. Im Sommer auf der Terrasse. Träumen tu ich von einer Dichterlaube im Garten, aber da müsste man ein Stromkabel durch die Wiese legen, denn ich schreibe nur am PC. Und in der Bahn schreibe ich auch ganz gern. Da ziehen sie draußen immer die Landschaft vorbei, das entspannt und inspiriert.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nüchtern sein. Völlig. Nicht einmal ein kleines Bier. Da schlaf ich gleich ein. Um den PC herumschleichen. Zuerst noch ein Glas Wasser trinken. E-Mails checken. Dann noch aufs Klo gehen. Ein bisschen Computerspielen. Noch einmal Mails checken. Dann vielleicht …

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

2 Projekte. Eines über ein ganz böses Mädchen. Also wirklich sehr böse. Und einen weiteren Gasperlmaier-Roman, der was mit dem Salzbergwerk in Altaussee zu tun haben könnte.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Das Schreiben selber nicht, aber den Wunsch, es zu tun. Ich lese während des Schreibens nur englische Bücher, damit der Stil anderer Autor/innen nicht auf meinen abfärbt.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ein Buch, das mich wirklich fasziniert hat, waren die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie. Meine anderen Lieblingsautoren heißen alle Ian: Iain Banks, Ian Rankin und Ian McEwan. Die können schreiben, dass einen der Neid frisst. Und alle leben sie in England, wo der Unterschied zwischen „Unterhaltung“ und „Literatur“ niemanden beschäftigt. Bei Iain Banks muss es heißen „lebte“, denn er ist leider 2013 im Alter von 59 Jahren gestorben. Genauso alt, wie ich jetzt bin. Gruselig.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Radfahren und Steckengehen (österreichisch für Nordic Walking). Das sind inspirierende Sportarten, weil sie so langweilig sind – manche nennen sie auch „meditativ“. Dann natürlich Skifahren, das macht jeder Österreicher. Herumreisen – muss nicht weit weg sein – kochen, essen, trinken. Lesen. Und Sport schauen, im Fernsehen. Wie es sich gehört, für einen Ösi: Skirennen und Skispringen. Und Formel 1. Sogar Tour de France, obwohl niemand versteht, wie man 6 Stunden lang Radfahrern beim Radfahren zusehen kann.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich würde gerne mit 60 noch einmal mit dem Rad auf den Großglockner fahren. Das habe ich schon 3x gemacht, zuletzt mit 49. Dann würde ich sehr gerne meine Romane verfilmt sehen, ich habe da schon tolle Bilder im Kopf. Und ich wünsche mir natürlich, mindestens noch 20 Jahre schreiben und zu Lesungen reisen zu können.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Das ist das Wichtigste überhaupt. Die Lesungen und der direkte Kontakt mit Leserinnen und Lesern, das ist das Salz in der Suppe. Sonst ist ja das Schreiben ein verdammt einsamer Job. Das direkte Feedback bei Lesungen, wenn die Leute lachen und strahlen, das ist für einen Autor das Beste, das Wichtigste, die größte Motivation, weiterzumachen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Lesen, das Lesen weiterempfehlen, den Kindern die Liebe zum Lesen weitergeben, und keine e-books aus dem Internet klauen.


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