Interview mit Stefan Barth

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich wurde im schönen Hagen am Rande des Ruhrgebiets geboren. Nach der Schule hab ich eine Ausbildung als Grafiker gemacht, war bei der Bundeswehr und habe dann in Bochum Theater-Film-Fernsehen studiert. Später habe ich zwei Jahre in Kalifornien gelebt, bevor es mich in die Hauptstadt verschlagen hat.

Seit wann schreibst du? 

Hauptberuflich bin ich Drehbuchautor und das seit 1997, also seit jetzt zwanzig Jahren. Mein erster Job war für die RTL-Action-Serie "Der Clown". Seitdem ich habe ich diverse TV-Filme und Serien geschrieben. Quer durch alle Genres: Action, Krimis, Fantasy, Komödien.

Angefangen zu Schreiben habe ich natürlich schon lange vorher. Während meiner Schulzeit habe ich Western in linierte Hefte gekritzelt und als meine Mutter eine elektrische Schreibmaschine nach Hause brachte, habe ich darauf meine ersten Kurzgeschichten im Zwei-Finger-Such-System getippt. Später dann auf unserem ersten Computer. Mein erstes Drehbuch habe ich 1994 während des Studiums geschrieben und meinen ersten Roman "Homeboys", den ich wohl nie veröffentlichen werde, auch.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Als Drehbuchautor arbeitet man viel mit dem Input anderer Leute: Redakteure, Produzenten, Regisseure, Schauspieler. Und auf das, was am Ende herauskommt, nämlich den Film, hat man als Autor ab einem bestimmten Punkt keinen Einfluss mehr. 

Oft ist man ein Handwerker, der die Geschichte mit dramaturgischen Kniffen "zum Funktionieren" bringt. Um nicht nur Auftragsschreiber zu sein, habe ich von Anfang an Drehbücher "on spec" geschrieben, das heißt ohne Auftrag, ohne den Einfluss/Input von irgendjemand anderem. Das sind dann in meinem Fall meist Genre-Geschichten, die ich persönlich am Liebsten mag: Horror, Action oder Crime. 

Solche Stoffe kriegt man aber in Deutschland nur schwer produziert und so kommen wir zu meinem ersten veröffentlichten Roman "Drecksnest". Das war ursprünglich ein Drehbuch, in dem ich versucht habe mein Lieblings-Genre, den Western, als eine Hardboiled-Crime-Geschichte im Deutschland der Gegenwart zu schreiben. Von Produzenten-Seite bekam dafür viel Lob, aber auch immer freundliche Absagen, denn "sowas kriegen wir hier in Deutschland nicht gemacht, warum schreiben Sie´s nicht als Roman?" 

Das habe ich so oft zu hören bekommen, dass ich es irgendwann einfach gemacht habe. 

Und 2015 habe ich das "Drecksnest" dann über Amazon zunächst als Ebook und etwas später als Taschenbuch veröffentlicht.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Ich glaube, das war gar keine bewusste Entscheidung, sondern etwas, das im Laufe der Zeit einfach passiert ist. Ich habe schon immer Geschichten geliebt und verschlungen, sei es als Comics, Bücher oder Filme. Damit kam dann unweigerlich der Punkt, an dem ich es selbst versuchen wollte. Ich habe schon in der Grundschule mit einem Freund Comic-Hefte geschrieben und gezeichnet, später dann immer wieder irgendwelche Stories geschrieben, allerdings ohne den klaren Berufswunsch "Autor" vor Augen zu haben. 

Das materialisierte sich eigentlich erst zum Ende meiner Schulzeit heraus, aber ich glaube nicht, dass ich mich getraut habe, das damals schon vor anderen zu äußern. Rückblickend ist mir aber klar, dass ich nie etwas anderes wollte, als Geschichten zu erzählen, in welcher Form auch immer.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Mein erstes veröffentlichtes Buch ist "Drecksnest". Ein Hardboiled-Crime-Roman über einen Mafia-Killer in Deutschland, der nach dem Tod seiner großen Liebe aussteigen will und dann in einem kleinen Kaff in Ostdeutschland wieder in kriminelle Machenschaften gezogen wird.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Für "Drecksnest" musste ich nicht wahnsinnig viel recherchieren, abgesehen von offensichtlichem Kram wie Waffen. Für meinen nächsten Roman, der im zweiten Weltkrieg spielt, sah das natürlich schon anders aus. 

Wo schreibst du am liebsten?

Früher hatte ich zuhause ein Büro, wo ich umgeben von meinen DVDs, Büchern und Actionfiguren war. Das ist jetzt ein Kinderzimmer. Aber noch bevor ich Kinder hatte, habe ich das Schreiben in Cafés für mich entdeckt. Ich sitze seit Jahren meist in demselben Café, das zu so einer Art zweitem Zuhause geworden ist, und das ich das Auswärtsbüro nenne. 

Schreiben ist einsam und im Auswärtsbüro kann ich zwischendurch mal ein Schwätzchen mit anderen Gästen oder dem Barista halten, wenn mir danach ist. Außerdem kann ich da nicht so viel prokrastinieren wie zuhause, wenn es mal wieder mit der Story hakt. 

Grundsätzlich kann ich aber überall schreiben, besonders gut sogar auf Zugfahrten. Kopfhörer rein und ab dafür.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Eher feste Zeiten als ein Schreibritutal, was den Kindern geschuldet ist. Ich bringe sie zur Kita oder Schule, dann gehe ich ins Auswärtsbüro. Da mache ich mich dann erstmal warm, in dem ich Espresso trinke, durchs Netz surfe, twittere oder Schwachsinn auf Facebook poste, bevor ich die ersten Worte tippe. Hängt natürlich auch immer vom Stand der jeweiligen Story ab. Zwischendurch Mittagessen und gegen 16 Uhr am Nachmittag ist der Schreibtag dann meist wieder beendet, weil es wieder ein Kind abzuholen gibt. Natürlich habe ich auch mal längere Tage, speziell wenn eine Deadline ansteht.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja. Ich werde in den nächsten Wochen meinen neuen Roman "Es war einmal in Deutschland" auf Amazon veröffentlichen. Die Handlung spielt in der letzten Woche des zweiten Weltkriegs und dreht sich um einen desertierten Wehrmachtssoldaten, der nach Hause zu seiner Tochter will und dabei von der SS geschnappt und aufgehängt wird. Er überlebt zwar, gerät aber zwischen die Fronten der SS und anderer Parteien, die nach dem versteckten Gold eines ermordeten jüdischen Industriellen suchen. 

Wie der Titel vielleicht schon andeutet, habe ich auch hier versucht Western-Elemente in einem anderen Genre zu erzählen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Mehr als einen. Aber wie bei vielen Schreibern meiner Generation war das wohl Stephen King, dessen Bücher ich als Teenager verschlungen habe, auch wenn ich schon seit einigen Jahren keinen seiner neuen Romane mehr gelesen habe. Ansonsten waren das noch diverse andere, manchmal so komplett unbekannte Leute wie Jack Martin (wohl ein Pseudonym), dessen Stilistik seiner Roman-Version von "Halloween 2" mich nachhaltig beeindruckt hat. Oder David Morrell, der mit "First Blood" die Figur des Rambo erfunden hat; ein großartiger Roman und so ganz anders, als das, was wir von Rambo aus den Filmen kennen. William Kotzwinkle, dessen "Jack-in-the-Box" einer der geilsten Coming-of-Age-Romane ist.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Verdammt viele. Ich liebe amerikanische/englische Krimis, ganz besonders die von Michael Connelly, James Lee Burke, Phillip Kerr, John Sandford, John Connolly, Ken Bruen, Adrian McKinty, Denis Lehane, William Kent, Lawrence Block, Krueger, James Crumley und andere. Western von Louis L´Amour und Elmer Kelton. Klassiker wie Ernest Hemingway, John Steinbeck und Mark Twain. Pulp-Autoren wie Robert E. Howard, dem Vater von Conan oder Edgar Rice Burroughs, dessen Tarzan-Romane ich erst vor wenigen Jahren für mich entdeckt habe. Reise-Schriftsteller wie Bill Bryson und Paul Theroux. William Goldman, den man eher als Drehbuchautoren kennt, der aber einen Haufen Romane geschrieben hat (The Princess Bride, Marathon Man). Cormac McCarthy (The Border Trilogy) und Larry McMurtry (Lonesome Dove).

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mit der Familie rumhängen, ins Gym gehen, Comics und Bücher lesen, Filme und Serien gucken.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Mehr gute Geschichten/Romane/Drehbücher schreiben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Finde ich toll. Eine Reaktion auf seine Arbeit zu bekommen, das wünscht sich jeder Kreative. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Danke für´s Lesen. Ohne Leser ist das beste Buch nichts wert.


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