Interview mit Linda Budinger

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meineFragen zu beantworten :)

Sehr gerne.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich lebe am gefährlichsten Ort der Welt. In einer Kleinstadt. Wie aus zahllosen Krimis bekannt, lauert in idyllischen Orten das Geheimnis, unter frisch gestutztem Rasen liegen Leichen und hinter jeder Hecke ... Nein, es ist eher friedlich in Leichlingen. Das regt die Phantasie an, schon seit frühester Jugend. Mein Geld verdiene ich übrigens mit Schreiben, Übersetzen und als freiberufliche Gutachterin und Lektorin für Manuskripte.

Seit wann schreibst du?

Meine ersten Gehversuche stehen noch in Schulheften, spätere Manuskripte sind mit Schreibmaschine getippt und wurden per Kopierer vervielfältigt. Den ersten Roman habe ich tatsächlich so mit zwölf Jahren geschrieben, der blieb leider, wie ein später begonnenes Epos, unvollendet. Aber schon die zuerst als Novelle angelegte »Nebelburg« (da war ich etwa 17 Jahre alt) ist viele Inkarnationen später als schickes Hardcover erschienen.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen und ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Ich wollte Schriftstellerin werden, seit ich lesen konnte. Bücher schreiben ist mit der nötigen Phantasie, Begabung und Disziplin nicht schwierig. Wenn man sich feste Zeiten dafür freihält, geht das (sogar in kleinen Schritten) auch neben Schule, Studium, Familie und Beruf. Das Veröffentlichen ist allerdings ein anderes Kapitel. Ich hatte das Glück, 1999 meinen Auftragserstling »Der Geisterwolf« in der Reihe »Das schwarze Auge« bei Heyne unterzubringen und mir mit zwei weiteren Romanen einen Namen zu machen, den ich dann mit Arbeiten für andere Verlage und komplett eigenständigen Werken ausbauen konnte. Zwischen dem Anfang und dem ersten, verlegten Buch lagen hunderte (teilweise Dutzende Male überarbeitete) Seiten und viele Kurzgeschichten, die ich in kleineren Literaturmagazinen und Fanzeitschriften veröffentlicht habe. Dass ich einmal beim Thriller landen würde, hätte ich allerdings,ehrlich gesagt, überhaupt nicht erwartet, obwohl ich als Kind schon gerne die Sherlock-Holmes-Stories gelesen habe. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Krimi (digital) aus der Cotton-Reloaded-Reihe von Bastei Entertainment gibt es:

»Der Infekt« (Bio-Anschlag, alternative Medizin)

»Bürgerkrieg« (Die Ermittler in der Reenactmentszene)

»Tod des Phönix« (Kindesentführung/Im Bann einer Psychosekte)

»Ein schmutziges Nest« (Abgründe einer Kleinstadt/Resozialisierung) Psychothriller (digital)

»Im Keller des Killers« (Hochspannung 4/Bastei Entertainment)

»Aus Einbrechern werden Ausbrecher« Phantastik

»Unter dem Vollmond« (Sieben Verlag/Fabylon Verlag)

»Tödliche Geheimnisse im alten Herrenhaus« Jugendbuch

»Gegen die Gezeiten« (Uebereuter) als Mia Salberg

»Ella löst das Geheimnis der Silberaugen« Fantasy

»Die Greifenritter von Alnoris: Die Nebelburg« (Spreeside)-Daphne wird Ritterin und muss sich für Freundschaft oder Pflicht entscheiden

»Das schwarze Auge« - Fantasy

»Der Geisterwolf« (Heyne) Eine junge Schamanin wächst über sich hinaus

»Goldener Wolf« (Fantasy Productions) Nur der Außenseiter Rikkinen kann den verlorenen Wolf finden

»Eiswolf« (Fantasy Productions) Verdammte Expedition ins ewige Eis und für die Freunde von Kurzgeschichten einige exemplarische Sammlungen:

»Die Einhörner« (Verlag Thorsten Low): Der Titel ist Programm.

»Drachen! Drachen!« (Blitz): Auch hier ist klar, worum es geht!

»Windjäger und andere phantastische Pferdegeschichten« (p machinery): Eine wie ein Episodenroman aufgebaute Anthologie, beider die Erklärung ebenfalls im Titel steckt.

»Große Geschichten vom Kleinen Volk« (Bastei Lübbe): Kurzgeschichten und Novellen über Halblinge und andere zu kurz geratene Wesen in heroischen und unheroischen Questen. Und die jüngste Anthologie beschäftigt sich mit den Abenteuern der Putzkolonne, die hinter all den Spektakeln aufräumen muss

»Die Putze von Asgard« (Machandel Verlag). Beigesteuert habe ich dazu freilich nur ein Gedicht. Daneben habe ich auch einiges im Audiobereich gemacht.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ich recherchiere für alle Projekte. Bei den aktuellen Krimis sollte einerseits das realistische Umfeld bis hin zu Straßennamen und Lokalgeschichte stimmen und andererseits die Methodik, Wissenschaft und Psychologie von Ermittlern und Tätern. Für Fantasy-Romane braucht es besonders eine glaubwürdige Welt, weil sie ja vollkommen aus der Phantasie entsteht. Auch hier muss alles stimmig sein. Bei Rollenspielbüchern existieren Welt und Kulturen ja bereits, dafür ist Quellen- und Regelstudium nötig. Keiner weiß besser als ein lesender Spieler, ob die Aktion einer Figur im Rahmen der Welt ›realistisch‹ und regelkonform ist oder nur so erscheint. Gut, dass ich selbst Rollenspielerin bin!

Wo schreibst du am liebsten und hast du ein festes Schreibritual?

Ich sitze allein am Computer, wo ich meine Ruhe habe und mich aufs Schreiben konzentrieren kann, und höre dabei am liebsten passende oder inspirierende symphonischer Filmmusik. Das hilft mir, in den Flow zu gelangen und in die Geschichte einzutauchen. Dazu trinke ich meist Kräutertee und gönne mir einen schönen Zitronenduft. Außerdem überarbeite ich sehr akribisch und grundsätzlich mit mehreren Lesedurchgängen auf Papier.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im August wird bei Bastei Entertainment mein historischer Gaslicht-Cotton erscheinen, als E-Book und Audio-Download. Es handelt sich um ein im Jahr 1881 in New York angesiedeltes Special von Cotton Reloaded, in dem die aus der Reihe bekannten Figuren Abenteuer in neuem (oder sollte ich sagen, alten) Kontexterleben dürfen. Das war eine Idee, die ich der Redaktion schon weit früher angeboten hatte, die aber erst mit den Specials einen geeigneten Rahmen gefunden hat.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Nicht im Sinne von handwerklichen Kniffen. Wenn, dann haben alle Werke, die ich gelesen habe, mich auf die eine oder andere Weise geprägt. Auch von Büchern, die einem nicht gefallen, lernt man eine Menge.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Zu viele, um sie aufzuzählen. Da ich Fantasy, Thriller, Science Fiction, Phantastik/Grusel, Historisches und Jugendbücher (sowie Kombinationen aus all dem) lese, gibt es wenig, dem ich gar nichts abgewinnen kann. Selten lege ich einen Roman nur angelesen beiseite, aber es kommt vor.Sehr gerne lese ich zum Beispiel die Bücher von Lois McMaster Bujold.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Neben Lesen und Bücher sammeln, Sport und Rollenspielen bin ich auch mit verschiedenen Maltechniken kreativ, dazu gehören Motivstempel und Collagen. Andererseits haben Autoren nie wirklich Freizeit, denn der Kopf arbeitet ja auch oft still vor sich hin, z.B. an Problemen, denen die Figur in der aktuellen Geschichte gegenübersteht, oder neuen Konzepten.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich habe noch zwei Manuskripte mit Fantasy fernöstlicher Prägung, die ich sehr gerne in Buchform sehen würde.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich bekomme sehr gerne Feedback und habe daher auch schon an einigen Leserunden meiner Bücher teilgenommen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Nehmt euch Zeit zu lesen! Der Weg zum nächsten Buch ist nie zu weit.


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