Interview mit Max Annas

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Danke Dir für das Interesse.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Berlin jetzt. East London / Südafrika davor. Sozialisiert in Köln.

Seit wann schreibst du?

Seit 1986 bin ich als freier Journalist unterwegs gewesen. Paar Redaktionen, also feste Stellen, viele Engagements hier und da, lose Redaktionsaufgaben auf Zeit. Bisschen Fernsehen gemacht dann. Etliche Bücher über Politik, Kultur... so was. Zu Schreiben war immer mein Beruf.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Als Journalist war der Schritt vom Artikel zum Buch nicht so schwierig. Das erste Buch, das ich gemacht habe, drehte sich um Nazirock und rechte Jugendkultur. Das war 1993. Aber Du meinst sicher das erste fiktionale Buch... Ich habe seit lange Zeit die Idee gehabt, Fiktion zu schreiben. Noch bevor ich 2008 nach Südafrika gegangen bin, habe ich ein paar Anläufe unternommen, Genreliteratur zu schreiben, fand dann allerdings alle Ansätze wenig originell. In Südafrika habe ich das Projekt neu gestartet, und mit dem Roman „Die Farm“ (2014 erschienen) bin ich dann auch zufrieden gewesen, was die Qualität angeht, und habe ihn angeboten.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Schreiben ist das einzige, was ich gelernt habe. Also... systematisch und über einen langen Zeitraum getan habe. Zu schreiben ist in dem wichtigen dritten Lebensjahrzehnt das gewesen, was ich am konsequentesten verfolgt habe. Und als die Dekade dann zu Ende war, haben Leute gesagt, ich sei Journalist. Alles Weitere hat sich davon abgeleitet.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Um die zehn Bücher, die dokumentarisch-politisch waren. Über Nahrungsmittelproduktion, Film, Theorie, Befreiungspolitik, Sport. Und bis jetzt drei Romane, „Die Farm“ (2014, diaphanes), „Die Mauer“ (2016, Rowohlt) und „Illegal“ (2017, Rowohlt).

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich. Recherche ist wichtig. Aber auch nur ein Baustein unter dreien, lose gesprochen. Erfahrung und Imagination sind sicherlich ebenso wichtig, wenn es darum geht, einen Roman zu schreiben. Wobei Erfahrung Lebenserfahrung ist, also verbrachte Zeit multipliziert mit Gesehenem und Erlebtem, Gemachtem und auch Gelesenem. Und Imagination ist Imagination, die Grundlage für jede interessante Fiktion.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe nur zu Hause an meinem Rechner. Und immer am selben Platz, wandere nicht durch Wohnung und Licht. Aber ich arbeite viel in der Gastronomie. In Cafés und Pubs, auf Seeterrassen und in Malls. Betrachte Leute, entwickele Plots, versetze die zu schreibenden Kapitel gegeneinander, betreibe Zettelwirtschaft.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Ach, weniger Rituale als mehr Gewohnheiten. Ich weiß, wann ich am besten schreibe. So stehe ich meist sehr früh auf, oft gegen 4h, gehe laufen und setze mich dann an den Schreibtisch. Eine zweite Schicht findet am späteren Nachmittag statt.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ich schreibe gerade ein neues Buch, bin mitten in der Arbeit, möchte aber nicht zu viel darüber verraten. Außer vielleicht... dass darin zwei Figuren aus einem früheren Buch wieder auftauchen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Viele. Sehr viele. Und die Liste kann nie die gleiche sein wie gestern. Gerade bewundere ich die Kompaktheit der short stories von Cornell Woolrich. Ich hoffe, dass meine Eröffnungskapitel einst so gut sein werden wie die von Stuart Kaminskys Serie um Lew Fonesca. Und ich glaube, dass mich Manotti, Manchette und Pouy zu lesen stark beeinflusst hat. Aber meine Erzählschule ist auch viel und deutlich Film.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Wie oben. Viele. Sehr viele. Und die Liste ist auch einem ständigen Wechsel unterworfen. Nicht ganz wahllos:

Stephan Heym: Der Fall Glasenapp

Else Lasker-Schüler: Meine Wunder

Denis Diderot: Jacques le fataliste et son maitre

Nadine Gordimer: July´s People

Alice Walker: In Search of our Mother´s Gardens

James Ellroy: American Tabloid

Ernst Toller: Eine Jugend in Deutschland

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Wenn Zeit da ist, wird geschrieben. Oder gelaufen. Dann ist die Zeit nicht mehr frei.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Besser werden. Bessere Bücher schreiben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Ohne Publikum gibt es keine Bücher.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Bleibt neugierig.


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