Interview mit Jens Bühler

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :)

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Jens Bühler, ich lebe mit meiner Frau und Kindern in der Nähe von Mainz. In früheren Jahren hatte ich mir fest vorgenommen, niemals alt zu werden. Der Plan muss als gescheitert angesehen werden. Mittlerweile bin ich siebenundvierzig und es steht zu befürchten, dass es auch nicht mehr besser wird. Ich arbeite seit etwa zwanzig Jahren als Polizeibeamter in Frankfurt am Main. Das wird auch nicht mehr besser :)

Seit wann schreibst du?

Das kann ich kaum beantworten. Ich habe in der Vergangenheit immer mal versucht etwas zu Papier zu bringen. Habe es allerdings jedes Mal wieder verworfen. Ernsthaft habe ich vor etwa vier Jahren mit dem Schreiben angefangen.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Eigentlich wollte ich immer Drehbücher schreiben. Allerdings ist das ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Selbst wenn man ein wirklich gutes Drehbuch zustande bringt, kann man sich das Porto sparen, um es einzusenden. Da ich aber meine Geschichten trotzdem gerne anderen „zeigen“ wollte, blieb mir nur der Roman als Medium.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Nachdem ich meinen ersten Roman veröffentlicht habe.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bis jetzt zwei. Mein erstes Buch ist ein Endzeitthriller („Reset“). Mein zweiter Roman („Geister“) ein Krimi. Im Mai 2017 wird mein dritter Roman erscheinen. Dabei handelt es sich auch um einen Krimi („Mit allen Mitteln“)

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Für einen Krimi hält sich der Recherche Aufwand in Grenzen. Aber für meinen Roman "Reset" musste ich mir vor allem im Bereich Biologie und Genetik einiges anlesen.Bei der Recherche begehen viele Hobbyautoren einen entscheidenden Fehler. Oft lese ich Romane an, bei denen man bereits auf den ersten Seiten merkt, dass der Autor keine ernsthafte Recherche betrieben hat. Vielleicht denken diese Autoren wie folgt: Wenn ich mir ohnehin alles ausdenke, dann kann ich auch die wissenschaftlichen-, medizinischen-, polizeilichen Aspekte (usw.) meiner Geschichte erfinden. Ein großer Irrtum. Angenommen eine Geschichte spielt in einem Krankenhaus in dem ein Monster sein Unwesen treibt. Das Monster irreal sind, weiß jeder Leser. Also könnte man behaupten, dass es keine Rolle spielt, wenn das Krankenhaus ebenfalls zu hundert Prozent der Fantasie entspringt. Ist ja sowieso alles erfunden. Wenn man so schreibt, dann wird der Leser einem die Geschichte nicht abkaufen. Es gibt zwar keine Monster, aber es gibt Krankenhäuser. Ein Krankenhaus ist also etwas reales, das der Leser kennt. Daher hat er auch eine Vorstellung davon, wie es in einem Krankenhaus aussieht, wie es dort riecht, wie die Patienten sich verhalten oder die Krankenschwestern sich miteinander unterhalten. Und weil der Leser diese Vorstellung hat, hat er auch eine Erwartung. Wenn der Autor diese Erwartung nicht erfüllt, wird der Leser die Geschichte für langweiligen Unfug halten („Jetzt kommt auch noch so ein dämliches Monster. Was für ein Käse.“). Erfüllt der Autor die Erwartung, versetzt es den Leser in das Krankenhaus. Das Bühnenbild wird plötzlich echt und das ganze Szenario glaubhaft. Jetzt stört auch das Monster nicht mehr. Da die vom Autor erschaffene Welt als real wahrgenommen wird, wird erstaunlicherweise auch das Monster als wirklich akzeptiert (natürlich gilt das nur für Leser, die solche Geschichten mögen).

Um das Krankenhaus zum Leben zu erwecken, muss man also recherchieren. Nun könnte man glauben, dass dann z. B. eine Ärztin die in einem Krankenhaus arbeitet als Autorin einer solchen Geschichte klar im Vorteil ist. Bis zu einem gewissen Punkt stimmt das. Aber nun besteht die Gefahr, dass es zu real wird. Das wird dann besonders deutlich, wenn man sich einen Polizisten vorstellt, der einen Krimi schreibt (Also mich :) ). Ich weiß, wie Polizisten reden, wie sie sich verhalten, wie ermittelt wird oder eine Observation abläuft. Wenn ich das aber genauso schreibe, wird der Leser meine Welt nicht als echt empfinden. Warum nicht? Weil ich die Vorstellung und die Erwartungen des Lesers nicht bediene. Wenn der Leser kein Polizist ist, wird seine Vorstellung von Polizeiarbeit nämlich nicht der Realität entsprechen. Sie ist vielmehr durch den Konsum von Krimis entstanden (egal ob Buch oder Film).In meinem Roman „Reset“ unterhält sich ein Fahnder mit einem Kollegen der Mordkommission. Die beiden kennen sich nicht. Trotzdem duzen sie sich von Anfang an. Der Ton ist ziemlich rau. Eine Leserin hat mir geschrieben, dass ihr der Roman gefallen hat. Allerdings habe es sie gestört, wie sich die Polizisten miteinander unterhalten. Das hätte ich authentischer darstellen sollen.Tja, das Problem war, das es zu authentisch war. In Frankfurt duzen sich alle Kollegen bis hin zum Kommissariatsleiter. Zu real ist also auch nicht gut. Aber wie heißt es? Wie man es macht... Jetzt bin ich ein wenig vom Thema abgewichen. In meinem Aufsatz ging es mehr um den richtigen Grad der Authentizität und weniger um die Recherche. Wobei die Themen natürlich zusammenhängen.So, jetzt habe ich aber wirklich genug mit meinen Weisheiten genervt.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich habe keinen Lieblingsort. Einzige Voraussetzung: Es muss möglichst still sein.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nö. Bei mir entspringt alles aus dem Chaos. Das treibt mich selber in den Wahnsinn, aber anders bekomme ich es nicht hin. Zum Beispiel kann ich eine Geschichte nicht wirklich planen. Die „guten“ Ideen kommen mir immer erst,

wenn ich den halben Roman schon fertig habe. Das einzige feste Ritual das ich habe, ist, dass ich ständig alles umschreiben muss.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Im Sommer 2017 werde ich einen Alternativwelt-Thriller herausbringen. Der Titel lautet: Der letzte Wohnsitz Gottes. Der Roman ist fast fertig und wird in den nächsten Wochen ins Lektorat gehen.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Das kann ich nicht beantworten. Vermutlich schon, aber nur unbewusst.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Mein absoluter Lieblingsautor ist Kurt Vonnegut. Mein Lieblingsbuch ist ebenfalls von Vonnegut („Hokus Pokus oder Wohin so eilig“).Franz Kafka schätze ich auch sehr.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schlafen. Kein Witz. Wie sich doch alles im Alter ändert.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Mein größter Wunsch ist der, den alle Eltern haben. Das es meinen Kindern in Zukunft gut gehen wird. Was mich selber angeht, würde ich gerne mal Urlaub in Neuseeland machen. Keine Ahnung warum, aber das Land zieht mich an.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Nur durch das Feedback von Lesern, kann man herausfinden, was man gut und was man schlecht gemacht hat.Und da ich nicht Stephen King bin und 30.000 E-Mails am Tag bekomme, kann ich auch jede beantworten.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Lebe lang und in Frieden.


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