Interview mit Rudy Namtel

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Nicht viel. Gemein? Ich denke, weniges muss reichen.

Ich habe eine Familie, zwei Kinder, und lebe in einem hessischen Dorf, wohin es mich nach meinem Studium aus beruflichen Gründen verschlagen hat. Jedoch bin ich immer der gebürtige Westfale geblieben. Das wird sich wohl auch nie ändern.

Seit wann schreibst du? 

Seit 1980 – was aber nicht gleichbedeutend mit dem Veröffentlichen von Büchern ist.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen? 

Nach einer längeren Reise geisterte mir eine Geschichte im Kopf herum, die ich unbedingt für mich zu Papier bringen wollte. Diese Geschichte begleitete mich über viele Jahre und formte sich – bis sie schließlich rund war und ich sogar zur Entscheidung kam, andere an der Story teilhaben zu lassen.

Schnelle Erfolge mit klassischen Short Stories bei Droemer-Knaur-Wettbewerben - meine beiden ersten Teilnahmen führten mich trotz der zahlenmäßig enormen Teilnehmerzahl direkt in das Gewinnerfeld der beiden Wettbewerbe - gaben mir den finalen Ansporn.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Als ich erkannte, dass ich zielorientiert und unter zeitlichen Produktionsbedingungen Geschichten formen konnte. Das war in der Zeit der Erfolge bei den Droemer-Wettbewerben.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

In ungefährer zeitlicher Sortierung: 

- „Signale“ – Eine Reise-Erzählung.

- „Das Herz des Potts schlägt am Kanal“ – Kurzgeschichten aus dem nördlichen Ruhrpott.

- „Nebelmann“ – Eine mystische Novelle von der Insel Wangerooge. Im Kleid einer vermeintlichen Horrorgeschichte verbergen sich die Geschichten zweier Lieben.

- „Dragos Blutspuren“ – Eine Vampir- und Movie-Persiflage in Form von vier lose zusammenhängenden Short Stories über Drago Sanghetti, einem Vampir-Cop. (Auch in am.-englischer Sprache als „Nights Of Blood“.)

- „Summertime Blues In Love“ – Kurzgeschichtensammlung der eher vergnüglichen Art. Oder auch fürs Herz.

- „Vandark“ – Sieben Horror-Short-Stories eingebettet in eine achte als Rahmenhandlung.

- „Krimi-Reise Reloaded“ -  Sieben Kurzkrimis.

- „Descriptio Loci“ – Roman mit starken Krimi- und leichten Thriller-Elementen. Die Handlung reicht bis ins Mittelalter zurück.

- „Watt-Grab“ – Roman. Ein Wangerooge-Krimi.

- „Entscheidung in Taos County“ – Roman (zusammen mit Jennifer Jones-Joyce). Eine (Zeit-)Reise in die USA mit Musik-, Krimi- und finalen Esoterik-Elementen. Die Hippie-Bewegung damals und mit ihren Resten in der Gegenwart steht im Zentrum. Es ist schwerpunktmäßig kein Krimi.

- „Tunneljagd“ – Roman. Die Science-Fiction-Elemente entführen den Leser in ein verblüffendes logisches Konstrukt. Auch (oder gerade) für Nicht-SF-Fans sehr zu empfehlen. Thrill-Elemente prägen die Jagd, dominieren aber nicht das Geschehen. Ein Kriminal-Inspector versucht, in London Licht in zwei Todesfälle zu bringen und stößt auf unerklärliche Fakten. Und dennoch versteht sich der Roman nicht als Krimi. Überraschend? – Lesen.

- „Besuch zur Nacht“ und „S-Bahn-Stories“ –Geschichtensammlungen. Eine Art genreübergreifendes Best Of aus den Short-Story-Collectionen, wobei „Besuch zur Nacht“ ausschließlich Krimi- und Horror-Stories beinhaltet und „S-Bahn-Stories“ all diese und darüber hinausgehend zusätzliche Geschichten aus anderen Genres.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, im Allgemeinen sehr intensiv. In meinem Verständnis gehört das zwingend zum Handwerk.

„Descriptio Loci“ greift mittelalterliche Vorgänge und Ereignisse in der Schweizer Geschichte auf. Ich lernte einiges – insbesondere über die Zeit der Reformationskriege in der Schweiz.

„Nebelmann“ und auch „Watt-Grab“ setzten sehr genaue Kenntnisse über den historischen und auch aktuellen Werdegang der Insel Wangerooge voraus. (In „Watt-Grab“ spielt die Insel in ihrer gegenwärtigen Entwicklung eine entscheidende Rolle.)

Für „Entscheidung in Taos County“ stieg ich sehr tief (häufig Tag-genau) in die Geschehnisse der 60er Jahre speziell in San Francisco sowie die Örtlichkeiten im Südwesten der USA ein. 

Bei „Tunneljagd“ kam mir mein Studium der Mathematik stark zugute.

Selbst in den meisten Short Stories kommen ausgeprägte Recherche-Elemente zum Tragen. Beispiele: „Mauerblümchen“ (in „Das Herz des Potts schlägt am Kanal“) greift ein Ereignis vom 17. Juni 1968 in der Stadt Datteln fast minutiös auf. „Stewarts Geheimnis“ (in „Krimi-Reise Reloaded“) machte mich mit der „Unterwelt“ von Edinburgh vertraut, noch bevor ich sie tatsächlich selbst besuchen konnte (was zwischenzeitlich passiert ist). „Runde Fünfzehn“ (in „Summertime Blues In Love“) erforderte sehr genaue Kenntnisse der Nürburgring-Nordschleife, wie sie 1965 existierte. Und in meinem fast leichtfüßigen „Nichts“ (im selben Buch; von einigen wird dieses Kurzessay als ein literarisches Glanzstück bezeichnet) steckte tatsächlich eine verdammte Menge an vorausgehender Recherche drin.

Wo schreibst du am liebsten?

Der Ort ist ziemlich egal – Hauptsache, es lenkt mich nichts ab. Manchmal wechsle ich auch bewusst den Ort, z.B. von meinem Arbeitszimmer ins Wohnzimmer, um die Atmosphäre zu verändern, wenn sie mir „zu eingefahren“ vorkommt. Nur eines ist wichtig: So gern ich auch Musik höre – beim Schreiben darf sie nicht laufen. Ich brauche Ruhe. Ein eingeschalteter Fernseher im Wohnzimmer, falls jemand anderes anwesend ist und schaut, stört mich dagegen nicht. Ich ignoriere dann die Kulisse. Eigenartig.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

1. Eine Geschichte, die auf und um Wangerooge spielt, steht in den Schreibstartlöchern. Das erste Kapitel ist da – ich stehe also noch sehr weit am Anfang. Einen Cover-Entwurf habe ich allerdings schon via Facebook veröffentlicht – jedoch noch ohne den bereits geplanten Titel. Aber um schnelle Erwartungen zu bremsen: Das wird noch seine Zeit benötigen. Ob es ein Krimi wird? Vielleicht – vielleicht auch nicht. ;-)  

2. Ein Krimi, der Geschehnisse in Wiesbaden und dem Taunus aufgreift, ist bereits weiter vorangeschritten. Geplanter Veröffentlichungstermin: in diesem Herbst.

Darüber hinaus befindet sich ein weiteres Krimi-Abenteuer in Arbeit, das allerdings unter einem Pseudonym erscheinen wird.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Dan Brown hatte einen Einfluss auf die Entstehung von „Descriptio Loci“ – aber das war es dann auch schon. Wobei der Einfluss lediglich thematisch und nicht bezogen auf den Stil zu verstehen ist.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Es gibt keine. Stark geprägt hat mich damals der Herr der Ringe, den ich kurz nach Beendigung meines Studiums in der Original-Sprache gelesen hatte. Aber deswegen erhebe ich es nicht zu meinem Lieblingsbuch oder Tolkien zu meinem Lieblingsautoren. Die ersten Bücher von Dan Brown haben mich sicherlich beeinflusst, wie man an „Descriptio Loci“ erkennen kann – aber auch hier bin ich von „Liebling“ weit entfernt. Allerdings stehen meine Bücherregale voll. Alles gelesen, das meiste gern. Aber die Bücher variieren in ihrem Charakter und Stil sehr stark.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Musik. Ich höre und spiele sie gern. Meine Instrumente sind die Gitarre, die Mundharmonika in Form der Blues Harp und das Keyboard. Ach ja – und meine Stimme. (*lach*) Seit drei Jahren lasse ich in der Formation Still Got The Rock alte Rock-, Blues- und Pop-Atmosphäre wiederauferstehen.

Fahrradfahren. Es ist schon erstaunlich, wie wichtig diese sportliche Betätigung in den letzten Jahren für mich geworden ist. Es ist an die Stelle des Motorradfahrens getreten, das ich über all die Jahre sehr intensiv betrieben habe.

Jetzt vermissen einige vielleicht „Bücher lesen“. Stimmt – ich lese mittlerweile relativ wenig. Lieber lehne ich mich zurück und entwickle Gedankengänge für neue Geschichten, was sehr zeitaufwändig sein kann. Der Start zu einem neuen Roman kann durchaus Wochen oder gar Monate reiner Gedankengänge erfordern. Mir geht die Stimmigkeit und Qualität des Plots über die Output-Menge.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Es gibt keine wesentlichen Wünsche oder Träume, die über die grundlegenden Wünsche für die Familie und die eigene Gesundheit hinausgehen. Oder vielleicht doch – mögen mir die Ideen nie ausgehen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig, weil auch ein Autor eine Publikumsreaktion spüren will, die über die reinen Verkaufszahlen hinausgehen. Genauso wie ein Schauspieler oder Musiker den Schlussapplaus genießt – oder ihm auch Kritik entnehmen kann.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ja, mag ich. Ihr seht an meinen Antworten und Werken, dass man mich eher schwer einem bestimmten Genre zuordnen kann – zumindest, wie sie von vielen verstanden werden. Selbst einzelne Bücher von mir passen nicht unbedingt in ein klar definiertes  Genre. Das gilt nicht für alle Werke, aber doch für manche. Ich schreibe, was mir höchst-interessant erscheint – und sprenge oder ignoriere dabei sehr gern irgendwelche vermeintlichen Grenzen. Das muss nicht jedem Leser gefallen. Aber wer sich darauf einlässt, wird sein Vergnügen daran finden.


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