Interview mit Rich Schwab

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Kurz? Mit 67 ...?!? Okay, ich versuch’s. Ich bin also Jahrgang 1949 und ’ne kölsche Jung. Mit 4 wollte ich schon Musiker werden (wenn auch Trompeter); das gelang mir erst mit 20, nachdem ich das Gymnasium, eine Lehre als Musikalienhändler und eine kurze, aber steile Karriere in der Hotellerie abgebrochen hatte – ich wurde Bassgitarrist. Um Musiker bleiben zu können, musste ich aber in etlichen Jahren danach den größten Teil meines Lebensunterhalts mit allen möglichen McJobs bestreiten – Erfahrungen in den unterschiedlichsten Arbeitswelten, die mir dann Jahrzehnte später auch als Autor natürlich recht nützlich waren. In meiner Freizeit saß ich entweder an Kneipentheken oder über Büchern – ich bin eine Leseratte, seit ich aus dem Vorgelesen-Bekommen-Alter raus bin.

Seit wann schreibst du und wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Nachdem ich all die Jahre nicht viel mehr als Songtexte und gelegentlich Tagebücher geschrieben hatte, weckte Anfang der 90er die erfolgreiche erste Regional-Krimi-Welle meinen Ehrgeiz – die waren teilweise so einfach gestrickt und verfasst, dass ich dachte, das könne ich ja wohl auch. Setzte mich hin und schrieb meinen ersten Roman (Nie wieder Apfelkorn). Der vielleicht nie fertig geworden wäre, hätte ich nicht an einer dieser Theken einen jungen Verleger getroffen – er zeigte Interesse an meinen ersten 30 Seiten, bekam sie zu lesen ... und hielt mir einen Vertrag vor die Nase, inklusive Abgabetermin. Ein kleiner Honorarvorschuss verschaffte mir die Zeit und Ruhe, den Abgabetermin einzuhalten. Das Buch wurde ein Überraschungserfolg, und weil mir der Protagonist längst ans Herz gewachsen war und das Schreiben mir ein Riesenvergnügen machte, kündigte ich ein paar Folgebände an. Aus verschiedenen Gründen dauerte es neun Jahre, bis der zweite Band (Eine Alte Dame Ging Hering) fertig wurde und bei einem zweiten Verlag (den ersten gab es plötzlich nicht mehr) erscheinen konnte. Der veröffentlichte im gleichen Jahr (2001) auch eine Abhandlung oder Glosse über das Versacken (man soll ja über das schreiben, was man kennt, hat Hemingway gefordert). Leider waren beide Bücher längst nicht so erfolgreich wie das erste – vier Jahre später erschien Band 3 (Perlen vor die Schweine) in einem dritten Verlag. Auch kein Erfolg, trotz heftiger Lesetouren (allerdings weniger durch Deutschlands Buchläden – Lesen macht einen trockenen Hals, und ein Bier ohne Zigarette dazu schmeckt nicht so

gut, also lese ich lieber in Kneipen). Danach hatte ich erst mal genug von Verlagen; es sollte allerdings dann elf Jahre dauern, bis Band 4 (Paaf!) endlich fertig war und ich 2016 zum Self-Publisher avancierte. Was jedoch ohne die unschätzbare Hilfe von Friedel Muders’ Vertriebsfirma Fuego wahrscheinlich längst nicht so gut geklappt hätte.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?

Erstmals ab dem Moment, in dem die Figuren im ersten Roman ihr Eigenleben begannen und ich ihnen begeistert folgen durfte. Dann, als die ersten lobenden Feedbacks – und die unverhofften,erfreulichen Verkaufszahlen eintrudelten ...

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

s.o. Darüber hinaus bin ich in diversen Anthologien und Magazinen mit Kurzgeschichten vertreten. Und auf Brötchentüten. Mehr dazu findet man natürlich auf meiner Website www.richschwab.de.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Na, sicher doch. Ich habe zahllose Stunden in Zeitungsarchiven verbracht (vor allem in Vor-Google-Zeiten). Heute ist das Internet natürlich eine hilfreiche Quelle, aber ich lese auch Sachbücher zu meinem jeweiligen Thema und befrage Zeitzeugen.

Wo schreibst du am liebsten?

Entweder am Mac, also am Schreibtisch in meinem Arbeitszimmer, oder auf dem iPad im Garten. Sitze aber gerne auch schon mal in Kneipen oder Biergärten und kritzele DIN A5-Notizblöcke voll. Allerdings wird meine Handschrift immer schlechter, weil Ungeübter, und selbst für mich unleserlicher.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Es gibt Phasen, da setze ich mich nur an ein Manuskript, wenn mir etwas eingefallen ist (oder mich irgendetwas inspiriert hat), und es gibt Phase, wo ich mich diszipliniert sechs bis zehn Stunden ranhalte; meistens dann, wenn es einfach fließt. Oder ein

Abgabetermin näher rückt.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Es liegen fünf bis sechs angedachte oder angefangene Romanprojekte auf der Festplatte. Am wahrscheinlichsten werde ich mich wohl bald dem fünften Band der Büb-Klütsch-Reihe widmen. Aber die Prioritäten ändern sich da häufig – das Lustprinzip ist mir recht nah. Außerdem haben mich kürzlich zwei verschiedene Leute gefragt, ob ich nicht ihre Biographie schreiben wolle ...

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Alle, die ich je gelesen habe. Entweder, weil sie mich so begeistert haben, oder weil ich beim Lesen dachte, das würde ich aber andersmachen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Die würden eine kilometerlange Liste füllen. Von Jack Londons »Wolfsblut« bis zu den Krimis von Chandler über Ross Thomas bis Robert B. Parker oder Don Winslow, von Henry Millers »Sexus« bis Doris Lessings »Das Goldene Notizbuch« oder Margaret Atwoods »Räuberbraut«. Nicht zu vergessen William Goldmans »Brautprinzessin«. Oder den »Herr der Ringe«. Oder die Krimis von Wolf Haas. Oder ... und ... oder ... oder ...

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Mein Leben als Musiker und Autor ist Freizeit. Wenn ich beides gerade mal nicht so sehr bin, sitze ich gerne rum. Mal lesend, mal Kräutertee, mal Bier trinkend. Immer rauchend. Oder ich streune mit dem Hund durch die Felder. Einkaufen und Kochen tu ich auch gerne – da ist ja auch noch die Familie.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Einen gut gefüllten Jackpot abräumen, ein Dorf in einer idyllischen Landschaft kaufen – und mit drei, vier, fünf Dutzend Freunden und Verwandten dort leben. Angesichts meines Alters fürchte ich, es muss auf jeden Fall ein Arzt und ein Altenpfleger dabei sein. (Und natürlich können das auch Freundinnen, Ärztinnen und

Altenpflegerinnen sein. Sehr gerne sogar.)

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich kenne nicht einen Autor – zumindest persönlich –, dem das gleichgültig wäre. Es ist ja nicht nur so, dass positives Feedback einen aufbaut und motiviert, weiterzuschreiben, auch von Kritik kann man profitieren, weil lernen, und sei es durch eine völlig andere Sichtweise auf die eigenen Texte. Damit meine ich allerdings nicht die leider recht verbreitete Unsitte,die Möglichkeit der Kundenrezension für heftigste oder gar beleidigende Verrisse zu missbrauchen; Verrisse, die häufig den Verdacht aufkommen lassen, dass das »rezensierte« Buch nicht einmal mehr als flüchtig gelesen wurde. Vom in vielen dieser Fälle erschreckend eigenwilligen Umgang mit Rechtschreibung und Grammatik mal ganz abgesehen (hat eigentlich schon mal jemand den Zusammenhang untersucht zwischen der Neigung, mit Hasskappe unterwegs zu sein und die eigene Sprache zu verhunzen...?).

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Über das, was in meinen Büchern steht, hinaus? Hm. Lest. Lest viel. Lest mit Vergnügen. Interessiert Euch für andere Genres. Blickt über Eure Tellerränder, beim Lesen und im Leben. Stöbert und schmökert auch abseits der Bestsellerlisten. Honoriert die Arbeit von AutorInnen angemessen – Geiz ist nicht geil. Stellt Euch vor, es gäbe auf einmal keine neuen Bücher mehr, weil niemand mehr vom Schreiben leben kann.


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