Interview mit Thomas Schweres

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten :) 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

38 Jahre alt, gefangen im Körper eines Mittfünfzigers. Haupteigenschaften sind die Neugierde, Freude am Risiko und eine gewisse Zappeligkeit, auf neudeutsch würde man das wohl Hyperaktivität nennen. Also wie gemacht für den rasenden Reporter (6 Punkte Flensburg) und den Krimiautor. Ich kann gut lesen und schreiben, aber schlecht rechnen. Dankbar  bin ich für drei gut geratene Söhne und meine volle Haarpracht - also nichts, zu dem ich nenneswert  beigetragen habe. Ich koche den besten Kaffee der Welt, das ist aber eine Mindermeinung. Die Frauen lieben mich. Punkt.  

Seit wann schreibst du?

Ich habe meine Eltern bereits mit fünf Jahren genervt, weil ich immer unbedingt wissen wollte, was im Abspann der Vorabendkrimis und Cowboy-Filme im TV stand. Die Buchstaben habe ich dann nachgemalt. Als ich in die Schule kam, konnte ich lesen und in Druckschrift schreiben. Ich war schon später Mittzwanziger, da erschien mein erster Artikel in einer Szenezeitschrift, es ging um die Nöte von Langzeitstudenten ... Seitdem lebe ich vom Schreiben, seit jetzt dreißig Jahren.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Sommer 2013, Saure-Gurken-Zeit, keine Aufträge für TV-Drehs. Eigentlich könntest Du doch mal einen Krimi schreiben. Zaghaft losgelegt, bis der Zug Fahrt aufnahm und ich nicht mehr abspringen konnte. Nach vier Wochen war das Manuskript fertig. Unsicherheit. Freunde lesen lassen. Dran rumgefeilt. Kurz vor Weihnachten an drei Verlage verschickt. Bei Grafit durch den TÜV gekommen, Anfang Januar 2014 Buchvertrag unterschrieben. Und so weiter.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Schon mit zwölf Jahren. Da habe ich einen Artikel über Hemingways abenteuerliches Leben gelesen und gelernt, dass man als Schriftsteller nicht durchgeistigt im Elfenbeinturm sitzen muss. Da Ernest auch als Reporter angefangen hat, habe ich ihm nachgeeifert. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Abtaucher Grafit Verlag 2014, 

Die Abräumer Grafit Verlag 2015

Die Abdreher Grafit Verlag 2016

Die Abbieger Grafit Verlag 2017

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

In meinen Büchern gibt es viel „true crime“. Die Rahmenhandlung ist natürlich fiktiv, aber darin stecken oft leicht abgewandelte reale Fälle, die ich recherchiert habe. Mit Einzelheiten, die mir als TV-Reporter vor der Kamera niemand offiziell bestätigen will, die daher nicht im Fernsehen gesendet werden können. Da hat es der Krimi-Autor einfacher, er muss nichts belegen. Manchmal ist es aber auch umgekehrt: In ‚Die Abbieger‘ wird der Chef von Straßen.NRW entführt. Die wahre Chefin dieses für Staus zuständigen Landesbestriebs hat mir zu einem Detail, das ich mir nun wirklich ausgedacht hatte, gesagt: „Natürlich ist das so. Das haben Sie doch recherchiert!“

Wo schreibst du am liebsten?

An der frischen Luft. Bei angenehmen Temperaturen auf der überdachten Terrasse. Im Winter drinnen am Schreibtisch. Aber immer ohne Zeugen. Das Schauspiel, wie ich mit zwei Fingern in die Tasten haue, dabei vor mich hin brabbele oder meine Protagonisten anschreie, möchte ich Café-Besuchern nicht bieten. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Wenn es mich einmal gepackt hat, ich die Geschichte grob im Kopf habe, bin ich kaum noch von der Tastatur zu trennen. Außer vom "P", das ist dabei schon mal draufgegangen. Ich brauche dann kein Essen und kaum Schlaf. Nur starken schwarzen Kaffee. Viel Kaffee. Richtig viel Kaffee.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja und nein. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Mit acht Jahren Karl May. Während des Studiums die deutsche und angloamerikanische Literatur des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Thomas Mann für die langen und Ernest Hemingway für die kurzen Sätze. Unter den aktuellen Autoren finde ich Bernhard Aichners Stil sehr interessant.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ach, da fallen mir so viele ein, das wechselt und ergänzt sich auch. Es wäre unfair, einzelne hervorzuheben.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit im klassischen Sinne habe ich kaum, das mischt sich. Mindestens zwölf Stunden pro Tag verbringe ich in der Redaktion, auf Drehs für TV-Berichte oder im Auto. Schlafen muss ich auch. In der  restlichen Zeit lese ich Zeitschriften, Bücher oder facebook, sehe mir im TV Krimis an. Oder Fußball. In der Schreibphase fällt das weg, da ist mir sogar der S04 egal. Sonntags treibe ich Sport. Da laufe ich um einen See herum. Fast 5! Kilometer. Zu Fuß! 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Irgendwann mal soweit zu sein, nur noch lesen und schreiben zu dürfen. An einem Strand vor der Villa von Ian Fleming, die ich dann gekauft hätte. Unter Palmen, ein Mojito in greifbarer Nähe. Aber wahrscheinlich würde mir dabei schnell langweilig und ich käme auf dumme Ideen. Was dann passieren kann, hat man ja bei Keith Richards gesehen….  

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Wofür mache ich das Ganze denn? Wenn mir egal wäre, was meine Leser und Folger davon halten, könnte ich die Manuskripte ja in der Schublade liegen lassen. Am besten funktioniert dieser  Austausch natürlich bei Lesungen, aber auch über Kommentare auf meinen Facebook-Seiten und Rezensionen freue ich mich. Und antworte auch.

Lieber Thomas, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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