Interview mit Jörg Maurer

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Ja, klar, das mache ich gerne, gar kein Problem, obwohl ... Ich hÀtte auch ganz gerne mal eine Frage beantwortet: Wie wurden eigentlich die sanitÀren VerhÀltnisse im Inneren des Trojanischen Pferd gelöst? Diese Frage treibt mich schon ewig um.

Magst du den Lesern kurz etwas ĂŒber dich erzĂ€hlen?

Ich habe, wie jeder anstĂ€ndige Autor, schon viele Berufe gehabt: Krankenpfleger, Deutschlehrer, Koch, Wirt, Musiker, Coach, Kabarettist, Regisseur, WĂŒrstlverkĂ€ufer (1965 im örtlichen Freibad), Theaterdirektor, Schankkellner, Dozent, Schauspieler, Kunstturntrainer, SĂ€nger, Klavierspieler, Statist, KartenverkĂ€ufer.

Seit wann schreibst du?

Gut, dass du mich das fragst! So etwas wie Kurzgeschichten, TheaterstĂŒcke, Lieder und Kabarettszenen schreibe ich eigentlich schon immer, aber mit den Romanen habe ich vor zehn Jahren angefangen. Oder meinst du heute? Dann lautet die Antwort: seit 9:30 Uhr.

Wie bist du zum BĂŒcher schreiben gekommen?

Ich war vor zehn Jahren schon wieder einmal WĂŒrstlverkĂ€ufer (2006 in meinem Theater "Jörg Maurers Unterton"), da habe ich mich entschlossen, bei einem Kurzgeschichten-Wettbewerb teilzunehmen, den der S. Fischer-Verlag ausgeschrieben hat. Ich habe da zwar nicht den ersten Preis gewonnen, aber eine Verlagsvertreterin ist auf mich zugekommen und hat mir angeboten, etwas zu veröffentlichen. Ich so: "Kurzgeschichten? Kabarettszenen? Liedtexte? Da hĂ€tte ich schon was in der Schublade!" Die Lektorin so: "Ich dachte eher an einen neuen Roman als an eine alte Schublade." Ich: Schwitz. – Aber nach einem halben Jahr war der Roman fertig. So ist es gekommen.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, weiß ich das auch heute noch nicht richtig. So schnell man Autor wird, so schnell kann es auch wieder vorbei sein. Und beides ist ĂŒberraschend, wobei die erste Überraschung natĂŒrlich die schönere ist.

Welche BĂŒcher hast du bisher veröffentlicht?

Neun Kriminalromane. Zwei SachbĂŒcher.

Hast du fĂŒr deine BĂŒcher recherchiert?

Freilich, das bleibt nicht aus. Vor allem bei den SachbĂŒchern. Bei den Romanen kann man ziemlich viel erfinden, aber eben auch nicht alles. Die Dienstwaffe der Bayrischen Polizei ist die Heckler & Koch P7, und nicht die Walther. Wenn man das falsch hinschreibt, ist der Krimi-Leser ziemlich sauer.

Wo schreibst du am liebsten?

Überall. Ich habe keinen festen Platz. Im CafĂ© oder im Zug schreibe ich sehr gern. Aber auch draußen unter freiem Himmel, vor allem bei Föhnwind. Oder kurz vor einem Gewitter. Oder bei brĂŒllender Hitze. Wenn ich es mir recht ĂŒberlege, schreibe ich am wenigsten am Schreibtisch.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein, das habe ich mir nie angewöhnen können. Wenn mir was einfĂ€llt, dann schreibe ich es auf, wo und wann auch immer. Das fĂŒhrt natĂŒrlich dazu, dass man auch viele Ideen aufschreibt, die dann nie verwirklicht werden.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja, das habe ich. Ich will einmal einen Fantasy-Roman versuchen. Da habe ich auch schon ein paar Ideen. Aber sie reichen nur etwa bis Seite 157.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Da gibt es mehrere. Gelernt, abgeschaut, gefleddert & geklaut habe ich hauptsĂ€chlich bei Arno Schmidt, dem grimmigen Meister der literarischen Hochkomik. Seine nihilistische Weltsicht schĂ€tze ich seit meiner Jugend, sie ist dem bayrischen 'Granteln' sehr verwandt. Innerhalb des Krimigenres wiederum beuge ich mein Haupt vor Raymond Chandler. "Über der himmelblauen Gabardinehose trug er eine zweifarbige Freizeitjacke, die an einem Zebra widerlich ausgesehen hĂ€tte." Das muss einem erst mal einfallen.

Was sind deine LieblingsbĂŒcher und Lieblingsautoren?

Das wechselt. Man ist immer Sklave des Buches, das man gerade liest. Zur Zeit lese ich den "Radetzkymarsch" von Joseph Roth. Ich mag alle BĂŒcher von ihm. Eigentlich alle BĂŒcher von österreichischen Autoren zwischen 1908 und 1923. Eigentlich alle BĂŒcher.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Kochen (außer WĂŒrstl). Lesen. HörbĂŒcher hören. Wandern. Reisen. Schwimmen. Musik hören.

VerrĂ€tst du einen deiner WĂŒnsche fĂŒr deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfĂŒllen möchtest?

Nein.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Bei Lesungen erfahre ich viel, aber auch durch Leserzuschriften. Letzte Woche hat mich ein Leser auf der Straße angesprochen und mir gesagt, dass ihm die BĂŒcher grĂ¶ĂŸtenteils gut gefallen. Manches fĂ€nde er zwar ein bisschen ĂŒbertrieben, aber das meiste lĂ€se er mit Genuss. (Wie sich herausstellte, hat er mich zwar mit Martin Walser verwechselt, aber es war trotzdem interessant.)

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, wenn vielleicht einer von den Lesern weiß, wie das mit den sanitĂ€ren VerhĂ€ltnissen im Trojanischen Pferd funktioniert hat, soll er sich bei mir melden.  


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