Interview mit Oliver Ménard

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Aber natürlich - schon geht es los: Ich kann zweiundzwanzig Energydrinks mit verbundenen Augen unterscheiden (Viel schwieriger, als jemand vermuten mag). Ich bevorzuge Zigarillos der Marke Partagas und könnte ohne Unterbrechung eine ganze Schachtel am Stück rauchen, wenn ich vorher nicht gestoppt werde. Kalte Duschen nerven mich. Langsame Autofahrer auch. Und Recyclingbeutel im Supermarkt, die mir ständig reißen (es ist immer wieder demütigend, danach die ganzen Einkäufe auf der Straße einzusammeln, während mich die Verkäuferinnen durch die Scheiben anlachen). 

Seit wann schreibst du? 

Ich bin ja auch Journalist - also, daher sind es wahrscheinlich Jahrzehnte, wenn wir allgemein über das Schreiben reden.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Als ich die Geschichten, die ich gerne lesen wollte, nicht gefunden habe, musste ich sie eben selbst schreiben. Und da sind sie nun ...

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Gar nicht. Es gibt kein Datum. In dieser Frage schwingt die Suche nach einem großartigen Moment mit, der womöglich in einer Sekunde ein ganzes Leben auf den Kopf stellt. Den gibt es nicht. Es ist einfach geschehen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Federspiel", "Das Hospital" und "Eine mörderische Masche" (Ein Shortie in der Droemer Anthologie von 2015).

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Aber selbstverständlich: Ich habe Körper über Dächer geschleppt, um eine Entführunssituation zu überprüfen. Ich habe Menschen in Kontrabasskoffern eingesperrt, um die Methodik meines Mörders zu checken. Wochenlang habe ich mit meinem Lieblingsfleischer Experimente an gefrorenem Fleisch vollzogen, und, und, und ...

Vor ein paar Wochen bin ich im Neoprenanzug in den Wassertank einer unterirdischen Anlage abgestiegen, weil ich ein paar Details für mein nächstes Buch brauchte. Es ist ganz simpel: Was wir schreiben, muss stimmen. Es muss immer möglich sein, real, sonst begehen wir Leserbetrug. Das darf nicht sein. 

Wo schreibst du am liebsten?

In der Rue Saint Hubert, Paris, 13. arrondissement, Dachterasse. Nach Möglichkeit mit einer Schale Kirschen auf dem Tisch, deren Kerne ich beim Schreiben über das Geländer spucke (In der Kirschkernspuckerszene bin ich ein ganz großer Name.) 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Hinsetzen. Schreiben. Der Aschenbecher steht immer links. Das Glas mit dem A.H. Riise immer rechts. Meist läuft dazu Musik von Abel Korzeniowski (aber sehr leise).

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Der letzte Teil der Christine Lenève Serienmörder-Trilogie ist fast fertig. Und das ist ja das Herrliche an letzten Bänden: Alles ist möglich. Letzte Bände sind für einen Leser wahrscheinlich immer die überraschendsten. Im nächsten Jahr erfahren wir dann, wie Christines Geschichte endet. Parallel arbeite ich an einem Thriller, der sich mit einer sehr düsteren Vision befasst, die da ganz langsam auf uns zurollt und schon jetzt an unsere Haustüren klopft.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

King und Kundera. Seltsame Mischung, oder? King für die Spannung, Kundera für das, was die Menschen ausmacht.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

"Morgen in der Schlacht denk an mich, wenn dein Schwert ohne Schneide fällt" - von Javier Marias. "Die Unsterblichkeit" von Milan Kundera. Und natürlich: "Brennen muss Salem" von King (Das Buch hat mir die Kindheit vergruselt - Nacht für Nacht).

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Die Frage stellt mich vor ein Problem: Ich kann Freizeit nicht mehr definieren. Wenn ich welche hätte, würde ich wahrscheinlich stundenlang auf eine weiße Wand starren. Furchtbar.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich wünsche mir ganz dringend und am besten sofort, dass sich Menschen bei ihren Äußerungen (egal, ob im Netz oder auf der Straße - ob politisch, öffentlich oder privat) endlich wieder an Fakten und nicht ausschließlich an Stimmungen orientieren. Der Austausch von halbgaren "Wissen" treibt mich mitunter in den Wahnsinn.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Das hängt immer vom einzelnen Leser ab. Ich schreibe gerne und bewusst Figuren und Szenen, die Diskussionen auslösen sollen. Ich mag das. Sehr sogar. Darum bereitet es mir auch wirklich Freude, mich mit Lesern darüber auszutauschen. Gerne auch in aller Kritik. Aber Vorsicht: Ich argumentiere hart und bis ins letzte Detail. Und tatsächlich sind mir einige Leser begegnet, die mitziehen und ebenso diskutieren. So etwas stellt dann einen unermesslichen Gewinn für mich dar. Dafür kann ich mich nur bedanken. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Leser eine Frage zum Buch hat und mich anmailt, wird sie beantwortet. Immer. Wenn jemand für eines meiner Bücher Zeit investiert, muss das auch immer umgekehrt gelten. Word!

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Esst mehr Obst ...;-))))


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