Autorenporträt: Wächter, Uli 

Der kurze Moment einer Begegnung, der Blickaustausch zweier Menschen auf der Straße löst oft eine länger währende Emotion aus. Dieser Augenblick setzt sich aus vielen Bildern zusammen, auch wenn er nur eine Sekunde dauert.

Während ich über dieses Phänomen nachdachte und eine Bebilderung oder Beschreibung dieses Augenblickes für fast unmöglich hielt, wurde mein Interesse immer mehr auf das Auge an sich gelenkt und ich begann, fotografisch mit diesem Detail zu experimentieren.

Jedes dieser Bilder verwandelte sich dabei in eine Geschichte und ich begriff, dass ein Roman Bilder wie in einem Film hervorrufen muss. Mir fiel ein, wie oft Leser von der Verfilmung eines Buches enttäuscht sind. Im Buch hatte ihnen der Autor sein Bild der Protagonisten und der Landschaft beschrieben, und während der Lektüre hatte jeder Leser seine eigenen Bilder darübergelegt. So hat beispielsweise jeder "seinen" Schauspieler vor Augen, aber im Film kann es nur einen geben.

Dies war der Moment, in dem ich Fotografie und Schreiben als Geschwister wahrnahm und bei meinen experimentellen Fotoarbeiten immer mehr zum Schreiben fand. Auf beiden Gebieten habe ich übrigens bereits als Kind - gespielt; naiv und objektiv wie ein Kind habe ich auch später immer versucht, mich nicht von Klischees beeinflussen zu lassen.

Ich hoffe, das gelingt mir immer noch, nach den vielen Stationen eines Berufslebens, das mich, neben meinen Fotoarbeiten und deren Ausstellungen in vielen großen Museen und Instituten, auch in die Architektur und ins Musikgeschäft geführt hat. Immer waren Kamera und Papier bei meinen Projekten zugegen, die ich in vielen Ländern Europas realisiert habe. Bis mich schließlich im Süden Spaniens die maurische Architektur in ihren Bann zog. Dort habe ich auf einer Avocado- und Mangofarm meine Wahlheimat gefunden - wie mein Held Capitán Centuron. Gemeinsam versuchen wir, die Geheimnisse des Bösen zu entschlüsseln.

Textquelle: Amazon

Bild: Amazon

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