Interview mit Mario Lima

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Gern, obwohl es mich eigentlich gar nicht gibt. Mario Lima ist ein Pseudonym, das ich gewählt habe, weil mein wirklicher Name beim besten Willen nicht zu Portugal-Krimis gepasst hätte. Von Haus aus bin ich Hamburger, und Portugal ist eine alte Liebe von mir. Inzwischen lebe ich seit über zehn Jahren dort und habe diesen Schritt auch nie bereut.

Die Idee zu der Reihe um Chefinspektor Fonseca ist entstanden, als ich glaubte, Land und Leute schon ganz gut zu kennen. Denn von Anfang an stand fest: der Blickwinkel sollte nicht der des Deutschen sein, der alles von außen betrachtet, sondern ich wollte meine Geschichten direkt aus der Perspektive der portugiesischen Hauptpersonen erzählen.

Seit wann schreibst du?

Schon immer. Ich glaube, das ist die häufigste Antwort auf diese Frage. Aber es ist einfach so, auch bei mir.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen und ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Die Vorstellung war immer da, aber es gibt eben keinen vorgezeichneten Weg, wie man Autor wird. Es ging mir auch immer darum, selbst zu schreiben, und nicht, »irgendwas mit Büchern« zu machen. Ich habe also nicht Germanistik studiert und so weiter, sondern alles mögliche andere gemacht. Das hat mich dann zwar oft genug vom Schreiben abgehalten, andererseits hilft es auch wieder, wenn man etwas mehr von der wirklichen Welt mitbekommen hat. Angefangen habe ich dann mit Beiträgen in Anthologien und Übersetzungen aus dem Amerikanischen.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Unter meinem richtigen Namen habe ich einen historischen Thriller veröffentlicht, der im Berlin der 20er Jahre spielt (Manfred Lührs, Im Dunkel Berlins, Reclam Leipzig 2000). Der ist nun ein ›Standalone‹ geblieben, aber auch in den Jahren, in denen der Titel vergriffen war, habe ich immer wieder von Lesern gehört, denen er sehr gefallen hatte. 2016 habe ich ihn neu herausgebracht, diesmal mit einem Cover, das etwas deutlicher macht, was den Leser erwartet: ›Berlin 1923. Mord. Kokain. Abgründe. Eine Reise in die Nacht.‹

Barco Negro ist nun der erste Band der Reihe um Chefinspektor Fonseca und die Mordkommission Porto. Es geht um einen mysteriösen Doppelmord, dessen Motiv in der Vergangenheit liegt, und die Ermittlung führt mitten hinein in die bunte portugiesische Welt.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja, klar, und wie! Für den historischen Roman damals sowieso, aber auch für Barco Negro und Fonseca Band 2 (dessen Titel ich noch nicht verraten will) habe ich intensiv recherchiert. Meine Erzählweise ist realistisch und detailreich, und da kommt es schon darauf an, dass »alles stimmt«.

Ich recherchiere aber auch sehr gern. Besonders gern natürlich jetzt für die Portugal-Krimis, denn statt ins Archiv geht’s da hinaus ins wahre Leben, mal raus auf die Straße, mal auch ans Meer und in die Berge. Ich besuche immer alle Schauplätze, und dabei entdeckt man ja auch viel Neues. Überhaupt gibt es nichts Besseres als Recherche, um auf gute Ideen zu kommen.

Wo schreibst du am liebsten?

Manchmal versuche ich, auf der Veranda zu schreiben, oder an einem schönen Gartenplatz unterm Orangenbaum, aber meistens ist es dann doch wieder zu heiß oder alles blendet und spiegelt und ich kann den Monitor nicht erkennen, und dann packe ich zusammen und kehre an meinen Schreibtisch zurück. Das ist immerhin ein schöner alter Hamburger Kontorschreibtisch, und also auch nicht zu verachten.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Das nicht, aber während ich schreibe, ist mein Computer offline, und auch das Telefon liegt nicht im Zimmer. Die einzige Chance, sich zu konzentrieren. (Zugegeben: das Telefon hat die Tendenz, irgendwie doch wieder aufzutauchen.)

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Der zweite Band um Fonseca und sein Team ist in Arbeit. Darin geht es um eine düstere brasilianische Affäre, die sich aus dem Großstadtmoloch São Paulo nach Portugal verlagert hat. Innerhalb von vierundzwanzig Stunden liegen zwei ermordete Brasilianer auf der Straße, die Ermittler geraten schwer unter Druck, und der Wettlauf gegen die Zeit wird um so schwieriger, als auch noch Hochsommer ist und ganz Porto von Fremden wimmelt. Es wird ein außergewöhnlicher Fall, der Fonseca und seine Leute hart an ihre Grenzen führt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Keinen einzelnen, den ich jetzt beim Namen nennen könnte. Aber ganz sicher haben mich englische und amerikanische Autoren beeinflusst, vor allem die, deren Krimis auch die Realität ihrer Zeit abbilden.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Habe ich eigentlich nicht, jedenfalls keine konstanten. Ich lese eher weitgefächert, oft auch in Zusammenhang mit eigenen Projekten. Krimis habe ich natürlich schon jede Menge gelesen, angefangen von den Klassikern wie Wilkie Collins bis zur Gegenwart. Während der Vorbereitung der Fonseca-Reihe haben mich dann besonders Autoren interessiert, deren Bücher ein Südeuropa-Setting haben, wie Robert Wilson, Donna Leon, Michael Dibdin.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Im Sommer natürlich: an den Strand fahren, abends Sardinen grillen. Alles, was man in Portugal so macht. Wie gesagt, gehe ich auch immer gern auf Recherche-Tour.

Ansonsten bin ich noch Hobby-Winzer und baue in kleinem Rahmen etwas Rotwein an. Wenn man wirklich vom Rebschnitt bis zur Abfüllung in Flaschen alles selbst gemacht hat, ist es schon etwas Besonderes, so einen Wein im Glas zu haben, vor allem, wenn er dann auch noch trinkbar ist. Der Vinho Tinto aus unserem Garten ist ein einfacher Landwein, aber es gab schon Jahrgänge, auf die wir ganz stolz waren.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Lieber nicht. Das bringt bestimmt Unglück.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Es freut mich immer, von meinen Lesern zu hören. Zum Glück geht das heute ja ganz unkompliziert.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja, eins vielleicht noch. Wer Barco Negro gelesen hat, weiß ja schon, dass in Portugal alles à portuguesa funktioniert – auf die speziell portugiesische Art. Das kleine Land am Südwestrand Europas hat sich noch viel von seiner Eigenart bewahrt, und eigentlich ist es auch gar nicht klein: es ist nur kompakt. In einer Stunde kann man vom Strand in die Berge fahren und ist in einer völlig anderen Welt. In den alten Städten mit ihren verwinkelten Gassen kann man sich immer noch vorkommen wie in einer längst vergangenen Zeit (WLAN hat man trotzdem überall). Portugal ist bunt und lebendig und eigensinnig und manchmal ein bisschen verrückt. Und es ist einfach liebenswert. Wer einmal hiergewesen ist, der kommt auch wieder.

Wenn ihr also im Sommer noch nichts vorhabt – denkt mal darüber nach. Até amanhã! Bis dann,

Mario Lima


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