Interview mit Kristian Isringhaus

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas ĂŒber dich erzĂ€hlen?

FrĂŒher war ich Werbetexter, aber an einem Schreibtisch zu sitzen ist nichts fĂŒr mich. Jetzt klettere ich durch die Takelage von Großseglern oder auf BĂ€ume, um mich finanziell ĂŒber Wasser zu halten. Gerade bin ich auch von meinem ersten Trip als KapitĂ€n zurĂŒckgekehrt, auf einer kleinen Yacht von Mexiko nach Polynesien. Ich arbeite, wenn ich Geld brauche und reise wenn nicht.

Seit wann schreibst du? 

Schreiben war schon immer mein Traum. Als ich acht oder neun war, habe ich einen Krimi angefangen und siebzig Seiten per Hand geschrieben. Dann war mir das alles aber furchtbar peinlich, und ich habe alles weggeschmissen. Ich habe immer mal wieder kleinere Dinge verfasst, aber wirklich angefangen, mich auf Romane zu konzentrieren, habe ich erst, als ich als Werbetexter aufgehört habe.

Wie bist du zum BĂŒcher schreiben gekommen? 

Als ich in die USA gezogen bin, hatte ich natĂŒrlich zunĂ€chst keine Arbeitserlaubnis. Da habe ich die Zeit genutzt, um "Virus" zu schreiben, das als Drehbuchkonzept ohnehin in meiner Schublade lag.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

WĂ€hrend des Verfassens von "Virus" wurde mir das klar. Das Manuskript ging mir leicht von der Hand, und ich war ĂŒberrascht von meiner eigenen Schreibdisziplin. Das GefĂŒhl, etwas erreicht zu haben, das man am Ende eines guten Schreibtags hat, ist kaum zu schlagen.

Welche BĂŒcher hast du bisher veröffentlicht?

"Virus" und "Weltenvirus". "Weltenvirus" ist der unmittelbare Nachfolger, knĂŒpft an die Geschichte von "Virus" an. Obwohl beides abgeschlossene Romane sind, die unabhĂ€ngig gelesen werden können, wĂŒrde ich jedem zunĂ€chst die LektĂŒre des ersten Bandes empfehlen.

Hast du fĂŒr deine BĂŒcher recherchiert? 

Sehr viel. "Virus" und "Weltenvirus" sind Recherchethriller im Stil Frank SchÀtzings oder Dan Browns. Ich habe mit vielen Experten aus der Welt der Wissenschaften in Kontakt gestanden, die mir geduldig meine Fragen beantwortet haben. Zudem habe ich viel in Bibliotheken oder im Internet recherchiert. Es kann durchaus aufregend sein, ein wissenschaftliches Detail zu finden, das exakt in das Puzzle des Buchs passt.

Wo schreibst du am liebsten?

Draußen. Ob beim Reisen am Strand oder zu Hause im Wald – ein Klappstuhl lĂ€sst sich normalerweise immer irgendwo hinschleppen. Es fĂ€llt mir schwer, kreativ zu sein, wenn ich stĂ€ndig nur die gleichen vier WĂ€nde anstarre.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nicht wirklich. Meine einzige Richtlinie ist, dass ich zehn Seiten am Tag schreibe. Wenn das mal schwerfĂ€llt, dann sitze ich oft bis spĂ€t in die Nacht da. Aber auch wenn es manchmal schwierig ist, reinzukommen, schreibe ich mich irgendwann doch immer in einen Fluss, und dann gehen einem zehn Seiten leicht von der Hand. Zudem erlaube ich mir ganz großzĂŒgig Wochenenden.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Im Moment arbeite ich an einem weitaus literarischeren Projekt auf Englisch.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Sehr viele. Jedes einzelne Buch, das ich lese, beeinflusst mich – auch die Schlechten. Wenn mir etwas stilistisch nicht gefĂ€llt, ist es sogar weitaus leichter, davon zu lernen – dann schreibe ich einfach anders. Viele Autoren vergessen, dass man von schlechten BĂŒchern genauso viel lernen kann wie von guten. Die letzteren sind sogar komplizierter, weil man natĂŒrlich nicht einfach den Stil eines Kollegen kopieren möchte. Man möchte sich selbst individuell entwickeln. Dementsprechend muss man analysieren, wieso der Stil eines anderen Autors funktioniert und wie man die guten Elemente in seinen eigenen Stil einbauen kann.

Was sind deine LieblingsbĂŒcher und Lieblingsautoren? 

Frank SchĂ€tzing lese ich gerne – zumindest seine Ă€lteren BĂŒcher. "Der Schwarm" und "Tod und Teufel" sind exzellent. "Lautlos" ist auch nicht schlecht. "Illuminati" von Dan Brown hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich wohne mit Freunden im Wald im Bundesstaat New York, wo wir BaumhĂ€user bauen. Da gibt es natĂŒrlich jederzeit reichlich zu tun. Zum Beispiel mĂŒssen wir BĂ€ume fĂ€llen, um den Wald gesund zu halten. HĂ€ufig mĂŒssen wir sie dafĂŒr zunĂ€chst erklettern, um sie von oben abzutragen, weil ein einfaches FĂ€llen andere BĂ€ume beschĂ€digen wĂŒrde. Dann muss das gesamte Holz verarbeitet werden, grĂ¶ĂŸtenteils zu Feuerholz. Zudem bauen wir viel. Wir haben inzwischen vier BaumhĂ€user und eine große Scheune mit einer gut ausgerĂŒsteten Werkstatt. Gerade arbeiten wir an einen Anbau mit Duschen und Toiletten, so dass wir nicht mehr auf den kalten Bach zum Baden und Plumpsklos fĂŒrs GeschĂ€ftliche angewiesen sind. Es gibt also immer reichlich zu tun.

Ansonsten reise ich viel, wenn es hier zu kalt wird. Gerade erst war ich mit dem Rucksack und meinem Zelt fĂŒr dreieinhalb Monate in Nicaragua, Honduras und Guatemala. NĂ€chsten Winter denke ich an Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien. Mit eigenem Zelt kann man recht lange fĂŒr 'ne kleine Mark auskommen.

VerrĂ€tst du einen deiner WĂŒnsche fĂŒr deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfĂŒllen möchtest? 

Ich bin kein TrĂ€umer. Ich lebe einfach in den Tag hinein. Die meisten meiner WĂŒnsche haben mit Reisen zu tun, und dann störe ich mich nur daran, dass ich nicht genug Zeit habe, die ganze Welt zu sehen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig, und ich nehme es sehr ernst. Zum Beispiel habe ich "Virus" mehrmals ĂŒberarbeitet, nachdem Leser sich beschwert hatten, ich benutze zu viele Fremdwörter.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Viel Spaß beim Lesen!


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