Interview mit Ines Eberl

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Danke, Bianca, dass du mir dieses Interview gibst! Ich bin Juristin, lebe in Salzburg und schreibe im Kölner Emons-Verlag literarische Kriminalromane, das heißt, mein Stil ist eher von dunkler Poetik geprägt, ich werfe in meinen Geschichten eine Blick in die Abgründe der menschlichen Seele, und ein Touch Horror darf in meinen Romanen auch nicht fehlen. 2011 ist mein erstes Buch "Salzburger Totentanz" erschienen, soeben ist "Boandlkramer" herausgekommen und mit "Kletzenbrot" erscheint im September mein siebter Roman, ein kulinarischer Krimi, zu dem die österreichische Vier-Hauben-Köchin Johanna Maier die Rezepte beisteuert. Ich bin Roundtable-Mitglied der International Thriller Writers und gehöre der englischen Crime Writers«Association an. Auf meiner Website www.ineseberl.com erfahrt ihr mehr.

Seit wann schreibst du? 

Eigentlich bin ich eine Leseratte, habe mir das Lesen mit fünf Jahren selbst beigebracht und lese seitdem praktisch ununterbrochen. Insofern waren Bücher immer Teil meines Lebens, und die Beschäftigung mit ihnen ist vor etwa zehn Jahren über eine Idee, über Notizen schließlich ins Schreiben übergegangen. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich bin eine Märchenerzählerin. Wenn man mir die erste Zeile gibt, entwickle ich ein ganzes Buch daraus. Als Kind habe ich meine Freunde mit meinen Geschichten unterhalten. Ich glaube, jeder Mensch kommt in seinem Leben immer wieder an den Punkt, an dem er sich fragt: "Wer bin ich, wo stehe ich und wohin führt mein Weg?" An so einem Punkt habe ich angefangen zu schreiben. Aus einer sehr fordernden beruflichen und familiären Situation heraus habe ich - sozusagen als "Ventil" - eine Geschichte aufgeschrieben, daraus ist ein Manuskript geworden, das ich sofort verkauft habe, und so hat die Sache eine Eigendynamik entwickelt.

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

Ich wollte nie Autorin werden, ich bin es einfach. Das gibt mir auch die Leichtigkeit beim Schreiben. Ich kenne weder eine Schreibblockade, noch habe ich mich jemals an den Schreibtisch zwingen müssen. Schreiben ist für mich wie Atmen. Mein Vater war Schriftsteller, ist in siebzehn Sprachen übersetzt worden und hat sein letztes Buch mit dreiundneunzig Jahren veröffentlicht. Ich bin in dieser Welt groß geworden, sie ist mein Zuhause, für mich hat sich mit dem Schreiben der Lebenskreis geschlossen. Deswegen weiß ich aber auch, dass das Schreiben von Büchern Hingabe, Disziplin und unbedingten Durchhaltewillen verlangt. Sonst hätte ich nicht in sieben Jahren neun Bücher schreiben können. Vielleicht ist es auch eine Frage meiner DNA. In meiner Familie gibt es viele Schriftsteller und Maler, eine durchaus übliche genetische Kombination. Hoch gegriffen fallen mir da Dürrenmatt und Grass ein, die nicht nur begnadete Schriftsteller, sondern auch talentierte bildende Künstler waren. Es ist die Gabe, genau hinzuschauen und die Wirklichkeit, durch das Brennglas der eigenen Wahrnehmung gesehen, auf Papier oder Leinwand zu bannen. Das ist das Wesen der Kunst. Das Schreiben hat sich aus meinen Lebensumständen ergeben, ich hätte aber auch den Weg als Malerin einschlagen können. Ich liebe die Surrealisten, und das Surrealistische ist ein wichtiger Bestandteil meines Schreibens. Wenn ich meine Gedanken freispielen will, zeichne ich. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

"Salzburger Totentanz", "Jagablut", "Totenkult", "Teufelsblut", "Blunzengröstl", "Boandlkramer" und im September erscheint "Kletzenbrot". 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Immer. Jedes meiner Bücher hat neben der Geschichte ein eigenes Thema, und immer, wenn ein neues Projekt am Horizont meiner Gedanken auftaucht, fange ich an Recherchenmaterial zu sammeln. So liegen in meiner Bibliothek nach Stapeln geordnet Bücher, Zeitschriften, Filme zu den unterschiedlichsten Bereichen, und wenn ich mit einem neuen Buch beginne, sind alle Vorarbeiten fertig, und ich kann mich auf die Geschichte konzentrieren. Schreiben ist für mich der Weg, die Welt im Wortsinn zu "entdecken" und zu "erfahren". Die Recherche ermöglicht mir Einblicke in Universen, die mir bis dahin verschlossen waren. Sie befriedigt meinen Forschergeist und stillt meine Neugier.

Wo schreibst du am liebsten?

Am Schreibtisch, nirgends sonst, nur hier habe ich die volle Konzentration. Ich bin kein "Kaffeehaus-Literat".

Hast Du ein festes Schreibritual?

Du findest mich ab etwa 7.30 Uhr am Schreibtisch. Dann fange ich an, meine Gedanken zu sammeln: ein wenig social media, die angefallenen Mails abarbeiten, dann schreibe ich die Korrekturen vom Vortag, um in den "Sound" der Geschichte zu kommen. Der Vormittag gehört dem Schreiben, Nachmittag und Abend Korrekturen oder Organisatorischem.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

2018 erscheint ein großes Buch von mir, ein Wissenschafts-Thriller, über das ich noch nicht sprechen, das ich aber gerne im nächsten Jahr bei dir vorstellen möchte.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Danke für diese interessante Frage, Bianca, sie führt mich zu einer überraschenden Erkenntnis. In meiner Teenager-Zeit habe ich gelesen, wie ein Verdurstender Wasser trinkt. Ich liebte die griechische Mythologie - die Aeneis zählt für mich noch heute zum Spannendsten, was je geschrieben wurde - und die Werke von Edgar Allan Poe und Jules Verne. Die griechischen Sagen haben das Suchende, Abenteuerlustige in mir befördert, das man zum Schreiben braucht. Edgar Allan Poe verantwortet bestimmt die mystische Auseinandersetzung mit dem Tod, der meinen Kriminalromanen zu Grunde liegt, und meinen geradezu lustvollen Umgang mit dem Genre Horror. Und der Geist von Jules Verne begleitet mich auf meinem neuen schriftstellerischen Weg: auch mich interessiert nicht die Zukunft, sondern die Zukunft der Zukunft.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Lieblingsbücher unterliegen dem Wandel wie die Zeit. Harper Lee, Ernest Hemingway, Toni Morrison oder Umberto Eco haben immer meine aktuelle Lebensphase widergespiegelt. Goethes "Faust" bedient ein Grundthema meines Lebens und wird mich immer begleiten. Zuletzt hat mir ein Freund den Dekameron von Boccaccio ans Herz gelegt, ein Buch, das man wie das Labyrinth eines exotischen Gartens betritt, und das in seiner Vielfalt und Themenwahl zu diesem Augenblick meines Lebens passt, wie wohl kein anderes. Am Ende kommen immer die richtigen Bücher zur rechten Zeit zu uns.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Ich unterscheide nicht zwischen Arbeit und Freizeit. Ich brauche auch keinen "Urlaub". Wenn mir nachts eine Idee kommt, setze ich mich an den Schreibtisch, genauso, wie ich am liebsten am Sonntagvormittag schreibe. Ich bin ein Autor, und ich bin es immer. Autor ist kein Beruf, sondern eine Lebensweise. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Die realisierbaren Träume: ich würde gerne mit einem Expeditionsschiff in die Antarktis fahren und mit der transsibirischen Eisenbahn nach Peking. Ich möchte in Havanna einen Mojito auf Hemingway trinken und in Marokko mit dem Autor Taher ben Jelloun Couscous essen, ach, wo soll ich aufhören? Der vielleicht realisierbare Traum: ich wünsche mir, dass dieses Leben für alle Menschen, Erfahrungen, Gedanken, Gespräche und Begegnungen, die mir bestimmt sind, ausreicht. Aber diese Frage wird wohl das Schicksal beantworten müssen.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr, sehr wichtig! Schließlich schreibe ich für meine Leser. Wobei ich konstruktive Kritik überschwänglichem Lob vorziehe. Sie ermöglicht mir, an mir zu arbeiten, besser zu werden und mich weiterzuentwickeln. Und das kommt am Ende wieder meinen Lesern zu Gute. Natürlich freut mich auch ganz viel Lob - nur keine Hemmungen!

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Vielen Dank für dieses interessante Interview, Bianca. Es ist großartig, dass und wie du den Menschen, der hinter einem Buch steht, zeigst. Und ja, ich würde meinen Lesern gerne etwas mit auf den Weg geben. Gute Autoren setzen sich in ihrem Werk mit unserer Welt auseinander, ringen um Lösungen und werfen Fragen auf, die ihren Nachhall bei den Lesern finden. Ich wünsche mir, dass Leser die passenden Antworten für sich finden und die richtigen Botschaften aus den Büchern mitnehmen, um einen Gewinn für ihr Leben daraus zu ziehen. Jedes Buch, jeder Mensch, jedes Leben - so bedeutend oder unbedeutend es erscheinen mag - ist etwas Einmaliges und wert, geschätzt zu werden. 


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