Interview mit Klaus Heimann

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Alter, Haarfarbe, Geschlecht: Siehe Bild!

Aber hier geht es ja ums Schreiben, ums Erzählen. Und das mag ich so gern, dass ich den steinigen Weg vom Niederschreiben erster Versuche bis zur Veröffentlichung meiner Krimireihe in einem Verlag auf mich genommen habe. Mit langem Atem, vielen Enttäuschungen, einem Lächeln auf dem Gesicht, wenn mir etwas gelingt und tiefer Grübelei, wenn irgendetwas am Plot nicht passt oder stimmt.

Seit wann schreibst du?

Seit ich den manuellen Prozess des Schreibens erlernt habe. Ich erinnere mich noch an ein Gedicht, von dem ich meiner Grundschullehrerin eine Abschrift geschenkt habe.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Tatsächlich über den manuellen Prozess des Schreibens.

Geschichten haben mich von Kindheitstagen an fasziniert. Stundenlang konnte ich auf dem Bauch meines Großvaters liegen und ihm zuhören: bei Erinnerungen an seine Kindheit auf einem Bauernhof in Nähe der Lippe, oder beim Vorlesen. Natürlich wurde ich ihm irgendwann zu schwer dafür. Da habe ich dann unter seinem Schreibtisch gehockt und gelauscht. Bis ich auch diesem Versteck entwachsen bin …

Bei meinen Großeltern fand ich alte Dokumente in einer Schrift, die ich nicht entziffern konnte: Sütterlin. Ich brachte sie mir autodidaktisch bei. Nun wollte ich etwas in Sütterlin schreiben. Aus dieser Übung entstand Heft um Heft mein erster Roman - mit dem riesigen zeitlichen Abstand von heute betrachtet, eine fürchterliche Räuberpistole. Ungefähr sechzehn müsste ich da gewesen sein.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Gewünscht habe ich mir das bereits in der Schule, vielleicht schon auf dem Bauch meines Großvaters, tief in eine seiner Geschichten versunken. Ohne realistische Vorstellung davon, was es bedeutet.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Die Dystopie „Heile Welt an Rhein und Ruhr“ habe ich 2010 als Selfpublisher veröffentlicht. Es folgten die Kriminalromane „Taxi zum Nordkap“ und „Spur nach Namibia“, beide erschienen bei Edition Oberkassel.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Natürlich. Da meine Bücher an sehr konkreten Orten spielen, ist es mein Bestreben, sie so korrekt wie möglich wiederzugeben. Nicht nur ihr Aussehen, auch ihre Stimmung, wie sie sich anfühlen. In meine ersten beiden Kriminalromane sind eigene Reiseeindrücke eingeflossen. Ansonsten bin ich eifriger Nutzer von Maps, Earth, Street View und Infoseiten im Netz.

Wo schreibst du am liebsten?

In der Morgensonne auf einem Balkon in meinem langjährigen Urlaubsort – mit Fernblick auf die Alpen.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Allerdings habe ich die besten Ideen morgens nach dem Aufstehen. Was dann in meinem Kopf herumspukt, wird eiligst auf Schmierzetteln verewigt, um es später irgendwann (es können Wochen vergehen!) hervorzukramen.

Wenn ich den ersten Entwurf niederschreibe, behandle ich Word wie einen Hefekuchen. Der Text wird nicht von A bis Z am Stück heruntergepinselt, sondern geknetet, immer wieder neu in Form gebracht. Unterwegs werden weitere Zutaten hinzugefügt. Im zweiten und dritten Durchgang erhält er dann die richtige Konsistenz, wird geschmeidig und ist zum Backen im Lektorat bereit!

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

2018 werden zwei neue Krimis bei Edition Oberkassel verlegt. Es entsteht eine Reihe um den Hauptkommissar Sigi Siebert und sein Ermittlerteam. Handlungsort ist meine Heimatstadt Essen. Nach den beiden Krimis des Jahres 2018 wird es mit Sigi Siebert weitergehen. Im geschichtsträchtigen Essener Stadtteil Werden. Verraten sei, dass Motorrad fahren eine gewisse Rolle spielt.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Die Autoren, die ich bewundere, schreiben definitiv anders als ich. Zum Beispiel Hermann Hesse, Siegfried Lenz oder Halldór Laxness. Ihrem Stil nachzueifern wäre für mich sinnlos (mögen sich andere daran versuchen) und im Genre Krimi höchst zweifelhaft. Ich wollte von Anfang an mein eigenes Ding machen und es entweder auf meine Weise schaffen oder gar nicht.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Das wechselt. Selten fällt mir etwas in die Hand, was mich so begeistert hat wie diese:

Hermann Hesse: Das Glasperlenspiel

Knut Hamsun: Segen der Erde

Albert Camus: Die Pest

Siegfried Lenz: Deutschstunde

George Orwell: 1984

Halldór Laxness: Die Islandglocke

Arto Paasilinna: Die Giftköchin

Carlos Ruiz Zafón: Der Schatten des Windes

Viktor Arnar Ingólfsson: Das Rätsel von Flatey

Aufzählung unvollständig!

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schreiben, denn mein Brotberuf ist ein anderer.

Außerdem: Singen, Rad fahren, Lesen, Musik hören. Wenn mich die Muse besonders gern hat, dann komponiere ich bisweilen. So entstand mein Kindermusical „Lappland“ (siehe Homepage).

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Wenn ich all das noch lange tun kann, was ich heute mache, bin ich glücklich. Meine Devise: Nichts aufschieben, was dir im Kopf herumgeht. Sobald wie möglich in die Tat umsetzen!

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Äußerst wichtig. Was ich als Jugendlicher nicht kapiert habe: Nicht ums Schreiben geht es. Roman geschrieben, ab an den Verlag und fertig. Eine Geschichte, ein Buch tritt in Interaktion mit den Lesern. Erst in ihren Köpfen wird der Story Leben eingehaucht.

Ich liebe Lesungen in Begleitung einer befreundeten Band, in denen Musik und Text zu einer Einheit (mit durchaus völlig unterschiedlichen Inhalten) verschmelzen. Das Publikum honoriert diese wunderbaren Abende mit Spaß und Freude. Das ist Autors Lohn!  

Lieber Klaus, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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