Interview mit Reinhard Junge

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

70 Jahre, in Dortmund geboren, in Bochum studiert und hängen geblieben, 34 Jahre Schüler/innen mit Deutsch, Russisch bzw. Latein gequält, kein Haus, kein Benz, kein Hund – aber drei gelungene Kinder.

Seit wann schreibst du?

Seit ich schreiben kann. Mein erster Mord (na gut: Totschlag) fand in der 3. oder 4. Klasse statt: Eine Lehrerin starb in einem Aufsatz über einen Klassenausflug. Musste deswegen zum Rektor, der mir eine Karriere als „Volksredner“ oder Schriftsteller prophezeite.

Wie bist du zum Bücherschreiben gekommen?

Auftragsarbeit. Hatte ein paar Artikel für die Jugendzeitschrift „elan“ geschrieben – und der Verlag wollte meine Erfahrungen als Wehrpflichtiger veröffentlichen. Mein erstes Buch waren also Memoiren (*grins*): „Barras-Report – Tagebuch einer Dienstzeit“. Zeitschrift und Verlag („Weltkreis“, Dortmund) gibt es nicht mehr. Bin aber sicher, dass das nicht an mir lag. Die einzige Auflage (3000) wurde komplett verkauft.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Unbestimmt. Aber ich kann weder malen, singen noch Gitarre spielen. Da blieb nur noch das Schreiben übrig.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Ich möchte niemanden mit 17 Titeln nerven. Den Memoiren folgten vier Reportage- und Recherchebücher: „Die Neonazis“ und 3 Folgebücher (1978-81), zusammen mit Jürgen Pomorin, Georg Biemann und Hans-Peter Bordien. 1985 kam mein erster Krimi: „Klassenfahrt“. Dann weiter im Team mit Leo P. Ard (= Jürgen Pomorin). Für unseren zweiten Krimi („Das Ekel von Datteln“) erfanden wir das Videoteam PEGASUS, das noch immer der Polizei auf die Nerven geht. Über „Totes Kreuz“ bis zum „Achsenbruch“ (2012) vier Bücher im Alleingang. „Datengrab“ (2016) habe ich zusammen mit meiner neuen Partnerin Christiane Bogenstahl geschrieben.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Ja. Teils vor Ort in Hattingen, Holland oder Mecklenburg. Leo P. Ard hat einen Thailand-Urlaub für intensive Forschungen genutzt: „Die Waffen des Ekels“. Heute geht vieles über das Internet und Google Earth. Unverzichtbar sind Gespräche mit Journalisten, Polizisten und „meiner“ Rechtsmedizinerin. Und man muss zuhören können, wenn andere Menschen über ganz andere Lebenserfahrungen sprechen.

Wo schreibst du am liebsten?

Auf dem Balkon unterm Sonnenschirm – mit Kaffeepott und Aschenbecher.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Aber ich brauche jemanden, der mich an die Tasten treibt. Christiane B. ist in dieser Disziplin perfekt. Eine geniale Hilfe ist das Schreibprogramm „Scrivener“; damit kann jeder an seinem Handlungsstrang basteln und zwischendurch die Kapitel des anderen begutachten. Schon Leo P. Ard und ich haben hemmungslos in den Texten des anderen herumgefummelt. (*smile*).

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja. Der Haupttäter aus „Datengrab“ kommt bald wieder aus dem Knast. Und PEGASUS ist mit der „Next Generation“ auch wieder dabei. Macht Spaß.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Das schwedische Duo Maj Sjöwall und Per Wahlöö (10 Bände bei Rowohlt, u.a. „Verschlossen und verriegelt“ – die legendären „Eltern“ des sozialkritischen Krimis mit einer Mischung aus blutigem Ernst und unvermeidlichem Slapstick. Schwer beeindruckt hat mich auch der pointenreiche „Spiegel“-Stil der 1970er Jahre.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Alles von Sjöwall/Wahlöö, Raymond Chandler („Der lange Abschied“), die vier Originalbände von Stieg Larsson. Dazu „Die Lebenden und die Toten“ von Konstantin Simonow und der Leningrad-Roman „Stadt der Diebe“ von David Benioff, einem der beiden Drehbuchautoren von „Game of Thrones“. Außerdem müssten „Das Tagebuch der Anne Frank“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner Pflichtlektüren in allen Schulen werden.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Vor einem Café sitzen und Leute begucken. Mit meinen Kindern essen gehen. Bundesliga in „meiner“ Sky-Kneipe. Fernreisen mit Rucksack und Christiane B.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Eine Weltreise – und mindestens 90 werden.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Ich höre zu und lerne. Spannend sind die ersten Lesungen eines neuen Krimis: Lachen die Leute an den richtigen Stellen? Und dann gibt es noch Florian K. Im Deutschunterricht war er keine Kanone, aber er kennt meine Krimis fast auswendig. Ihn kann ich z. B. immer fragen, wenn ich nicht mehr weiß, in welchem Buch Klaus-Ulrich Mager zum 2. Mal geheiratet hat. Und er findet jeden Fehler, wenn es um Eisenbahnen geht.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

In der Nähe des Staatlichen Gymnasiums Dortmund, dessen Lehrer ich hasste oder liebte, gab es die legendäre „Bücherstube Henke“. Der fast blinde Inhaber hatte einen schönen Spruch im Fenster hängen: „Ein gutes Buch ist ein Freund, der einen nie verlässt.“  


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