Interview mit Anja Marschall

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten ­čśŐ

Magst du den Lesern kurz etwas ├╝ber dich erz├Ąhlen?

Ich liebe gutes Essen und guten Wein. Ich liebe es, mit Freunden und Familie am Tisch zu sitzen und über die Welt und ihre Dummheiten zu diskutieren. 

Was sagte noch die Gattin des US-Pr├Ąsidenten Roosevelt? "Gro├če Menschen reden ├╝ber Ideen, nicht so gro├če ├╝ber Ereignisse und kleine ├╝ber Menschen."┬á

Ich denke, ich bin von allem ein bisschen, denn als Autorin muss ich auf jedem dieser drei Gebiete Fachfrau sein, um gute Bücher zu schreiben. 

Autorin zu sein bedeutet, einen 24 Stunden Job zu haben. Darum muss man das Schreiben lieben. Im "richtigen" Leben bin ich unter anderem Journalistin. 

Davor war ich Apfelpfl├╝ckerin in Israel, Zimmerm├Ądchen in London, Pressereferentin, Projektleiterin in der EU-Forschung, Kioskverk├Ąuferin und Fabrikarbeiterin, uvam.

Seit wann schreibst du? 

Ich bin seit 2012 Krimiautorin und habe es 2015 zu meinem Beruf gemacht. Vorher fiel ich in der Schule zumeist durch die langen und blumigen Texte auf, die - so einer meiner Lehrer - zwar nett zu lesen sind, aber mit der Fragestellung wenig zu tun hatten. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich sa├č mal wieder mit meinen Freunden zusammen und wir diskutierten ├╝ber B├╝cher. Vielleicht war es der Rotwein, aber ich regte mich sehr dar├╝ber auf, dass schlecht geschriebene B├╝cher so erfolgreich waren. Vor allem historische B├╝cher mach(t)en mich rasend, wenn sie schlampig recherchiert sind oder die Leute sich darin benehmen, als spiele die Geschichte heute und man sei nur auf einer Maskerade.

Tja, und da meinte jemand:"Dann mach es doch besser."

So entstand "Fortunas Schatten", ein hist. Krimi. der um 1896 im deutschen Kaiserreich spielt.  

Ab wann wusstest du, dass du Autorin werden willst?  

In dem Moment, als ich mein erstes, selbstgeschriebenes Buch in H├Ąnden hielt.

Welche B├╝cher hast du bisher ver├Âffentlicht?

Ich schreibe gerade am 8. Buch. Jedes Jahr erscheinen von mir 1 bis 2 B├╝cher. Bisher alles Krimis. 2 historische um 1900 (Hauke S├Âtje Reihe), 2 Brit-Crimes aus Cornwall, 2 am├╝sante Hamburg-Krimis und die ├ťbersetzung und Bearbeitung des allerersten Bestsellerkrimis, den eine Frau schrieb (Mary Elisabeth Braddon: Das Geheimnis der Lady Audley, von 1864!)

Derzeit schreibe ich am 3. Band der Hauke S├Âtje Reihe. Nach "Fortunas Schatten" und "Tod am Nord-Ostseekanal" wird Band 3 im Fr├╝hjahr 2018 im Emons Verlag erscheinen.┬á

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Zwangsl├Ąufig. Gute Recherche ist mein Markenzeichen.┬á

Wo schreibst du am liebsten?

Meine Ideen kommen ├╝berall, aufschreiben tue ich sie am liebsten in einem Restaurant oder einem Zug. Aber "richtig" schreiben geht nur in meinem Arbeitszimmer zuhause. Kein L├Ąrm, keine T├╝rklingel, absolute Ruhe.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nee. Hinsetzen und anfangen.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Aktuell schreibe ich meinen dritten historischen Krimi um den Kapit├Ąn Hauke S├Âtje. Er ist mittlerweile Kommissar - warum steht in den beiden B├Ąnden davor ;-). In Kiel laufen gerade geheime Verhandlungen zwischen dem russischen Zaren und dem deutschen Kaiser, um einen Krieg zu verhindern. Da wird Hauke S├Âtje ins Schloss beordert, um einen geheimnisvollen Mann zu sch├╝tzen, der mit der Delegation angekommen ist. Entsetzt stellt Hauke fest, dass der Mann jener M├Ârder ist, der damals Haukes Schiff versenkte. Ein traumatisches Ungl├╝ck, bei dem die gesamte Mannschaft des Kapit├Ąns umkam.┬á

Ein spannendes psychologisches Spiel beginnt, bei dem Hauke ein Attentat verhindern kann, vom kaiserlichen Geheimdienst verh├Ârt wird, den Hochzeitstermin mit seiner Verlobten vergisst und zwischen Rache und Gehorsam entscheiden muss.┬á

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Seit ich schreibe lese ich nur ausgew├Ąhlte B├╝cher. Jedes, dass ich bis zum Ende lese, beeinflusst mich. Derzeit lese ich John LeCar├ęes "Nachtmanager", davor war es ein hist. Liebesroman "Rendezvous im Caf├ę de Flore", davor war es "Die Schatzinsel" und "Der Graf von Monte Christo".

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

├ähm, habe ich nicht. Oder doch. Hmm. Da ich immer "on the job" bin, weil ich entweder Ideen suche oder aufschreibe, redigiere oder vorlese, habe ich wenig, was allgemeinhin als "Freizeit" umschrieben wird. Demn├Ąchst lerne ich Langbogenschie├čen, weil es in einem meiner n├Ąchsten B├╝cher eine Rolle spielen wird.┬á

Wobei, jetzt, wo wir gerade darüber reden, ... doch, da ist ein Hobby: Musik. Ich spiele ein paar Instrumente und das mache ich zwar sehr selten, aber dafür sehr gerne. Manchmal komponiere ich auch oder schreibe Songs kriminell um. 

Da wird dann auch "Gute Nacht, Freund" schon mal ein "Gute Nacht, Zeuge". Ist lustig, macht Spa├č.

Verr├Ątst du einen deiner W├╝nsche f├╝r deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erf├╝llen m├Âchtest?┬á

Ich m├Âchte reisen, reisen, reisen. Menschen und Orte kennenlernen, die ich nur aus dem TV kenne.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr. Je qualifizierter, umso lieber. Das gilt f├╝r Lob ebenso wie f├╝r Kritik.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Wir leben all in einer komplizierten und schnellen Zeit, die kaum noch Raum f├╝r Gedanken oder B├╝cher l├Ąsst. Doch je weniger wir in der Lage sind, die Dinge zu verstehen, umso wichtiger werden B├╝cher. B├╝cher, die alles erkl├Ąren k├Ânnen, indem sie uns Geschichten erz├Ąhlen.


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