Interview mit Tim Vogler

© Benno Kraehahn

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 😊

Sehr gerne 😊

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin Tim, lebe in Berlin und schreibe Spannungsliteratur. Meine beiden letzten Thriller spielen in einer düsteren, postapokalyptischen Welt der näheren Zukunft, in der Berlin zu einer Mega-City angewachsen ist und die Ermittler jeweils eine grausame Mordserie aufklären müssen. Ich setze die Buchreihe demnächst fort. Im dritten Buch müssen die Ermittler einige spektakuläre Morde im halb von Wasser überfluteten und gesetzlosen Hamburg aufklären. Zeitgleich dazu schreibe ich auch »normale« Thriller. Gerade habe ich eine Thriller-Serie begonnen, die in Paris spielt.

Seit wann schreibst du?

Ich habe schon in der Schule einen fantastischen Roman geschrieben. Damals hatte ich starke Stimmungsschwankungen und habe mir eine Welt aus Eis geschaffen, die von einem heroischen, jugendlichen Helden vor dem Untergang gerettet werden muss. Das Problem war, dass die Eisstadt mit dem blauen Palast in ihrer Mitte an einem Tag in der Sonne funkeln und am nächsten Tag im Matsch versinken sollte. Da meist in der Geschichte nur wenige Stunden vergangen waren, habe ich es bald aufgegeben.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen und wann hast Du wieder angefangen?

Während meines Studiums habe ich als Musikproduzent und Komponist in Hamburg gearbeitet. Mein Kompanion und ich waren noch recht jung, als wir große Produktionen mit Sinfonieorchester durchführen durften. Es war sehr aufregend für uns, aber ab einem gewissen Punkt gab es viel Druck und Streit. Nach einem knappen Jahr Psychostress kam die finale Eskalation und wir wurden gefeuert. Ich hatte in den Wochen davor trotz der Studiotage, die oftmals 16 Stunden umfassten, mein Diplom gemacht und war in eine größere Wohnung gezogen. Mit enormem Eifer hatte ich mich für die große Karriere bereitgemacht, aber die war von dem einen Tag auf den anderen weg. Mit der glorreichen Karriere war aber auch der Stress Geschichte und ich bin wie Hans im Glück jeden Tag durch den Hamburger Stadtpark spaziert. Es waren warme Frühlingstage und ich war fast nur draußen. Nach wenigen Tagen habe ich angefangen, eine Kurzgeschichte zu schreiben, die immer länger wurde. Nach einigen Tagen habe ich gedacht, dass es vielleicht eine Novelle wird. Irgendwann war mir klar, dass ich meinen ersten Roman schreibe. Seitdem habe ich die Musik quasi an den Nagel gehängt und schreibe stattdessen.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

2010 habe ich meinen Job in Hamburg gekündigt und bin nach Berlin gezogen, um mit dem Schreiben „ernst“ zu machen. Ich habe nachts in Bars und Clubs gearbeitet und tagsüber Bücher geschrieben. Ich habe viel geschrieben, trotzdem kam es aus verschiedenen Gründen erst 2015 zur ersten Veröffentlichung.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bisher habe ich nur die beiden dystopischen Thriller veröffentlicht, von denen ich oben gesprochen habe. Der erste heißt »Stunde der Rache« und der zweite »Nächte der Toten«. Zwischen beiden besteht eine Verbindung, aber sie sind in sich abgeschlossen und können getrennt voneinander gelesen werden.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Sehr viel sogar, in vielerlei Hinsicht aber nur indirekt. Bevor ich »Stunde der Rache« geschrieben habe, war ich Chefredakteur eines Magazins, das sich mit der Gesellschaft der Zukunft auseinandergesetzt hat. Über eine lange Zeit musste ich mich über Zukunftstrends und –technologien informieren, Veranstaltungen besuchen und Experten interviewen. Damals sind mir viele Ideen gekommen, wie man diese Modelle zur Kulisse für Geschichten zusammenbaut. Ich hatte wegen der sehr langen und zehrenden Arbeitstage in der Redaktion keine Zeit gehabt zu schreiben. Als das vorbei war und ich wieder Zeit hatte, habe ich die erste Fassung von »Stunde der Rache« in wenigen Wochen heruntergeschrieben. Ich war voll bis obenhin, es wollte und musste raus. Darüber hinaus gab es beim Überarbeiten die normale Recherche.

Wo schreibst du am liebsten?

Es gibt viele Plätze, an denen ich gerne schreibe. An meinem Sekretär bin ich von großen Pflanzen umgeben und gucke auf den Eingang zum Schlosspark. Das ist sehr inspirierend, von einem kleinen Urwald umgeben zu sein. Von unserem Wintergarten aus gucke ich auf den an dieser Stelle sehr breiten und schönen Fluss, was für mich als „Wassermensch“ fast noch besser ist.

Es gibt draußen viele schöne Orte am Fluss, an denen es sich gut schreiben lässt. Zudem gibt es hier um die Ecke einen versteckten Garten, der von Anwohnern als Projekt betrieben wird. Er liegt zwischen verfallenen Gebäuden und hat eine besondere Magie. Da bin ich auch gerne.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Es gab über die Jahre viele Rituale, die für mich funktioniert haben, aber derzeit kann ich keines davon nutzen. Ich bin Silvester Vater geworden und habe noch meinen Brotjob. Immer, wenn ein kleiner Moment zur freien Verfügung ist, stürze ich mich auf mein Buch. Vorher habe ich oft vor dem Schreiben eine Weile Lieblingsbücher und Schreibratgeber gelesen, um mich zu inspirieren, aber dafür habe ich keine Zeit mehr. Die Freiheit, mir Lieblingsorte zu wählen, habe ich gerade ebenfalls meist nicht mehr. Ich schreibe, wo und wann sich die Möglichkeit bietet, ohne Zeit auf das »Drumherum« zu verwenden. Wenn der Kleine mal schläft und auch jeden Morgen und Abend in der S-Bahn.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Wie oben erwähnt schreibe ich Thriller, die in Paris spielen. Ich habe den zweiten Teil der Serie direkt nach der Geburt meines Sohnes Anfang des Jahres fertig geplotet, dann aber noch einen Teil davorgesetzt, weil ich mal ein Buch schreiben wollte, in dem politische Konstellationen und Intrigen keine Rolle spielen 😊

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Sehr viele. Ich lese viel Genre-Literatur, aber auch viel »klassische« Literatur. Meine Thriller sind ziemlich düster und blutrünstig, aber Poesie und Sprache sind mir sehr wichtig. Als ich angefangen habe, Thriller zu schreiben, habe ich das gemacht, weil ich meine bildreiche und »lyrische« Sprache mit einer Spannungshandlung zusammenbringen wollte. Ich wollte mich sprachlich nicht verbiegen, habe aber ein populäres Genre gewählt, um im besten Fall viele Leser zu erreichen. Seitdem habe ich viel dazu gelernt, aber im Grunde geht es immer noch darum, bestmöglich Tiefe und Anspruch mit Unterhaltung und Genre-Elementen zu verweben. Ich mag es, Gegensätze auf bunte Weise zusammenzubringen.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Ich lese gerne gut gemachte Spannungsliteratur und bin sehr dankbar für Leute wie Stephen King, die nicht nur spannend, sondern auch sehr kunstvoll schreiben.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Gerad habe ich nahezu keine 😊 Das, was es an Freizeit gibt, verbringe ich mit meiner Familie. Ansonsten mache ich gerne Sport, lese und treffe mich mit Freunden. Im Grunde genommen ist aber Schreiben schon länger das einzige richtige Hobby, das ich pflegen kann. Es verlangt mir alles ab, weil ich es trotz Hobby-Status professionell betreibe und das enorm zeitaufwändig ist. Es ist meine Berufung, gerade muss ich mich etwas zerreißen dafür.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Ich hoffe, dass ich gesund bleibe und meinen Sohn sehr lange durch sein Leben begleiten darf. Mein Traum ist es, vom Schreiben leben zu können, um auch mal ab und zu wieder Freizeit zu haben und um wirklich an Lieblingsorten schreiben zu können. Dann könnte ich auch für Recherche auf Reisen gehen. Ich liebe es in Bewegung zu sein und auf Reisen zu schreiben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Man schreibt nicht nur dafür, aber auch. Es ist schön, wenn Leser einem das spiegeln, was man ausdrücken wollte. Verrisse hauen mich oft kurz um, aber auch das gehört dazu. Man braucht ein dickes Fell, aber es darf nicht zu dick sein, weil man an negativer Kritik wachsen kann und muss. Wenn man es richtig sieht, sind auch Verrisse spannend, obwohl die bei mir bisher kurioserweise fast nur von Leuten kommen, die das Buch nicht einmal gelesen haben.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ich möchte ihnen sagen, dass ich jeden Tag dankbar bin, wie viel noch gelesen wird. Vor einiger Zeit hieß es, dass Bücher aussterben und die Leute wegen Internet und Filmen nicht mehr lesen werden. Das Gegenteil ist denke ich der Fall. Die Leute lesen und werden auch in Zukunft lesen. Das finde ich wichtig, weil Bücher uns bilden und unsere Vorstellungskraft schulen. Ich glaube wirklich daran, dass Bücher die Welt besser machen, daher bin ich so froh, dass so viel gelesen wird. 


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