Interview mit Martin von Arndt

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten ­čśŐ

Magst du den Lesern kurz etwas ├╝ber dich erz├Ąhlen?

Mein Name ist Martin von Arndt, ich bin 49 Jahre alt, freiberuflicher 

Schriftsteller und Dozent in der Erwachsenenbildung. Ich habe in 

Religionswissenschaft (nicht Theologie, das h├Ątte ich der Theologie und┬á

mir nie angetan!) promoviert und lebe zurzeit in der N├Ąhe von Stuttgart┬á

und in Essen. Bin Winzroller-Testfahrer, Boxer, PEN-Mitglied und im 

Internet sportiv unter www.vonarndt.de

Seit wann schreibst du?

Seit ich entdeckt habe, dass sieben Minuten Schreiben sieben Minuten 

schlechten Sex toppen k├Ânnen. Da war ich 17. Oder 18. Nehme ich┬á

zumindest an.

Wie bist du zum B├╝cher schreiben gekommen?

├ťber die Musik. Mit 15 habe ich meine erste Band gegr├╝ndet, und da┬á

niemand von uns an Instrumentals glaubte, musste irgendjemand in den 

sauren Apfel bei├čen und Lyrics schreiben. Nachdem ich mich ein paar┬á

Monate lang ziemlich damit herumgequ├Ąlt hatte, ging es pl├Âtzlich immer┬á

besser; und irgendwann haben sich die Texte dann auch von der Musik 

gel├Âst und ich habe nicht mehr "zweckgebunden" geschrieben. Erst┬á

Theaterst├╝cke, dann Prosa.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Von dem Tag an, an dem mein Deutschlehrer verkündete, es komme eher ein 

Fu├čballspieler in Mensa (den Verein f├╝r Menschen mit hohem IQ) als meine┬á

Worte in ein gedrucktes Buch.

Welche B├╝cher hast du bisher ver├Âffentlicht?

Belletristik:

Rattenlinien. Roman (Historischer Politthriller) 2016.

Tage der Nemesis. Roman (Historischer Politthriller) 2014.

Oktoberplatz. Roman 2012.

Der Tod ist ein Postmann mit Hut. Roman 2009.

ego shooter. Roman 2007.

Geist der schwarzen Tage. Novelle (Mysterienkrimi) 1987/2005.

Der 40. Tag vor Sophienlund. Erz├Ąhlungen 1997.

Asrael. Lyrik 2001.

Lemuren. Theaterst├╝cke 2000/2008.

Sachb├╝cher:

Klassiker der Religionspsychologie, 2008.

Nachtmeerfahrer, 2003.

Der Fu├čballcrash, 2002.

Tiefenpsychologische Bibelexegese, 1999/2009.

├ťbersetzung und Nachdichtung:

Tristan Corbi├Ęre: Die gelben Leidenschaften, 1990.

Hast du f├╝r deine B├╝cher recherchiert?

Für historische Romane muss man das, für politische Bücher erst recht, 

weil man sich ansonsten in starkem Ma├če angreifbar macht. Durch meine┬á

wissenschaftliche Ausbildung bin ich zudem Recherchen gew├Âhnt und t├Ątige┬á

sie eigentlich auch ganz gern. Au├čer sie finden bei -27┬░C┬á

Au├čentemperatur in einem Keller in Minsk statt. Das ist dann -┬á

erfahrungsgem├Ą├č - nicht vergn├╝gungssteuerpflichtig.

Wo schreibst du am liebsten?

Kommt drauf an, was ich schreibe. Seit jeher schreibe ich sehr gern in 

Caf├ęs, wenn es nicht gerade ein Roman ist, an dem ich sitze. Da brauche┬á

ich einfach die Ruhe, die gewohnte Arbeitsumgebung und meine 

"Visualisier-mich"-Wand, kurz: mein Arbeitszimmer.

Aber ich hatte auch schon einmal das Vergnügen, im Nachtzug von Berlin 

nach Minsk zwei Kurzgeschichten schreiben zu dürfen. Hochinteressante 

Erfahrung. Nicht nur wegen des Schlafentzugs (Umspurbahnhof Brest).

Hast Du ein festes Schreibritual?

Musik auf die Ohren (meist klassische Musik, gern Haydn, der lenkt mich 

nicht allzu sehr ab, ├╝bert├Ânt aber den L├Ąrm meiner lieben Nachbarn und┬á

der Dauerbaustellen, die mich seit Jahren umgeben), Tee auf den Tisch. 

Ansonsten befriedige ich mein Bed├╝rfnis nach Ritualen meist au├čerhalb┬á

der schriftstellerischen Arbeit.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Och, da gibt es ganz viele, aber einer ragt besonders heraus: Graham 

Greene. Ich liebe die Art, wie er seine Politthriller komponiert hat, 

besonders The Quiet American und The Third Man.

Was sind deine Lieblingsb├╝cher und Lieblingsautoren?

Neben Graham Greene noch Alan Ayckbourn: Man of the Moment, Donald 

Barthelme: The King, John Williams: Stoner, Richard Powers: Generosity: 

An Enhancement, Don de Lillo: White Noise, Tom Stoppard: Rosenkrantz and 

Guildenstern are dead, Pavel Kohout: Wei├čbuch in Sachen Adam Juracek,┬á

Wilhelm Genazino: Ein Regenschirm für diesen Tag, Jürg Amann: Die 

Baumschule, Arnold Stadler: Der Tod und ich, wir zwei, Toni Morrison: 

Love, Joachim Zelter: Schule der Arbeitslosen, Dimitri Verhulst: Die 

Beschissenheit der Dinge, Norbert Z├Ąhringer: Als ich schlief, Arthur┬á

Rimbaud: Die sp├Ąten Gedichte, ...

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Boxen, laut Musik h├Âren (mit den Jahren definiere ich "laut" allerdings┬á

immer leiser), Chi Gong, reisen. Und lesen - nat├╝rlich.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Nach meinen Politthrillern TAGE DER NEMESIS und RATTENLINIEN arbeite ich 

gerade am dritten Teil der Reihe um den ehemaligen Berliner Kommissar 

Andreas Eckart. Dieser dritte Teil wird im Jahr 1956 spielen - mehr darf 

ich leider noch nicht verraten.

Verr├Ątst du einen deiner W├╝nsche f├╝r deine Zukunft oder einen Traum,┬á

den du dir gerne noch erf├╝llen m├Âchtest?

Ich würde gern einmal Schottland von Nord nach Süd durchwandern. Oder 

von West nach Ost. Zur Not auch nicht zu Fu├č (obwohl mir jetzt keine┬á

Variante einfiele, die sich dann noch als "Wandern" qualifizierte, wenn 

es nicht zu Fu├č w├Ąre).

Und es erleben, dass Deutschland eine Regierung bekommt, die das 

Attribut "linksliberal" auch wirklich verdient.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Sehr wichtig. Schlie├člich schreibe ich f├╝r eine interessierte┬á

├ľffentlichkeit, nicht f├╝r meine Schublade.

Wichtig ist mir dabei allerdings auch, dass es sich nicht auf Amazons 

"Ich mach einfach mal alles nieder, ich muss es ja nicht 

begründen"-Niveau bewegt. Begründete Kritik nehme ich mir immer zu 

Herzen - auch Leserwünsche. Teil 2 und 3 der oben genannten Trilogie 

beispielsweise sind ausdrücklich auf Leserwunsch entstanden, ich selbst 

habe mich nie als Reihenautor verstanden und einen kleinen Tritt 

gebraucht, um ans Werk zu gehen.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch 

etwas sagen?

├ťberpr├╝ft alles, was euch in dieser Welt da drau├čen begegnet und alles,┬á

was man euch erz├Ąhlt, aber begegnet allen mit einer gewissen Offenheit┬á

und ohne vorschnelle Urteile.

Oha, klingt nach erhobenem Zeigefinger, das wollte ich mir eigentlich 

wohl selbst sagen...

Also gut, nochmal: Ach, macht einfach, ihr macht das schon richtig ...!


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