Interview mit Doris Bewernitz

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 

Gern, und danke, dass Du fragst.

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Was ich gern mag: SCHREIBEN, neugierige Menschen, freundliche Menschen, suchende Menschen, Fragen, Blumen, Hunde, Schweine, draußen sein, Blumen, meinen Garten, Berlin, die Wüste, den Horizont, das Meer, meine Freunde, meine Kinder und Enkel, basteln mit Holz und Papier, Briefe schreiben mit der Hand, Schokoladeneis mit Eierlikör, gute Bücher.

Ich mag nicht: Menschen, die andere aufgrund von Äußerlichkeiten verurteilen. Menschen, die anderen weh tun. Menschen, die sich gern als Opfer sehen und jammern, statt an ihrer Situation etwas zu verändern. Undankbare Menschen.

Seit wann schreibst du?

Meine erste Geschichte schrieb ich mit 6 Jahren. Sie war sehr spannend, es ging um Leben und Tod. Eine böse Hexe schubste Kinder in einen See und hielt sie unter Wasser in ihrem Schloss gefangen. Ich (Heldin) fand heraus, wie man die Hexe besiegen und die Kinder befreien konnte. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Das war so: ich hatte zwei ältere Schwestern, die abends immer heimlich mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lasen. Um dieses Abenteuer beneidete ich sie glühend, weil ich noch nicht lesen konnte. Um auch Geschichten zu haben, dachte ich mir also selbst welche aus. Da muss ich etwa vier Jahre alt gewesen sein. Später, als ich dann schreiben konnte, machte ich einfach damit weiter und schrieb die Geschichten auf.

Bei uns zu Hause wurde allerdings immer viel gelesen und vorgelesen, und es wurden auch Geschichten und Märchen aus dem Stegreif erzählt. Von daher waren Geschichten für mich etwas ganz Natürliches und ich fand es völlig unspektakulär, mir selbst welche auszudenken. Schon früh bewunderte ich Autoren, die so erzählen konnten, dass man wollte, dass die Geschichte nie aufhört. Hans-Christian Andersens Märchen zum Beispiel habe ich als Kind über alles geliebt.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst? 

Das kam erst sehr, sehr viel später. Geschrieben habe ich zwar mein ganzes Leben lang, aber ich sah das nie als möglichen Beruf an, für mich war Schreiben immer so normal wie atmen. Nach der Schule, mit 16 wollte ich zuerst Tischler werden, doch da war meine Mutter dagegen. Sie fand, Krankenschwester passe besser zu einem Mädchen als Tischler. Es passte allerdings nicht so richtig zu mir. Mit 20 wusste ich das und schaute, was man denn noch so werden könnte. Ich versuchte es mit diversen weiteren Ausbildungen und Berufen: Krippenerzieherin, Gerichtsprotokollantin, Lehrerin (Mathe/ Physik), Spielplatzbauerin, Drogenberaterin, Gestalttherapeutin, Heilpraktikerin, Dozentin, Sozialarbeiterin … Lauter interessante Berufe, das muss ich zugeben, ich habe immer schon gerne gelernt und konnte viele Erfahrungen in all diesen Bereichen sammeln und mich ordentlich abarbeiten. Dann wurde ich leider aufgrund von Überforderung krank und musste mir überlegen, was ich derart eingeschränkt noch machen kann. Und was soll ich sagen? Der Mensch ist mit Blindheit geschlagen. Ich brauchte tatsächlich über ein Jahr, bis mir auffiel, dass ich eine Sache ja nun wirklich mein ganzes Leben lang gemacht hatte: Schreiben! Da war ich Mitte Vierzig. Und entschied mich endlich, Schriftstellerin zu werden.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Bis jetzt sind es 15. Mein erstes erschien 2007, also vor 10 Jahren. Ich weiß noch, wie stolz ich war, als ich meinen ersten Verlagsvertrag unterschrieb. Heute schaue ich mir diese Verträge etwas genauer an. Auch hier lernt man eben nie aus . Die Krimis schreibe ich übrigens immer mit anderen Autoren gemeinsam, das macht sehr viel Spaß, ich kann es nur empfehlen. Alle anderen Bücher schreibe ich allein.

Die Titel? Hier sind sie:

Martha auf dem Schwein, Verlag edition naundob, Berlin, 2017

Kluge Frauen leben bunter, Verlag am Eschbach, 2017

Im Haifischbecken, Krimi, Sascha Behringer (Pseudonym für Gerald Stitz und Doris Bewernitz), Edel Verlag, Hamburg, 2017

• Das Huhn beim Papst – 99 Hosentaschenromane, (Kalendergeschichten), Band I, Mondschein Corona Verlag, Plochingen, 2017

• Adler auf Urlaub – 99 Hosentaschenromane (Kalendergeschichten), Band II, Mondschein Corona Verlag, Plochingen, 2017

• Zerbrochene Puppen, Krimi, Sascha Behringer (Pseudonym für Gerald Stitz und Doris Bewernitz), Pro-Talk Verlag, Königswinter (Taschenbuch) und Edel Verlag, Hamburg (E-Book ), 2016

• Vom Engel, der die Zeit anhielt, Verlag am Eschbach, Eschbach, 2016

• Spuren im Schnee - Weihnachtsgeschichten, Verlag Herder, Freiburg, 2015

• 18 – Ein Loser startet durch, Jugendroman, Kindle Edition, KDP, 2015

• Die Schlange von Shenzhen, Krimi, Bewernitz-Christ-Haederle, Südwestbuch Verlag, Stuttgart, 2014

• Wo die Seele aufblüht - Warum ein Garten glücklich macht (Neuauflage), Verlag Herder, Freiburg, 2014

• Rattenlinie Bariloche, Krimi, Bewernitz-Christ-Heibel, Südwestbuch Verlag, Stuttgart, 2013

• Wo die Seele aufblüht - Warum ein Garten glücklich macht, Verlag Kreuz, Freiburg, (Erstauflage), 2012

• Der illegale Hund, Kurzgeschichten, trafo-Verlag, Berlin, 2007

• Glückskörner, Erzählungen, trafo-Verlag, Berlin, 2007

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Selbstverständlich! Das ist ja das Tolle, man lernt so unglaublich viel, wenn man schreibt. Besonders muss man natürlich bei den Krimis recherchieren. Krimileser sind ausgesprochen kritisch, die finden Fehler sofort. Aber auch für das Gartenbuch, das Engelbuch, das Buch über Frauen, die Kalendergeschichten - überall habe ich viel gelesen und bin zu überraschenden Einsichten gelangt, bevor ich die Bücher schrieb. Ich glaube nicht, dass man ohne Recherche gut schreiben kann.

Wo schreibst du am liebsten?

In meinem Garten. An dem großen Eichentisch, den mein Urgroßvater gebaut hat (er war Tischler!). Am zweitliebsten schreibe ich in Cafés, auf Bahnhöfen und in fahrenden Zügen.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nein. Nur, dass ich täglich schreibe, immer Stift und Notizbuch dabei habe und Gedanken sofort notiere, wenn sie kommen. Das gilt auch nachts. Und: ich schreibe die Erstfassung immer mit der Hand.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Ja, etliche. Ich arbeite immer parallel an mehreren Büchern, das macht Spaß und gibt mir die Gelegenheit, mich bei einem Projekt jeweils von einem anderen zu erholen. Da ich in verschiedenen Genres schreibe, geht das besonders gut. Zurzeit sind in Arbeit: die dritte Auflage des Gartenbuches (kommt 2018 raus), der fünfte Krimi (ebenfalls 2018), ein Buch mit Kurzgeschichten zum Thema Langsamkeit, ein dritter Band mit Kalendergeschichten und ein Gedichtband.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Oh, nicht nur einen. Um alle aufzuzählen, die mich und mein Schreiben beeinflusst haben, würde die Zeit nicht ausreichen. Hier eine kleine Auswahl: Wilhelm Busch, die Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen, Gilbert Keith Chesterton (sowohl seine Krimis als auch seine philosophischen Texte), Dorothy L. Sayers, Georg Simenon, Eva Strittmatter, Michail Sostschenko, Michael Bulgakow, Angelus Silesius, Eduardo Galeano, Dorothee Sölle, Tadeusz Różewicz, Friederike Kempner, Umberto Eco, Franz Hohler, Franz Kafka, Bertolt Brecht, und viele, viele, viele andere. Meine Vorbilder: Franz Hohler, Robert Gernhardt, Harald Martenstein. Alle drei sind wunderbare Handwerker. Aber natürlich beeinflussen mich auch meine Autorenkolleginnen, mit denen ich seit vielen Jahren zusammenarbeite, und denen ich sehr verbunden bin: Andrea Lauer, Ilka Haederle und Gerald Stitz.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Hier eine (zugegeben dürftige) Auswahl meiner Lieblingsbücher:

Der Meister und Margarita - Michael Bulgakow

Schlüssel des Glücks – Michail Sostschenko

Das Buch der Umarmungen - Eduardo Galeano

Von der Richtigkeit der Welt – Werner Bergengruen

Ich bin ein Bote und nichts mehr – Matthias Claudius

Heiteres Herbarium – Karl Heinz Waggerl

Wege am Rande des Abgrunds und Kopfstände – Gilbert Keith Chesterton

Dinge, Blumen, Tiere und Leute für Kinder – Vitezslav Nezval

Neuer Deutscher Märchenschatz, 7. Sonderheft der Woche, von 1905

Und meiner Gedicht-Favoriten:

Gong bin ich (Henri Michaux) – Betrachtung der Zeit (Andreas Gryphius) – Fröhlicher Tod (Friedrich von Logau) – Der Panther (Rilke) – Solang du Selbstgeworfnes fängst (Rilke) – Schneiden und Scheiden (Robert Gernhardt) – Die Richtung der Märchen (Franz Fühmann) – Vergänglichkeit (Hermann Hesse) – Über die Felder (Hesse) – Schreibtisch am Fenster (R. Kunze) – Kleiner Gesang (Hesse) – Manchmal (Hesse) – Entdeckung (Wislawa Szymborska) – Notiz (Wolfdietrich Schnurre) – Der Engel spricht (Werner Bergengruen) – Herbstliche Tröstung (Bergengruen) – Leben eines Mannes (Bergengruen) – Das Spiel ist aus (Ingeborg Bachmann).

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Schwierige Frage, am liebsten schreibe ich nun mal. Wenn ich nicht schreibe, liebe, pflege und genieße ich meinen Garten, schnuppere an Blumen, beobachte Vögel, spiele mit Freunden Doppelkopf oder Scrabble, freue mich an den Enkeln oder gucke mir die Ostsee an.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest?

Oh, ich habe immer einen ganzen Sack voller Träume. Aktuell: ein ganz kleines Häuschen im Berliner S-Bahn-Bereich, in dem ich bis zum Ende meiner Tage bleiben kann.

Und ja, eins noch: ich würde mich sehr freuen, wenn ich mal ein Lyrik-Buch in einem Verlag machen könnte.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern?

Enorm wichtig, für die schreibe ich ja. Deswegen habe ich auch bei jedem Buch Testleser, deren Feedback ich gewissenhaft einarbeite, bevor das Manuskript an die Lektorin geht. Ein Text, der nach dem ersten Wurf stimmt, ist bei mir äußerst selten (vielleicht einer von Tausend). Mein großes Glück ist es, seit neun Jahren eine wunderbare Autorengruppe zu haben, wir treffen uns jede Woche, stellen uns unsere mitgebrachten Texte gegenseitig vor und feilen gemeinsam an ihnen herum. Und zwar so lange, bis sie stimmen. Ohne diese Gruppe wäre ich längst nicht dort, wo ich jetzt bin.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen?

Ja: Schreiben ist der schönste Beruf, den es gibt.

Und wie dankbar ich bin, dass ich diesen Beruf ausüben darf.

Ich danke für die Fragen! 


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