Interview mit Michael Wagner

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Tja, hier würde ich nun gern schreiben, dass ich aus einer Künstlerfamilie stamme, in einer bedeutenden Metropole zu Hause bin und dass ich die Literatur quasi mit der Muttermilch aufgesogen habe.

Tatsächlich komme ich aus einer kleinen, industriell geprägten Gemeinde im Märkischen Sauerland, mein Vater war Anstreicher, meine Mutter Haus- und Putzfrau, und mit Büchern konnte ich als Kind wenig bis gar nichts anfangen .

Seit wann schreibst du?

Nachdem ich die Idee für meinen Roman und große Teile des Plots fast 20 Jahre im Kopf hatte, mich aber nicht aufraffen konnte loszulegen, griff ich im Jahr 2008 endlich zum Stift beziehungsweise zur Tastatur. Dennoch sollte es acht weitere Jahre dauern, bis mein erstes Buch erschien.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen?

Wie schon kurz angedeutet, lag mir das Lesen in den ersten 15 bis 20 Jahren meines Lebens ziemlich fern. Dann aber hat es mich mit voller Wucht erwischt. In einer Zeit, als ich etwas studiert habe, das mir keinen Spaß machte und in der ich weitgehend an mir vorbeigelebt habe, wurden Bücher zu einem Zufluchtsort für mich. Mit ihnen konnte ich mich in eine Parallelwelt flüchten, die viel schöner und spannender war als meine reale Welt damals. In dieser Phase reifte irgendwann der Wunsch, selbst einmal eine solche zweite Wirklichkeit zu erschaffen.

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Ungefähr zu jener Zeit, so etwa mit Anfang, Mitte zwanzig. Allerdings tat ich dann das, was man häufig tut, wenn große Herausforderungen anstehen: Ich suchte (und fand) immer wieder Gründe, das Projekt „Eigenes Buch“ aufzuschieben.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Mein Debütroman Lünsch-Mord ist im Oktober vergangenen Jahres bei Bastei Lübbe erschienen. Derzeit arbeite ich am nächsten Abenteuer meines Ermittlerduos Theo Kettling/Lieselotte Larisch.

Hast du für deine Bücher recherchiert?

Oh ja – und wie! Meine Handlungen spielen ja in den verrückten Siebzigern. Das hat den Nachteil, dass man nicht schnell mal eben losfahren und nachsehen kann, wie denn nun die Mauer aussieht, hinter der die Leiche liegen soll. Stattdessen muss ich Bücher wälzen oder – besser noch – mit Zeitzeugen in Kontakt treten. So stand ich für den Lünsch-Mord in regem Mailverkehr mit ortskundigen Heimatfreunden. Aber nicht nur mit denen, sondern auch mit Gerichtsmedizinern, Juristen, Juwelieren, Mitarbeitern verschiedenster Ämter und vor allem mit Automobilliebhabern. Ich habe haufenweise nette und sehr hilfsbereite Freaks kennengelernt, deren Herz für alte VW schlägt, für alte Mercedes, Opel, Ford, DAF und und und.

Mein Ziel ist es, immer alles absolut authentisch zu beschreiben, damit sich die Handlung genau so hätte abspielen können, wie es im Buch zu lesen ist. Ein beinahe schon etwas zwanghafter Anspruch, ich weiß . Der zeitliche Aufwand für Recherchearbeiten ist deshalb mindestens so hoch wie der für das Schreiben selbst.

Wo schreibst du am liebsten?

Ich bin zwar grundsätzlich in der Lage, daheim am Schreibtisch zu arbeiten. Eine angenehme und kreativitätsfördernde Atmosphäre ist das für mich aber nicht. Als viel inspirierender empfinde ich da das Schreiben in Restaurants (gern auch im Imbiss an der Ecke) oder mit einem Bierchen an der Bar. Deshalb entstehen nicht unerhebliche Teile meiner Bücher schlürfend, kauend und mampfend.

Hast du ein festes Schreibritual?

Ein richtiges Ritual eigentlich nicht, aber ich lege mir selbst Regeln auf und setze mir Termine, um keinen Schlendrian einreißen zu lassen.

Hast du ein neues Projekt, das du uns schon verraten kannst?

Derzeit arbeite ich an der Fortsetzung meines Debütromans, was natürlich kein großes Geheimnis ist.

Tja, und dann habe ich da noch eine (ziemlich vage) Idee gaaanz tief im Hinterkopf. Ein Buch irgendwo zwischen Krimi, Familienroman und Phantastik. Ich weiß nicht, ob ich dafür einen Verlag finden werde. Ich weiß nicht einmal, ob es Leser für so etwas gibt. Was ich aber ganz sicher weiß: Ich will dieses Ding unbedingt machen, und sei es nur für mich selbst. Deshalb habe ich mir vorgenommen, immer mal wieder etwas daran zu arbeiten, wenn ich gerade Zeit und Muße habe. Jetzt muss ich mich nur noch zum Loslegen aufraffen … 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat?

Ja, klar. Ich glaube, jeder Autor wird mehr oder weniger stark beeinflusst von den Schriftstellern, deren Werke er liebt. Bei mir war es so, dass ich durch die Kommissar-Beck-Romane von Sjöwall/Wahlöö zur Leseratte wurde (die übrigens nicht wirklich etwas mit den Kommissar-Beck-Mainstream-Krimis zu tun haben, die gelegentlich im Fernsehen laufen).

Diesen nüchternen, beinahe schon sterilen sprachlichen Stil, verbunden mit einer sehr detaillierten Beschreibung der Handlungsorte, hat mich ebenso geprägt wie die humorvolle Beschreibung kleiner und größerer Katastrophen, wie sie vor allem Horst Bosetzky alias –ky in Perfektion beherrscht.

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Eine ganz besondere Beziehung habe ich zu Gerhart Hauptmann. Seine Novelle „Bahnwärter Thiel“ haben wir in der neunten Klasse im Deutschunterricht gelesen. Was sich zunächst als nervige Pflichtlektüre anzukündigen schien, sollte sich als das Werk entpuppen, das in mir, der ich bis dato mit Büchern kaum etwas anfangen konnte, die Begeisterung für Literatur weckt.

Noch heute nehme ich immer mal wieder das dünne und mittlerweile schon ganz abgegriffene Reclam-Heftchen in die Hand und lese meine Lieblingsszenen.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Weil ich von meiner schriftstellerischen Tätigkeit (zumindest noch ) nicht leben kann, gehe ich einem „ganz normalen“ Beruf nach, der mich zeitlich stark in Anspruch nimmt. Ich muss deshalb beinahe meine gesamte Freizeit für das Schreiben aufwenden. Dabei empfinde ich es als besonders bedauerlich, dass ich selbst kaum noch zum Lesen komme.

Eines aber lasse ich mir nicht nehmen: Ich gehe regelmäßig zum Eishockey. Mit guten Freunden treffen, ein Bier trinken (manchmal auch zwei ) und lautstark das eigene Team anfeuern – das ist für mich die perfekte Art und Weise, den Kopf frei zu bekommen, um danach wieder kreativ durchstarten zu können.

Lieber Michael, danke, dass du meine Fragen beantwortet hast.


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