Interview mit Wilhelm Kuehs

© Ingrid Kuehs

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Mein Name ist Wilhelm Kuehs und ich lebe mit meiner Familie in Kärnten. Früher habe ich wie mein Krimiheld Ernesto Valenti als Journalist gearbeitet, heute schreibe ich Romane und unterrichte an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. 

Seit wann schreibst du? 

Ich schreibe schon seit der Schulzeit. Im Gymnasium habe ich die ersten Kurzgeschichten geschrieben und meine Liebe zu dem entdeckt, was man bei uns abfällig als Unterhaltungsliteratur bezeichnet. Ich habe nie verstanden, was diese Geringschätzung soll. Wenn eine Geschichte niemanden unterhält, ist sie überflüssig. 

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Es gab in Wolfsberg in Kärnten den sogenannten Literaturstammtisch, eine lose Gruppe von AutorInnen, die sich einmal im Monat getroffen hat, um sich Texte vorzulesen und diese Texte dann gegenseitig zu kritisieren. Da habe ich eine Menge über das Schreiben gelernt und da ergaben sich auch erste Kontakte zu Verlegern und zum Rundfunk. Irgendwann hatte ich einen längeren Text fertig, der gefiel ein paar Leuten und so erschien 1993 der erste Roman mit dem Titel „Die Thrud“. 

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Mir war so mit 15 oder 16 klar, dass ich das ganz gut kann. Also habe ich mich entschlossen zu schreiben. Ich habe mich hingesetzt und gelesen, was mir unter die Finger kam, habe Autoren nachgeahmt, um zu verstehen, wie sie arbeiten. Es ist ziemlich schwierig und aufwendig, eine gute Geschichte zu erzählen. Dazu braucht es nicht nur Talent, sondern vor allem das nötige Handwerk. Das habe ich mir in über zwanzig Jahren angeeignet, aber ausgelernt hat man natürlich nie. 

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

        - Die Thrud, Tandaradai Verlag/Edition Wolfsberg, 1993 
      - Die gläsernen Ringe des Satans, Aarachne, Wien 1998 
     - Die Saligen, Sagen aus Kärnten, Hermagoras, Klagenfurt am Wörthersee, 2006 
    - Sagen aus Kärnten, Friaul und Slowenien, Styria, Wien, 2012 
        - Kärntner Sagen, Tyrolia, Innsbruck [u.a.], 2013 (Zeichnungen von Jakob Kirchmayr)
       - Mythenweber. Soziales Handeln und Mythos, Springer VS, Wiesbaden, 2015 
       - Der letzte Rock hat keine Taschen. Ein Kärnten Krimi, Haymon, Innsbruck, 2015 
    - Wer zuletzt lacht. Ein Kärnten Krimi, Haymon, Innsbruck, 2016
        - Dianas Liste. Ein biografischer Roman, Tyrolia, Innsbruck, 2017 
         - Mein letzter Wille geschehe. Ein Kärnten Krimi, Haymon, Innsbruck, 2017

Dazu kommen noch einige Anthologien, die ich selbst herausgegeben habe, und viele Beiträge zu anderen Büchern. 

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Das Recherchieren dauert meistens länger als der eigentliche Schreibprozess. Ich trage sehr viel Material zusammen, führe Interviews, besuche Schauplätze und versuche, mein Thema von allen Seiten zu beleuchten. Erst wenn ich eine Geschichte wirklich durchdrungen habe, sie aus mehreren Perspektiven erzählen kann und die handelnden Personen wirklich verstehe, beginne ich mit dem Schreiben. 

Bei den Krimis greife ich auch sehr oft auf meine Erfahrungen als Journalist zurück. Ich habe mir gedacht, ich nehme lieber keinen Polizisten als Ermittler. Was weiß ich schon über Polizisten? Aber über die Arbeit eines Journalisten weiß ich ganz genau Bescheid. So ist Ernesto Valenti eine sehr authentische Figur geworden. Mir kommt manchmal vor, ich hätte ihn gar nicht erfunden, sondern würde nur von seinen Abenteuern berichten. 

Wo schreibst du am liebsten?

Ich schreibe zu Hause in meinem Büro oder in einer Laube vor dem Haus. Von beiden Plätzen habe ich einen wunderbaren Blick auf den Wald, ich höre im Sommer die Vögel und das Rauschen des Baches.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Eigentlich nicht. Aber ich versuche einen Tipp von Ernest Hemingway zu beherzigen. Er meinte einmal, man solle den letzten Absatz, den man sich überlegt hat, nicht hinschreiben, sondern ihn für den nächsten Tag aufsparen. So hat man nie Schwierigkeiten, ins Schreiben hineinzukommen. 

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Im aktuellen Projekt geht es um eine wahre Geschichte. Die Recherchen dazu haben mehr als zwei Jahre gedauert und jetzt geht es ans Schreiben. Meine Frau und ich sind über die Geschichte gestolpert, während wir uns mit dem biografischen Roman „Dianas Liste“ beschäftigten. Wir waren beide wie elektrisiert. Allzu viel will ich noch nicht verraten, nur so viel: Die Handlung spielt im Zweiten Weltkrieg in Griechenland und zeugt von seltenem Mut und Einsatz gegen die deutsche Besatzung. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Bei meinen Krimis habe ich mich stark an der klassischen Form des Detektivromans orientiert und versucht, daraus etwas Neues zu machen. Da standen einerseits die Autoren des Goldenen Zeitalters wie Arthur Conan Doyle und John Dickson Carr Pate, aber es gibt auch einen ordentlichen Schuss Hardboiled-Einfluss. 

Es ist mir aber auch wichtig, dass meine Romane aktuelle Themen behandeln und da kommt die nordische und südliche Tradition ins Spiel. Henning Mankell war da ebenso einflussreich wie Petros Markaris. 

Es hilft sehr, wenn man weiß, wie andere es gemacht haben. Aber letzten Endes muss man seinen eigenen Weg finden. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Das wäre jetzt eine wahnsinnig lange Liste. Ernest Hemingway habe ich schon genannt. Besonders wichtig waren und sind aber auch die Autoren der Beat-Generation, allen voran Jack Kerouac. Der magische Realismus von Gabriel Garcia Marquez und Carlos Fuentes hat mich auch stark beeinflusst, und natürlich ist Stephen King ein großes Vorbild. Aber es gibt auch sehr viele deutschsprachige Autoren wie Leo Perutz, Hans Lebert und Christoph Ransmayr, mit denen ich mich sehr eingehend beschäftige. Ich kann hier gar nicht alle aufzählen. Zwei Professoren muss ich aber noch nennen. Beide sind tief in das Innere des Erzählens vorgedrungen und wir können nur staunend vor ihrem Werk stehen: J.R.R. Tolkien und Umberto Eco. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Nach dem Schreiben kümmere ich mich, wie schon Sherlock Holmes, um ein paar Bienenstöcke, die bei uns im Garten stehen. 

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ich habe das Glück,vom Schreiben leben zu können. Das ist schon ein großer Luxus. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Man bekommt ja immer wieder positive und negative Kritik. Es freut mich, wenn die Geschichten den Leuten gefallen. Dafür schreibe ich sie ja. Berechtigte Kritik nehme ich ernst. Daraus lerne ich. Es gibt aber auch Leute, die sich angegriffen fühlen. Um den Faschingskrimi „Wer zuletzt lacht“ gab es heftige mediale Aufregung. Offensichtlich habe ich da einen Nerv getroffen. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Lesen Sie weiter. Das ist vermutlich das Vernünftigste, was man tun kann. Dadurch wird man klüger und vielleicht auch glücklicher. 


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