Interview mit Thomas Lang

© Peter von Felbert

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Ich bin 50 Jahre alt und lebe mit meiner Familie in München (ich habe drei Töchter). Zum Schreiben gehe ich tagsüber meistens in ein Büro nah an der Isar. Nebenbei habe ich lange Zeit als Fachjournalist zu Internet-Themen gearbeitet. Heute arbeite ich eher zu literarischen Themen (ich bespreche zum Beispiel Bücher) und schreibe ab und zu etwas über München und andere Künstler, die hier leben. Außerdem unterrichte ich immer mal wieder kreatives Schreiben.

Seit wann schreibst du?

Ich schreibe schon irrsinnig lange. Als Kind habe ich Abenteuergeschichten, aber auch anderes geschrieben, Gedichte, Szenen - alles Mögliche.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Ich glaube, weil Lesen für mich etwas Großes war (und immer noch ist!). Das hat den Wunsch hervorgebracht, selbst Geschichten zu erzählen. Aber auch, weil ich einen anderen Weg gehen wollte als den von meiner Familie vorgezeichneten. Mit siebzehn, achtzehn hat es mich völlig umgeblasen, welche Gefühle und Einsichten Literatur produzieren kann. Mit was? Mit nichts als Worten ...

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?

Der Wunsch, Autor zu werden, hat sich gegen Ende meiner Schulzeit verfestigt. Von da an hat es aber noch mal zehn Jahre gedauert, bis ich meinen Weg in den Literaturbetrieb gefunden habe.

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Meine Bücher haben recht unterschiedliche Themen. In dem ersten, „Than“, geht es um jemand, der nicht mit seiner Umwelt kommunizieren will und auf eine Insel in einem zufrierenden See geht. Dort erlebt er ziemlich seltsame Dinge und erfährt auch, dass er auf seine Art eben doch mit der Welt verbunden ist. Dann habe ich geschrieben über eine sehr spezielle Vater-Sohn-Begegnung (Am Seil), über ein Wochenende mit zwei Paaren, deren Verhältnis von Konkurrenz und emotionalen Barrieren geprägt ist („Unter Paaren“), über das Erwachsenwerden in den 1980ern („Bodenlos oder Ein gelbes Mädchen läuft rückwärts“), über ein Paar, das in seinem Garten einen halbwüchsigen Orang Utan beherbergt („Jim“), und zuletzt über das von der Suche nach sich selbst geprägte Leben des jüngeren Hermann Hesse („Immer nach Hause“).

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Ja, manchmal war es aufwändig, manchmal nicht so. Für den ersten Roman bin ich z.B. einen ganzen Tag über die kleine Fraueninsel im Chiemsee gelaufen und habe Fotos und Notizen gemacht. Für „Jim“ habe ich unter anderem Orang Utans studiert. Für „Immer nach Hause“ war die Recherche sehr umfangreich. Das spielt ja vor rund hundert Jahren, also habe ich viel über die Zeit gelesen, über die Vorläufer der Hippies (Reformbewegung), über den Ersten Weltkrieg - und natürlich sehr viel von und über Hermann Hesse.

Wo schreibst du am liebsten?

Am liebsten schreibe ich dort, wo ich mich wohlfühle und innerlich ungestört bin. Das kann mal im Bett sein, aber auch in der Bahn oder draußen. Meistens bin ich aber in meinem Arbeitszimmer und sitze da am Schreibtisch.

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nicht wirklich. Morgens fange ich gern mit einer Tasse Kaffee an, manchmal lese ich ein bisschen online. An schlechten Tagen spiele ich eine (oder mehr als eine …) Runde Solitär. Das ist ja relativ stupide, also kann ich dabei in Gedanken schweifen. Aber manchmal leg ich auch einfach los.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Zur Zeit arbeite ich an einer Geschichte, die einen wahren Kern hat: Ein paar Jugendliche finden beim Feiern im Wald eine Leiche, mit der sie Unfug treiben. Wie reagiert ihre Umwelt, was bedeutet das für ihr Leben? Der Arbeitstitel dieses Projekts lautet „Der gefundene Tod“. Die wahre Geschichte, die Figuren und Orte, die ich mit einer Community von Usern daraus entwickelt habe und einen Teil des Textes könnt ihr online lesen: netzroman.thomaslang.net Der bisher entstandene Text steht jetzt jedem zur Weiterbearbeitung zur Verfügung.

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

Wow, ja, wahrscheinlich alle. Mit achtzehn stand ich auf Kafka und Camus, aber auch Philippe Djian, der mit der Amour-fou-Geschichte „Betty Blue“ berühmt wurde. Später kamen die Amerikaner wie DeLillo oder Philip Roth. Dass sich davon Spuren in meinen Büchern finden, würde ich aber nicht beschwören. Und eine Menge andere, den Lyriker Gottfried Benn sollte ich noch nennen. Natürlich gab es auch Autoren, bei denen ich wusste: So willst du es nicht machen. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

Mein Lieblingsbuch ist immer das, das ich als nächstes lesen möchte. Dann mag ich gern Autoren die dicke Romane geschrieben haben wie Dostojewski oder Tolstoi, oder lange Zyklen wie Zola mit einem 20-bändigen Romanwerk oder Knausgård mit dem Sixpack „Min kamp“. Ich sollte auch ein paar Autorinnen nennen, die auch wichtig für mich wurden, Unica Zürn (fast vergessen, aber ganz toll), Nathalie Sarraute (dito), Duras oder Bachmann.

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit? Ich schreibe und habe drei Kinder … also in den Zoo gehen oder zum Schwimmen an den See fahren … manchmal laufe ich gern durch die Berge, schau mir aber ebenso gern Städte an - und, ja, ich liebe es zu lesen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Was das Schreiben angeht: die ein oder andere Übersetzung wäre schön. Ein echt großes Projekt angehen zu können, wäre schön. Privat (unter anderem): Reisen außerhalb des westlichen Kulturraums. Das hat sich noch nie ergeben.

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Ich publiziere ja, was ich schreibe, also sind die Leser mir wichtig. Vor allem bei Lesungen freue ich mich zu spüren und zu hören, wie meine Texte ankommen. Da merke ich etwa, ob mein Publikum bei der Sache ist oder in Gedanken abschweift. Das ist wertvoll für mich. Ich schätze auch Leserpost, aber die hält sich in Grenzen. 

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Ich freu mich, dass ihr lest! Man kann heutzutage so wahnsinnig viele verschiedene Sachen machen - aber mal ehrlich: Bücher sind schon einzigartig, hab ich recht?


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