Interview mit Colja Nowak

Hallo erst mal und vielen Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten 

Magst du den Lesern kurz etwas über dich erzählen?

Hi, freut mich, dass ich mich kurz bei dir vorstellen darf. Mein Name ist Colja Nowak, ich bin 38 Jahre, komme aus Hamburg und seit etwas mehr als einem Jahr als Selfpublisher unterwegs. Meine Bücher und Geschichten sind Genrehybriden, meist gehen sie in Richtung Thriller und Horror, haben aber grundsätzlich einen satirischen und gesellschaftskritischen Unterton.In englischsprachigen Ländern würde man sie als Transgressive Fiction bezeichnen. 

Seit wann schreibst du? 

So richtig erst wieder seit zwei Jahren. In meiner Schulzeit habe ich schon gerne Geschichten geschrieben, teilweise auch solche, die meine armen Lehrer erschrocken haben. Danach war das Bedürfnis zwar immer da, aber ich habe einfach nicht angefangen. Vor zwei Jahren kam ich aus dem Urlaub und habe es einfach getan und seitdem irgendwie nicht mehr aufgehört.

Wie bist du zum Bücher schreiben gekommen? 

Als ich ein Teenager war, stand ich unheimlich auf alle möglichen gewalttätigen Filme. In einer Zeitschrift las ich davon, dass dieses ultrabrutale Skandalbuch American Psycho verfilmt werden soll. Das hat mich neugierig gemacht und ich habe meine ahnungslose Mutter davon überzeugt es mir bei Thalia zu bestellen, damals war es nicht frei verkäuflich. Na ja, hab's gelesen und anstatt von der Gewalt begeistert zu sein, war ich beeindruckt, wie Ellis den detailliert den Zeitgeist eingefangen hat und all diese kritischen Untertöne auf unterhaltsame Weise unter der blutigen Oberfläche versteckt hat. Danach dachte ich, das möchte ich vielleicht auch mal machen. Nach Fight Club wusste ich, dass ich es eines Tages machen werde. Diese Möglichkeit der Gesellschaft versteckt einen Spiegel vorzuhalten und eine eigene Botschaft zu verbreiten, hat mich einfach fasziniert. Dann ist es über viele Jahre bei der wagen Idee geblieben, die wilden zwanziger und frühen dreißiger eben, die möchte ich allerdings nicht missen, denn sie bieten eine Menge Grundlagen für meine Geschichten, was besonders bei »Ausgebrannt« der Fall war. 

Ab wann wusstest du, dass du Autor werden willst?  

Nachdem ich mich dann endlich aufgerafft hatte mal etwas zu schreiben, gab es die Frage für mich nicht mehr, ob ich weitermachen will. Das war die Kurzgeschichte »Furries«, es hat mir Riesenspaß gemacht und ich war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Danach habe ich mich sofort an »Ausgebrannt« gesetzt.  

Welche Bücher hast du bisher veröffentlicht?

Wie gesagt, war »Furries« das erste was ich geschrieben habe. Allerdings verging bis zum richtigen Release noch ein Jahr und aus einer Kurgeschichte, wurden nach Überarbeitung drei, die mittlerweile auch alle in »Jingle Bowels« enthalten sind. Erschienen ist es am selben Tag wie meine erste Novelle »Ausgebrannt«, eine Novelle, die ich auch gerne als meine Therapiesitzung bezeichne und deren Hauptdarsteller von einem Rezensenten tatsächlich als »der deutsche American Psycho« bezeichnet wurde, was mich sehr gefreut hat, den schließlich war das der größte Einfluss für das Buch.

Danach kam »Jingle Bowels«, eine Anthologie aus sechzehn Kurzgeschichten, die aber alle auf gewisse Art zusammengehören, einige bauen aufeinander auf oder es tauchen bekannte Charaktere mehrfach auf. Dabei hatte ich die Gelegenheit verschiedene Schreibstile auszuprobieren, in unterschiedlichen Genres zu wildern und eine Menge abgedrehte Ideen zu verarbeiten, was auch einen großen Einfluss auf mein neuestes Buch »Letzte Ausfahrt Wacken« hatte. Es ist ein satirischer Thriller, teils ein schwarze Komödie, eine Drama und eine Rape and Revenge Story. Bisher sind die Reaktionen sehr positiv.

Hast du für deine Bücher recherchiert? 

Na sicher, sobald Recherche nötig war. Man muss sich schon ein gewisses Hintergrundwissen über Schauplätze, Natur, die Jobs der Protagonisten usw. aneignen. Schreiben ist eine hervorragende Gelegenheit neue Dinge zu lernen.

Wo schreibst du am liebsten?

Die Rohfassung am Liebsten bei Starbucks oder im Restaurant. Es ist ja doch sehr zeitaufwändig und isoliert, so habe ich wenigstens ein bisschen Leben um mich herum. Sobald es aber ans Überarbeiten geht, arbeite ich zu Hause im Wohnzimmer mit Musik im Hintergrund. 

Hast Du ein festes Schreibritual?

Nicht wirklich. Außer vielleicht, dass ich die Rohfassung bisher immer auf einem iPad geschrieben habe, einfach weil ich es immer dabei habe, spontan anfangen kann und nebenbei schon kleine Änderungen einfügen kann.

Hast du eine neues Projekt, das du uns schon verraten kannst? 

Ja, es ist aber noch im frühesten Anfangsstadion. Es wird wohl »Das Barcelona Snuff Projekt« heißen, eine Mischung aus Thriller und Mediensatire. Es setzt die Geschichte der Hauptdarstellerinnen aus Furries fort und überkreuzt sich mit Ausgebrannt. In Ausgebrannt gab es diese Nebengeschichte in Barcelona, die den Leser eigentlich hätte verwirren sollen, es hat sich bisher zwar noch niemand gewundert, obwohl ich das eingeplant hatte aber gut … Jedenfalls ist es die Hintergrundgeschichte zu diesen Geschehnissen. 

Gibt es einen Autor, der dein Schreiben beeinflusst hat? 

An erster Stelle ganz klar Chuck Palahniuk. Nicht nur, dass Fight Club eines der beiden Bücher war, die in mir den Wunsch geweckt haben zu schreiben. Seine Bücher haben die Idee auch am Leben erhalten. Davon abgesehen war er mir ein Vorbild darin, gesellschaftskritische Themen durch fiktive Geschichten zu erzählen und sich nicht an Genregrenzen zu halten.

An zweiter Stelle Jack Ketchum. Seine Art die Umwelt seiner Figuren zu beschreiben finde ich wundervoll detailliert. Auch sein Härtegrad ist für mich gewissermaßen ein Maßstab. So brutal, dass es für den Leser ernst und schmerzhaft ist, aber nie so übertrieben, dass es selbstgefällig oder lächerlich wirkt.

Im letzten Jahr ist Simone Trojahn auch eine Art Einfluss geworden. Nicht nur wegen ihrer großen Erfolge als Selfpublisherin sondern wegen ihrer kompromisslosen Art ihr Ding durchzuziehen. Jeder Teil ihrer Werke kommt von ihr selbst, vom ersten Wort bis zum Cover, keine Lektoren die sich einmischen nichts. Sie bestätigt mich in meiner Arbeitsweise. Was man auf dem Papier liest sind unsere Sätze, niemand hat nachträglich daran herumgewerkelt, es ist einfach der echte Autor. Wie viele können das schon ernsthaft von sich behaupten. Ich möchte nicht, dass mein Name auf einem Buch steht, der Inhalt aber von einer dritten Person überarbeitet oder sogar verändert wurde. 

Was sind deine Lieblingsbücher und Lieblingsautoren? 

American Psycho, Fight Club, Das Kainsmal, Beutezeit. Chuck Palahniuk und Jack Ketchum. 

Was machst du gerne in deiner Freizeit?

Freizeit, ja … Ich habe einen Vollzeitjob und schreibe Bücher, also gibt es davon nicht viel. Den größten Teil meiner übrigen Zeit widme ich dem Hund meiner Mutter. Und um nicht vollständig den Kontakt zur Zivilisation zu verlieren zwinge ich mich dann doch mal ins Kino oder auf ein Konzert zu gehen.

Verrätst du einen deiner Wünsche für deine Zukunft oder einen Traum, den du dir gerne noch erfüllen möchtest? 

Ganz klar irgendwann vom Schreiben leben zu können. Das ist natürlich recht unwahrscheinlich und ein weiter Weg, aber ein Traum ist es definitiv. 

Wie wichtig ist dir das Feedback von deinen Lesern? 

Sehr wichtig, ich freue mich über jede positive Rückmeldung und unterhalte mich auch gerne mit den Leuten, bisher hab ich noch jedem Leser über soziale Netzwerke geantwortet. Das gibt einem auch die Gelegenheit um eine Rezension bei Amazon zu bitten, vielen ist es nicht klar, aber eine zu schreiben, ist die beste Unterstützung, die sie uns Autoren geben können.

Danke, dass du meine Fragen beantwortet hast, magst du den Lesern noch etwas sagen? 

Danke für eure tatkräftige Unterstützung und die vielen netten Worte, durch euch macht es noch viel mehr Spaß. Trotzdem, ihr Stresst mich, früher musste ich mich nie fragen, wie ich euch bei Laune halten kann, jetzt habe ich Leistungsdruck durch eure Reaktionen  


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